Was mussten wir in letzter Zeit nicht alles über
Frau Schickedanz, die Großaktionärin der Arcandor AG lesen. Mit der
Insolvenz des Warenhauskonzerns verlor sie einen Großteil ihres
Vermögens. Zu besten Zeiten war ihr Aktienengagement mehr als 3 Mrd.
Euro wert. Geblieben sind jetzt noch ca. 20 Mio. Euro. Sogar eine
Spendenbox wurde von Mitarbeitern des Konzerns aufgebaut.
Da schwang viel Häme und Schadenfreude mit. Einigen Gruppen schien es
geradezu Freude zu bereiten, dass einer der Vermögenden dieses Landes
ins Straucheln kommt und abstürzt. Wenngleich Frau Schickedanz mit
Sicherheit nicht in den Abgrund fallen, sondern sanft aufgefangen wird.
Und dennoch muss man ihr zu Gute halten, dass sie unbeirrbar bis zum
Schluss an dem Arcandor-Engagement fest gehalten hat. Während andere
wie Sal. Oppenheim sich noch anderweitig bedienet haben. Das mag rein
wirtschaftlich gesehen nicht klug gewesen sein. Aber es spricht für
Überzeugung und Beharrlichkeit. Und so hat sie die Schlagzeilen, die
ihr in vielen Gazetten, beinahe hasserfüllt entgegenschlagen, nicht
verdient.
Man sollte die Mitarbeiter und diese Schreiber darauf hinweisen, dass
Frau Schickedanz schon viel früher aus dem Engagement hätte aussteigen
und damit weite Teile des Vermögens retten können. Das hat sie nicht
getan. Und das kam den Mitarbeitern am Ende auch zu Gute. Auch, wenn
die Insolvenz wohl unausweichlich war.
Und die Tatsache, dass sie mit z.B. Herrn Middelhoff u.a. auf die
falschen Personen gesetzt hat, geht auch in die Leere. Ich möchte den
sehen, der sich noch nie auf einen Ast gestützt hat, der nicht
gebrochen wäre. Und sich in Menschen geirrt hätte. Der Vorteil von
jenen ist nur, dass sie zu unwichtig sind, als dass der Strahl der
Medien auf sie gerichtet wird.
Und so frage ich mich schon manchmal, warum in unserem Land einerseits
eine so große Freude am persönlichen Misserfolg zu verspüren ist. Und
andererseits erfolgreiche Menschen der Neid missbilligend auf dem Fuß
folgt. Woran liegt’s? Andere Länder machen es uns doch vor, dass es
auch anders, nämlich genau umgekehrt geht.
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Norbert Lohrke, Globalyze Invest AG |
Diplom-Volkswirt Norbert Lohrke betreibt seit 2004 www.globalyze.de mit seiner einzigartigen voll-automatisierten fundamentalen Aktienauswahl. Daraus resultieren renditeträchtige Produkte wie Top10 Plus, Top Flop, Value Börsenbrief und der Aktienfonds Globalyze QuantValue (A1JL1H). Nicht zuletzt aufgrund seiner Erfahrungen aus Wirtschaftsprüfung und Bewertung sowie seiner kritischen Betrachtungsweise ist der Investmentprofi einer der meistgelesenen Wirtschaftsautoren im deutschsprachigen Raum. Sein Slogan? „Rendite ist kein Zufall“
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