Smart Investor Weekly 45/2009: Aktien - rauf oder runter? - Und was macht der Dollar?



22:02 03.11.09

Seit einigen Tagen kennt die Börse scheinbar nur noch die Richtung nach Süden. Wird das so weitergehen?
Gemäß unseren Ausführungen der letzten Wochen könnte man auf die Idee kommen, dass der Einbruch an den Aktienbörsen schärfer werden und noch deutlich tiefer führen wird.

Allerdings hatten wir zuletzt auch angedeutet, dass die Korrektur, in welcher sich die Börsen nun offensichtlich befinden, gar nicht so dramatisch ausfallen muss, da der Konsolidierungsprozess ja auch über die Zeit (quälender Sägezahnmarkt) und nicht zwingend über den Kurs (Crash) erfolgen kann. Wer "Das Große Bild" im soeben erschienenen Heft bereits gelesen hat, hat bemerkt, dass wir nun tendenziell zur ersteren Variante tendieren. Das hat unter anderem damit zu tun, dass - national gesehen - die neue schwarz-gelbe Regierung nun einen recht ungewöhnlichen Weg beschreiten will. Man plant Ausgabeerhöhungen und keine Steuererhöhungen und riskiert natürlich dabei ein komplettes Aus-dem-Ruder-Laufen der Staatsfinanzen. Diese Flucht nach vorne zeigt aber, wie furchtbar es um unser Finanzsystem bestellt sein muss. Auf der anderen Seite ist natürlich eine solche expansive Politik genau diejenige, die ein Crack-up-Boom, so wie wir ihn schon seit langem beschreiben, erfordert. Unsere Fehleinschätzung liegt darin, dass wir erst noch ein großes Drama (welcher Art auch immer) für wahrscheinlich hielten, im Zuge dessen dann diese expansive Steuer- und Finanzpolitik gefahren wird. Ein solches Drama kann zwar immer noch kommen, an einen weiteren Crash vom jetzigen Niveau wollen wir aber nicht glauben.



Auch das Investorensentiment ist derzeit nicht eindeutig zu interpretieren. Am ehesten würden wir eine mehrmonatige Seitwärtsbewegung daraus lesen. Lesen Sie hierzu im aktuellen Heft in meiner besagten Rubrik die Absätze "Rauschen im Blätterwald" und "Bullen und Bären". Hinzu kommt die Charttechnik, aus der heraus wir im Bereich 5.000 bis 5.200 DAX-Punkten (rote dicke Waagerechten) einen massiven Unterstützungsbereich ausmachen, in welchem unseres Erachtens die jetzige Abwärtsbewegung vermutlich stecken bleiben wird.

Bedenken Sie dabei: Im Crack-up-Boom werden sich die verschiedenen Branchen höchst unterschiedlich entwickeln. Automobile oder auch Maschinenbau halten wir für nicht aussichtsreich. Wie das Beispiel BMW heute zeigt (massiver Gewinnrückgang) ist diese Branche von großen Überkapazitäten geplagt, und daran hat sich bislang auch nichts geändert. Es ist hier noch nicht ansatzweise eine Bereinigung des Marktes erfolgt (siehe Opel). Andere Branchen wie Rohstoffe, Agrar oder Konsum dagegen dürften eher zu den Gewinnern gehören. Wenn wir also davon sprechen, dass die Börse während der kommenden Monate nur seitwärts tendiert, dann kann das dennoch implizieren, dass einzelne Sektoren wie Automobile deutlicher unter Druck kommen.
Zum Dollar
Wohl selten zuvor war eine Sache sooo klar wie diese: Der Dollar muss weiter schwach werden, immerhin drucken die Amerikaner Geld als gäbe es kein Morgen mehr. Nun wissen Sie als Leser des Magazins, dass wir in der Relation Dollar zu Euro eine Kehrwende erwarten. Zugegebenermaßen schon seit längerem, konkret seit etwa 1,42 USD/EUR. Die Begründung dafür liegt weniger darin, dass wir die US-Währung für unterbewertet hielten, ganz und gar nicht. Vielmehr sehen wir die europäische Währung in Anbetracht der Schwierigkeiten, die auf uns zukommen - Stichworte wären hier die Zerreißprobe des Euro, die europäische Banken-Bombe, die Investitionsgüterlastigkeit der europäischen Industrie usw. (auf all das sind wurde im Heft bereits eingegangen) - für heillos überwertet halten, und zwar eben auch gegenüber dem Dollar. Dazu kommt noch, dass die USA aufgrund ihrer militärischen Übermacht jederzeit die jetzt gültigen "Spielregeln" in der Wirtschaft außer Kraft setzen und neue erlassen und auch durchsetzen können (im Prinzip war der Irak-Krieg genau eine solche Spielregel-Änderung). All diese Punkte deuten für uns auf einen tendenziell stärkeren Dollar gegenüber dem Euro.



Wie gesagt, dies ist schon seit längerem unsere Meinung. Warum es an dieser Stelle nochmals erwähnt wird, hat damit zu tun, dass der Dollar gerade eben seinen fast 9-monatigen Abwärtsrend (gg. Euro) mit dem heutigen Tage durchbrochen hat - und das bei einem Sentiment, welches fast schon als abgrundtief pessimistisch für die US-Währung zu bezeichnen ist. Dies ist ein Zeichen für uns, dass hier nun eine nachhaltige Kehrtwende eingetreten sein könnte. Theoretisch könnte dies sogar als ein Zeichen dafür interpretiert werden, dass der Markt eine anstehende internationale Krise "erahnt", im Zuge derer die USA ihre weltpolitische (incl. militärische) Stärke ausspielen werden. Mehr zum Dollar dann auch nochmals im nächsten Heft.

Musterdepot
Unser DAX-Shortzertifikat der Citibank (WKN CG021U) welches wir vor knapp zwei Wochen zu 5,50 EUR in das Musterdepot zur Absicherung aufgenommen hatten, wollen wir vor dem Hintergrund des vorher Gesagten wieder glattstellen. Für alle 2.000 Stück legen wir ab dem morgigen Mittwoch ein Verkaufslimit bei 10,05 EUR. Dieses Verkaufslimit dürfte bei einem DAX-Stand von etwa 5.240 Punkten aufgehen.

Hinweis: Die eben beschrieben Short-Position finden Sie im aktuellen Heft im dort abgedruckten Musterdepot auf S. 70 nicht vor, da der Redaktionsschluss dafür der Freitag, der 23. Nov., war, die Einbuchung der Position aber erst am darauf folgenden Montag stattfand.

Den Put-Optionsschein auf die Deutsche Bank belassen wir noch im Depot. Unsere Meinung zu dieser Aktie ist negativ, was Sie im Heft auf S. 51 hinsichtlich der Charttechnik nachlesen können. Auf S. 59 finden Sie dann eine eingehende Untersuchung der fundamentalen Situation bzw. der Bank-Bilanz. Kurzum: Die Deutsche Bank Aktie sollte man unserer Ansicht nach meiden. Ob allerdings dieser Put noch aufgehen wird, welcher doch bereits Mitte Dezember auslaufen wird, ist fraglich. Der Totalverlust sollte hier mit einkalkuliert werden.

Wie angekündigt legen wir wieder ein paar Kauflimits für aussichtsreiche Aktien, welche wir in den letzten Monaten im Heft beschrieben hatten. Wohlgemerkt: Die Limits sind bewusst so gewählt, dass sie wahrscheinlich nicht alle aufgehen werden, einige davon haben sicherlich auch Abstaubercharakter. 1.000 Stück Grifols (WKN: A0B 6Z3) Kauflimit bei 10,20 EUR (akt.: 10,90 EUR; zuletzt im Heft erwähnt in 5/09 auf S. 60); 800 Stück BayWa (WKN: 519 406; zuletzt im Heft erwähnt in 9/09 auf S. 6)) Kauflimit bei 21,10 EUR (akt.: 22,20 EUR); 1.000 Stück Smartrac (WKN: A0J EHN) Kauflimit bei 11,40 EUR (akt.: 11,98 EUR; zuletzt im Heft erwähnt in 11/09 auf S. 80). Alle Limits gelten ab dem morgigen Mittwoch, und zwar bis auf Widerruf.



Unsere oben dargestellten Überlegungen zum Dollar wollen wir mit dem Short-Zertifikat des Euro gegen den Dollar von HSBC Trinkaus mit der Kennummer TB7 N6H umsetzen. Der Basispreis (= zugleich Knock-out-Schwelle) beträgt 1,5551 USD/EUR, die Laufzeit reicht bis 10.3.2010. Wir erwerben zur morgigen Börseneröffnung um 9.00 Uhr 1.000 Stück (akt. Kurs: 6,10 EUR), womit wir hier etwa 2% unseres Depotvolumens riskieren.

Hinweis auf Veranstaltungen
Nachfolgend sind drei Veranstaltungen erwähnt, auf denen wir mit einem Stand vertreten sind (außer auf der WoT). Bei den beiden Münchner Veranstaltungen werde ich zum Thema "Crack-up-Boom" referieren.

Am 6. und 7. November findet in München die Edelmetallmesse statt, Infos unter www.edelmetallmesse.com: Ralf Flierl wird dort um 11.10 Uhr zum Thema "Crack-up-Boom" referieren

Vom 9. bis 11. November findet in Frankfurt das Eigenkapitalforum statt;
Infos unter www.eigenkapitalforum.com

Am 14. November, findet im Neuen Forum des Deutschen Museum der Münchner Börsentag statt, dort wird Chefredakteur Ralf Flierl im Kino 1 um 14.00 Uhr zum Thema "Crack-up-Boom" referieren.
Infos unter www.muenchner-boersentag.de
Am 13. und 14. November findet in Frankfurt die World-of-Trading Messe statt. Infos unter: www.wot-messe.de/messepartner/smartinvestor
Fazit
Die Aktienbörsen haben innerhalb nur weniger Tage 10% oder mehr verloren. Im Hinblick auf den von uns prognostizierten CuB werden wir nun wieder etwas aktiver und legen erste Limits in den Markt. Erstmals wagen wir nun auch eine Spekulation auf den Dollar bzw. gegen den Euro, weil wir hier eine krasse Fehleinschätzung der Anlegerschaft vermuten.

Hinweis: aufgrund redaktionsinterner Gründe wird der nächste Smart Investor Weekly am kommenden Dienstag sehr "dünn" ausfallen, vermutlich nur ein paar Sätze.

Ralf Flierl

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Über den Autor
 
Autor: Ralf Flierl Ralf Flierl,
Smart Investor

Ralf Flierl ist Chefredakteur der Anlegerpublikation "Smart Investor". Kritisch, unvoreingenommen, unabhängig, antizyklisch, sophisticated, non-Mainstream.... kurz: smart - das sind die Attribute des im Mai 2003 eingeführten "Smart Investor" . Weitere Informationen sowie die Möglichkeit, das Magazin kostenlos zu testen, finden Sie unter www.smartinvestor.de.

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