Leser sollen zahlen



08:28 06.08.09

Angesichts eines sich verschlechternden Geschäfts, insbesondere im Zeitungsbereich und beim Fernsehen denkt der Verlagstycoon Robert Murdoch darüber nach die Online-Leser stärker heranzuziehen. So sollen zukünftig die Leser der Online-Ausgaben der Sun, News of the World und auch der Fox News Channel für die Online-Informationen bezahlen.

Das ist auch nötig, da die News Corp., der u.a. auch das Wall Street Journal gehört, im letzten Quartal einen Verlust von -203 Mio. Dollar oder -8 Cent je Aktie ausweisen musste. Wie dramatisch die Situation bei der News Corp. ist, zeigt das Ergebnis im Vorjahresvergleichszeitraum, das mit 1,1 Mrd. Dollar doch recht ordentlich war. Stark gedrückt hat das Ergebnis die Abschreibung auf das MySpace Engagement in Höhe von -680 Mio. Dollar.

Aber nicht nur der Gewinn zeigt Schwund. Auch der Umsatz ist um -11 % auf 7,7 Mrd. Dollar zurückgegangen. Wobei es auch Gutes zu berichten gibt. So war das Kabel Networks-Geschäft, in dem FX, National Geographic und Fox Sports Net beheimatet ist, recht erfolgreich. Das Betriebsergebnis ist dort um +39 % angestiegen.

Im Gegensatz dazu war das Broadcast Television Geschäft aufgrund der rückläufigen Anzeigen relativ schwach. Das Anzeigengeschäft hat auch bei den Zeitungen das Ergebnis verhagelt. So fiel dort der Gewinn um -64 %. Wobei das Anzeigengeschäft in U.K. und Australien um je -14 % rückläufig war. Und auch die Film und TV-Produktion war mit -7,7 % eher unbefriedigend.

Abzuwarten bleibt, wie sich das Geschäft mit dem Bezahlsender Premiere AG, der sich in Bälde in Sky Deutschland umbenennen wird, entwickelt. Hier hat die News Corp. zuletzt ihren Anteil von 30,5 % auf 40 % erhöht.

Eines zeigt diese Pressemitteilung und das Quartalsergebnis recht deutlich. Die sozialen Netzwerke sind schön und gut, aber so richtig Geld lässt sich mit Ihnen nicht verdienen. Und, es führt kein Weg daran vorbei für qualitativ hochwertige Informationen im Web etwas zu verlangen. There is no free lunch. Auch im Web. Gut, dass Medienkonzerne, wie die News Corp. das langsam auch erkennen.



Wieder wird auch bestätigt, dass Geschäftsmodelle, die sich nur auf das Anzeigengeschäft bzw. Werbeeinahmen verlassen auf Sand setzen. Gerade in Zeiten wie diesen, wo das Advertising Geschäft dramatisch wegbricht, ist es gut einen Umsatzstrom jenseits der Werbeeinahmen zu haben.

Ob das Engagement bei Premiere erfolgreich sein wird, bleibt abzuwarten. Ich habe da meine Zweifel. Die Methode „Friss oder Stirb“, also die Paketangebote passen meines Erachtens nicht mehr in unsere Zeit, wo es doch technisch ohne Probleme möglich wäre, einzelne Filme zu verkaufen, was meines Erachtens auch weit lukrativer wäre. Und ob Premiere mit der Fußballrechtevermarktung viel Spaß haben wird, bleibt abzuwarten. Aber Konzerne haben da oft so ihre eigene Denke. Und laufen auch gerne zweimal gegen die gleiche Wand.

Und so sind die Aussichten für die News Corp. gemischt. Ich persönlich bin auf jeden Fall lieber Leser des Wall Street Journal, als Aktionär der News Corp oder Premiere AG.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag und hohe Renditen.

Ihr Norbert Lohrke

Globalyze - weil Unabhängigkeit, vor allem Bankenunabhängigkeit mehr wert ist als alles andere.

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Über den Autor
 
Autor: Norbert Lohrke Norbert Lohrke,
Globalyze Invest AG

Diplom-Volkswirt Norbert Lohrke betreibt seit 2004 www.globalyze.de mit seiner einzigartigen voll-automatisierten fundamentalen Aktienauswahl. Daraus resultieren renditeträchtige Produkte wie Top10 Plus, Top Flop, Value Börsenbrief und der Aktienfonds Globalyze QuantValue (A1JL1H). Nicht zuletzt aufgrund seiner Erfahrungen aus Wirtschaftsprüfung und Bewertung sowie seiner kritischen Betrachtungsweise ist der Investmentprofi einer der meistgelesenen Wirtschaftsautoren im deutschsprachigen Raum. Sein Slogan? „Rendite ist kein Zufall“

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