In der vergangenen Woche schrieben wir in unserem exklusiven Reporting im Rahmen unseres Derivate-Musterdepots an unsere Kunden „Es braut sich etwas zusammen“:
„All diese Widersprüchlichkeiten in den Intermarketanalysen lassen eine Ahnung aufkommen, dass etwas in der Luft liegt, was jetzt noch gar nicht offensichtlich ist. Oft reicht der Markt die Begründung für seinen Verlauf später nach. Damoklesschwerter, die als Katalysator dienen könnten, hängen jedenfalls zur Genüge über den Börsen. Wir sind überzeugt davon, dass uns das Schlimmste der laufenden Krise noch bevorsteht. Keine Metapher erscheint uns im Moment treffender als die Spitze vom Eisberg, die man bislang nur sieht. Das eigentliche Ausmaß des ganzen Desasters steckt noch im Verborgenen bzw. wird vermutlich vor den amerikanischen Präsidentschaftswahlen mit aller Macht im Verborgenen gehalten. […] Wenn sich der aufgestaute Druck nicht schon vorher entlädt. Laut dem Bericht des US-Einlagensicherungsfonds für das zweite Quartal sind die Nettoeinkommen der US-Banken auf den zweittiefsten Stand seit 19991 eingebrochen und liegen inzwischen 90 Prozent (!) unter den Gewinnen des Vorjahres. 18 Prozent aller Banken in den USA arbeiten derzeit nicht profitabel. 117 (!) Institute mit einer durchschnittlichen Bilanzsumme von 2 Mrd. Dollar werden als „notleidend“ eingestuft, befinden sich also in akuter Schieflage. Zur Erinnerung: 10 Banken sind in diesem Jahr bereits pleite gegangen (allerdings bislang „kleine Fische“ mit Bilanzsummen von wenigen hundert Mio. Dollar). Vielleicht handelt es nur um Vorboten…“
Heute, genau eine Woche danach, wissen wir, was die Märkte bereits seit Wochen vorweggenommen haben, und das scheinbar unschlüssige Verhalten der Börsen klärt sich zum Teil auf. Lesen Sie einen ausführlichen Auszug aus unserem letzten Reporting vom 07.09.2008:
Es braut sich etwas zusammen an den Finanz- und Kapitalmärkten dieser Welt. Als ob Gewitterwolken am Himmel aufziehen, so verdüstert sich das Bild derzeit an den Börsen von Tag zu Tag mehr. Wir halten es für nicht unwahrscheinlich, dass ein wirklich großer Knall unmittelbar bevorsteht. Die Märkte spielen zunehmend verrückt und verhalten sich auffällig unnormal. Einige Dinge passen im Moment einfach nicht zusammen, was uns sehr bedenklich stimmt.
Da ist zum einen die Entwicklung an den Rohstoffmärkten. Die Reaktion des Ölpreises auf den Hurrikan „Gustav“ war vollkommen atypisch. Erinnern Sie sich an den rasante Verteuerung des Öls als Sturm „Katharina“ vor drei Jahren wütete? Auch wenn sich die tatsächlichen Schäden diesmal in Grenzen hielten, so zeichnete sich ein solch glimpflicher Ausgang lange Zeit nicht ab. „Gustav“ war eine ernsthafte, gravierende Bedrohung für die Ölförderregion im Golf von Mexiko, in der ein Viertel (!) der gesamten US-amerikanischen Ölproduktion stattfindet. Tatsächlich kam es durch die mehrtätige Evakuierung von 80 Prozent der Öl- und Gasförderstandorte in den letzten zwei Wochen zu derart massiven Produktionsausfällen, dass die Ölkonzerne eine Freigabe der staatlichen Ölreserven beantragt und gewährt bekommen haben.
Auch die Andeutung Russlands, im Fall von Sanktionen den Ölhahn zuzudrehen, ließ den Markt kalt. Noch vor einem Monat hätte diese Gemengelage den Ölpreis vermutlich durch die Decke (sprich: durch die 200-Dollar-Marke) schießen lassen. Jetzt dagegen reichte es nicht einmal zu einer Unterstützung und das nach einem bereits vorangegangenen Preisrutsch von über 25 Prozent! Stattdessen kam es zu einem regelrechten Sell-Out, der kaum zu erklären ist.
Angesichts dieses unverhofften „Wunders“ hätten die Aktienmärkte eigentlich glückselig zu Freudensprüngen ansetzen müssen. Schließlich galt der Ölpreis als einer der Hauptschuldigen für die ganze Malaise der letzten Monate. Doch auch hier weit gefehlt. Die Aktien gerieten diesmal mit unter Druck.
Plötzlich änderte sich die Argumentation: Die fallenden Rohstoffnotierungen werden jetzt als Vorbote einer Rezession interpretiert. Gleichzeitig erfolgte aber eine Korrektur des Bruttoinlandsprodukts in den USA um das Doppelte auf stattliche 4,3 Prozent (annualisiertes) Wachstum, die Stimmung der Verbraucher und der Einkaufsmanager hellt angeblich wieder auf und die Auftragseingänge legen wie aus dem Nichts kräftig zu. Und überhaupt: Wenn es der Wirtschaft angeblich so schlecht geht, warum steigt dann der Dollar unaufhörlich? Also doch keine Rezessionsangst???
Der Dow Jones hat von Mittwoch bis Freitag in der Spitze über 700 Punkte verloren, der DAX innerhalb von drei Tagen knapp sieben Prozent! Auslöser waren - glaubt man den Marktbeobachtern - die Arbeitsmarktdaten. Schon am Donnerstag wurden die schlimmsten Befürchtungen hinsichtlich des Beschäftigungsabbaus in den USA weit übertroffen. Insofern wäre die Talfahrt der Börsen auf diese Hiobsbotschaften als „natürliche Reaktion“ zu werten. Etwa endlich mal ein schlüssiges Bild? Mitnichten! Denn ebenso „natürlich“ hätte der Dollar mit einer deutlichen Abwertung reagieren müssen, erst recht in seinem aktuell extrem überkauften Zustand. Die Arbeitslosenquoten, das bedeutendste Konjunkturbarometer der USA, verzeichnete in den vergangenen sechs Monaten den stärksten Anstieg seit 26 Jahren! Eine Zinserhöhung durch die FED, mit der die Wiedergeburt des Dollars begründet wurde, dürfte damit schnell wieder vom Tisch sein. Und was macht der Dollar? Er steigt munter weiter. Gegenüber dem Euro kam es sogar zum stärksten Wochenzuwachs seit Einführung des Währungspaares, trotzdem die EZB ihrerseits die Zinssenkungsphantasie aus dem Markt genommen hat.
Und um die Verwirrung komplett zu machen: Die Rentenmärkte preisen mittlerweile sogar mehrere Zinsenschritte nach unten ein und lassen sich auch nicht von diametral entgegengesetzten Aussagen (europäischer) Notenbanker beeindrucken.
All diese Widersprüchlichkeiten in den Intermarketanalysen lassen eine Ahnung aufkommen, dass etwas in der Luft liegt, was jetzt noch gar nicht offensichtlich ist. Oft reicht der Markt die Begründung für seinen Verlauf später nach. Damoklesschwerter, die als Katalysator dienen könnten, hängen jedenfalls zur Genüge über den Börsen. Wir sind überzeugt davon, dass uns das Schlimmste der laufenden Krise noch bevorsteht. Keine Metapher erscheint uns im Moment treffender als die Spitze vom Eisberg, die man bislang nur sieht. Das eigentliche Ausmaß des ganzen Desasters steckt noch im Verborgenen bzw. wird vermutlich vor den amerikanischen Präsidentschaftswahlen mit aller Macht im Verborgenen gehalten.
Es gibt viele Indizien dafür, dass bestimmte Konjunkturdaten zuletzt systematisch geschönt wurden. Als Beispiel seien an dieser Stelle die jüngsten Daten zu den Auftragseingängen langlebiger Wirtschaftsgüter genannt, die vom Markt positiv aufgenommen wurden, weil sie gegen alle Befürchtungen gegenüber dem Vormonat um 1,1 Prozent angestiegen waren. Zum einen geht ein erheblicher Anteil an den langlebigen Wirtschaftsgütern auf die Rüstungsindustrie zurück, deren Aufträge nahezu ausschließlich vom Staat kommen. Die Nachfrage in diesem Bereich ist demnach beliebig vom Staat steuerbar. Zum anderen handelt es sich um nominale Daten. Bereinigt um die Inflation (Preissteigerung), die bekanntlich drastisch zugenommen hat, wird aus einem nominalen Plus an Auftragseingängen ein reales Minus!
Oder denken Sie an die zahlreichen, jedoch eben einmaligen Sondereffekte, die – ebenfalls mit Blick auf die Wahl – in den Daten des zweiten und dritten Quartals drinstecken, auf Verbraucherseite die massiven Steuergeschenke, die den Konsum künstlich hochgehalten haben, auf Unternehmensseite die steuerbegünstigte Auflösungen von Rückstellungen, die dazu geführt haben, dass die Gewinnrevisionen im ersten Halbjahr im Rahmen geblieben sind. Und nicht zuletzt der auf wundersame Weise wiederbelebte Greenback. Ein Schelm, wer böses dabei denkt… . Doch das böse Erwachen ist nicht aufgehoben, sondern lediglich verschoben auf die Zeit nach der Wahl.
Wenn sich der aufgestaute Druck nicht schon vorher entlädt. Laut dem Bericht des US-Einlagensicherungsfonds für das zweite Quartal sind die Nettoeinkommen der US-Banken auf den zweittiefsten Stand seit 19991 eingebrochen und liegen inzwischen 90 Prozent (!) unter den Gewinnen des Vorjahres. 18 Prozent aller Banken in den USA arbeiten derzeit nicht profitabel. 117 (!) Institute mit einer durchschnittlichen Bilanzsumme von 2 Mrd. Dollar werden als „notleidend“ eingestuft, befinden sich also in akuter Schieflage. Zur Erinnerung: 10 Banken sind in diesem Jahr bereits pleite gegangen (allerdings bislang „kleine Fische“ mit Bilanzsummen von wenigen hundert Mio. Dollar). Vielleicht handelt es sich nur um Vorboten…
Doch längst droht nicht nur von Bankenseite her der Kollaps. Auch die ersten Hedgefonds platzen wie Seifenblasen. Am Mittwoch wurde bekannt, dass einer der größten Hedgefondsanbieter im Rohstoffsegment Schiffbruch erlitten hat. Wo bewährte Korrelationen in der Intermarketanalyse außer Kraft gesetzt scheinen (siehe oben), sind Entwicklungen an den Kapitalmärkten kaum mehr prognostizier- und Risiken schwer kalkulierbar. Viele institutionelle Player dürften daher gehörig auf dem falschen Fuß erwischt worden sein. Auch darin könnte eine Erklärung für die massiven Verwerfungen an den Kapitalmärkten liegen.
Zu Beginn der neuen Woche dürfte der MACD ein frisches Verkaufs-Signal generieren. Wir sind überzeugt davon, dass der DAX nun schnell seine bisherigen Tiefs durchbrechen und dann seinen Abwärtstrend beschleunigen wird. Unsere negative Einstellung zum Aktienmarkt werden wir in den nächsten Wochen beibehalten. Eine Baisse endet ohnehin in aller Regel mit einem finalen Sell-off. Diesen sehen wir zeitlich frühestens Ende des Jahres, wenn die US-Wahlen vorüber sind und die ganze Dimension gewisser Probleme an die Oberfläche gelangen kann. Möglicherweise dauert ein solcher Bereinigungsprozess dann bis Sommer/Herbst 2009.
Zudem bedarf es vor einem erneuten Aufschwung zunächst einer kompletten Neubewertung der Unternehmensgewinne. Durch bilanzkosmetische Maßnahmen konnten die Bilanzen bislang recht stabil gehalten werde. Das dürfte sich in den kommenden Quartalsberichten dramatisch ändern. In der Folge werden die betriebswirtschaftlichen Kennzahlen drastisch revidiert werden müssen. Glauben Sie niemandem, der auf Basis der aktuellen Kurs-Gewinn-Verhältnisse von einem niedrig bewerteten Gesamtmarkt spricht. Die französische Großbank Credit Agricole beispielsweise hat vergangene Woche einen Gewinnrückgang von 94 Prozent vermeldet! Die aktuellen Gewinnschätzungen sind das Papier nicht wert, auf dem sie gedruckt werden. Wir gehen sogar noch einen Schritt weiter und meinen, dass in einem nachhaltig stagflatorischen Umfeld komplett neue Bewertungsmaßstäbe angesetzt werden müssen.
Übrigens: Unser „Reales Derivate-Musterdepot“ (siehe www.derivate-investments.de) feiert zum einjährigen Geburtstag eine Nettorendite (d.h. nach Abzug aller Kosten und Gebühren) von 21,4 Prozent – bei minimalem Risiko, breiter Diversifikation und geringster Volatilität! Alleine seit April beträgt der Wertzuwachs mehr als zehn Prozent! Elf von zwölf aktuellen Depotwerten befinden sich im Plus! Nicht einen einzigen Monat gab es bislang eine negative Performance!
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D. Kirschbaum, Derivate-Investments |
Dirk Kirschbaum, geboren am 19.10.1973 in Georgsmarienhütte, studierte an
den Universitäten von Osnabrück und Birmingham Volkswirtschaftslehre, war
anschließend für verschiedene Banken und Investmenthäuser im
Wertpapiergeschäft und in der Vermögensverwaltung tätig und ist heute
geschäftsführender Gesellschafter der "Kirschbaum Derivate-Investments
GmbH", die private und institutionelle Anleger im Umgang mit derivativen
Finanzinstrumenten betreut.
Für Aufsehen sorgte Dirk Kirschbaum im Winter 2000/2001, als er für das
Kapitalanlagemagazin "investor" in einem Strategievergleich trotz
rückläufiger Aktienmärkte durch den gezielten Einsatz von Derivaten
in der
Spitze mehr als 350% Wertzuwachs erzielt hat. Kurz darauf gründete er den
ersten deutschsprachigen Börseninformationsdienst
für Optionsscheinanleger.
Das in diesem Zusammenhang von ihm öffentlich gemanagte reale Musterdepot
konnte selbst in den Krisenjahren 2001 bis 2003 zweistellige Wertzuwächse
verbuchen.
Als Buchautor, Analyst und gefragter Interviewgast in der Medienlandschaft
ist Dirk Kirschbaum inzwischen einem breiten Fachpublikum als
Derivate-Experte bekannt. Darüber hinaus promoviert und doziert der
zweifache Familienvater derzeit am Institut für Ökonomische Bildung der
Westfälischen-Wilhelms-Universität in Münster.
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