Seit einigen Tagen kennt die Börse scheinbar
nur noch die Richtung nach Süden. Wird das so weitergehen?
Gemäß unseren Ausführungen der letzten Wochen
könnte man auf die Idee kommen, dass der Einbruch an den
Aktienbörsen schärfer werden und noch deutlich tiefer
führen wird.
Allerdings hatten wir zuletzt auch angedeutet, dass die Korrektur,
in welcher sich die Börsen nun offensichtlich befinden, gar
nicht so dramatisch ausfallen muss, da der Konsolidierungsprozess
ja auch über die Zeit (quälender Sägezahnmarkt)
und nicht zwingend über den Kurs (Crash) erfolgen kann. Wer
"Das Große Bild" im soeben erschienenen Heft bereits gelesen
hat, hat bemerkt, dass wir nun tendenziell zur ersteren Variante
tendieren. Das hat unter anderem damit zu tun, dass - national
gesehen - die neue schwarz-gelbe Regierung nun einen recht
ungewöhnlichen
Weg beschreiten will. Man plant Ausgabeerhöhungen und keine
Steuererhöhungen und riskiert natürlich dabei ein komplettes
Aus-dem-Ruder-Laufen der Staatsfinanzen. Diese Flucht nach vorne
zeigt aber, wie furchtbar es um unser Finanzsystem bestellt sein
muss. Auf der anderen Seite ist natürlich eine solche expansive
Politik genau diejenige, die ein Crack-up-Boom, so wie wir ihn
schon seit langem beschreiben, erfordert. Unsere Fehleinschätzung
liegt darin, dass wir erst noch ein großes Drama (welcher
Art auch immer) für wahrscheinlich hielten, im Zuge dessen
dann diese expansive Steuer- und Finanzpolitik gefahren wird.
Ein solches Drama kann zwar immer noch kommen, an einen weiteren
Crash vom jetzigen Niveau wollen wir aber nicht glauben.

Auch das Investorensentiment ist derzeit nicht
eindeutig zu interpretieren. Am ehesten würden wir eine mehrmonatige
Seitwärtsbewegung daraus lesen. Lesen Sie hierzu im aktuellen
Heft in meiner besagten Rubrik die Absätze "Rauschen im Blätterwald"
und "Bullen und Bären". Hinzu kommt die Charttechnik, aus
der heraus wir im Bereich 5.000 bis 5.200 DAX-Punkten (rote dicke
Waagerechten) einen massiven Unterstützungsbereich ausmachen,
in welchem unseres Erachtens die jetzige Abwärtsbewegung
vermutlich stecken bleiben wird.
Bedenken Sie dabei: Im Crack-up-Boom werden sich die verschiedenen
Branchen höchst unterschiedlich entwickeln. Automobile oder
auch Maschinenbau halten wir für nicht aussichtsreich. Wie
das Beispiel BMW heute zeigt (massiver Gewinnrückgang) ist
diese Branche von großen Überkapazitäten geplagt,
und daran hat sich bislang auch nichts geändert. Es ist hier
noch nicht ansatzweise eine Bereinigung des Marktes erfolgt (siehe
Opel). Andere Branchen wie Rohstoffe, Agrar oder Konsum dagegen
dürften eher zu den Gewinnern gehören. Wenn wir also
davon sprechen, dass die Börse während der kommenden
Monate nur seitwärts tendiert, dann kann das dennoch implizieren,
dass einzelne Sektoren wie Automobile deutlicher unter Druck kommen.
Zum Dollar
Wohl selten zuvor war eine Sache sooo klar wie diese:
Der Dollar muss weiter schwach werden, immerhin drucken die Amerikaner
Geld als gäbe es kein Morgen mehr. Nun wissen Sie als Leser
des Magazins, dass wir in der Relation Dollar zu Euro eine Kehrwende
erwarten. Zugegebenermaßen schon seit längerem, konkret
seit etwa 1,42 USD/EUR. Die Begründung dafür liegt weniger
darin, dass wir die US-Währung für unterbewertet hielten,
ganz und gar nicht. Vielmehr sehen wir die europäische Währung
in Anbetracht der Schwierigkeiten, die auf uns zukommen - Stichworte
wären hier die Zerreißprobe des Euro, die europäische
Banken-Bombe, die Investitionsgüterlastigkeit der europäischen
Industrie usw. (auf all das sind wurde im Heft bereits eingegangen)
- für heillos überwertet halten, und zwar eben auch
gegenüber dem Dollar. Dazu kommt noch, dass die USA aufgrund
ihrer militärischen Übermacht jederzeit die jetzt gültigen
"Spielregeln" in der Wirtschaft außer Kraft setzen und neue
erlassen und auch durchsetzen können (im Prinzip war der
Irak-Krieg genau eine solche Spielregel-Änderung). All diese
Punkte deuten für uns auf einen tendenziell stärkeren
Dollar gegenüber dem Euro.

Wie gesagt, dies ist schon seit längerem
unsere Meinung. Warum es an dieser Stelle nochmals erwähnt
wird, hat damit zu tun, dass der Dollar gerade eben seinen fast
9-monatigen Abwärtsrend (gg. Euro) mit dem heutigen Tage
durchbrochen hat - und das bei einem Sentiment, welches fast schon
als abgrundtief pessimistisch für die US-Währung zu
bezeichnen ist. Dies ist ein Zeichen für uns, dass hier nun
eine nachhaltige Kehrtwende eingetreten sein könnte. Theoretisch
könnte dies sogar als ein Zeichen dafür interpretiert
werden, dass der Markt eine anstehende internationale Krise "erahnt",
im Zuge derer die USA ihre weltpolitische (incl. militärische)
Stärke ausspielen werden. Mehr zum Dollar dann auch nochmals
im nächsten Heft.
Musterdepot
Unser DAX-Shortzertifikat der Citibank (WKN CG021U)
welches wir vor knapp zwei Wochen zu 5,50 EUR in das Musterdepot
zur Absicherung aufgenommen hatten, wollen wir vor dem Hintergrund
des vorher Gesagten wieder glattstellen. Für alle 2.000 Stück
legen wir ab dem morgigen Mittwoch ein Verkaufslimit bei 10,05
EUR. Dieses Verkaufslimit dürfte bei einem DAX-Stand von
etwa 5.240 Punkten aufgehen.
Hinweis: Die eben beschrieben Short-Position finden Sie im
aktuellen Heft im dort abgedruckten Musterdepot auf S. 70 nicht
vor, da der Redaktionsschluss dafür der Freitag, der 23.
Nov., war, die Einbuchung der Position aber erst am darauf folgenden
Montag stattfand.
Den Put-Optionsschein auf die Deutsche Bank belassen wir noch
im Depot. Unsere Meinung zu dieser Aktie ist negativ, was Sie
im Heft auf S. 51 hinsichtlich der Charttechnik nachlesen können.
Auf S. 59 finden Sie dann eine eingehende Untersuchung der
fundamentalen
Situation bzw. der Bank-Bilanz. Kurzum: Die Deutsche Bank Aktie
sollte man unserer Ansicht nach meiden. Ob allerdings dieser Put
noch aufgehen wird, welcher doch bereits Mitte Dezember auslaufen
wird, ist fraglich. Der Totalverlust sollte hier mit einkalkuliert
werden.
Wie angekündigt legen wir wieder ein paar Kauflimits
für aussichtsreiche Aktien, welche wir in den letzten Monaten
im Heft beschrieben hatten. Wohlgemerkt: Die Limits sind bewusst
so gewählt, dass sie wahrscheinlich nicht alle aufgehen werden,
einige davon haben sicherlich auch Abstaubercharakter. 1.000 Stück
Grifols (WKN: A0B 6Z3) Kauflimit bei 10,20 EUR (akt.: 10,90 EUR;
zuletzt im Heft erwähnt in 5/09 auf S. 60); 800 Stück
BayWa (WKN: 519 406; zuletzt im Heft erwähnt in 9/09 auf
S. 6)) Kauflimit bei 21,10 EUR (akt.: 22,20 EUR); 1.000 Stück
Smartrac (WKN: A0J EHN) Kauflimit bei 11,40 EUR (akt.: 11,98 EUR;
zuletzt im Heft erwähnt in 11/09 auf S. 80). Alle Limits
gelten ab dem morgigen Mittwoch, und zwar bis auf Widerruf.
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Ralf Flierl, Smart Investor |
Ralf Flierl ist Chefredakteur der Anlegerpublikation "Smart Investor".
Kritisch, unvoreingenommen, unabhängig, antizyklisch, sophisticated,
non-Mainstream.... kurz: smart - das sind die Attribute des im Mai 2003
eingeführten "Smart Investor" . Weitere Informationen sowie die Möglichkeit,
das Magazin kostenlos zu testen, finden Sie unter www.smartinvestor.de.
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