Unverstandene Schulden



13:38 22.11.09

 

 

Die Warnungen vor den hohen Staatsschulden werden immer zahlreicher. Uns drohe neues wirtschaftliches Ungemach, heißt es, denn die Staaten kämen mir diesen Schulden immer weniger klar. Sogar ein wirtschaftlicher Kollaps wird nicht mehr ausgeschlossen.

 

Richtig daran ist sicherlich, dass ein Kraftakt, wie er in dieser Krise bewältigt worden ist, so schnell wohl nicht zu wiederholen ist. In der nächsten Krise wird es daher kritisch. Wer mein Buch „Der MADchester-Kapitalismus“ gelesen hat, sieht sie dort im Jahr 2014 angesiedelt.

 

Dennoch scheinen mir die Wirkungen von Staatsschulden in der Öffentlichkeit nicht richtig verstanden zu sein. Prinzipiell kann der Staat aufschulden, so lange, wie seine Gläubiger Vertrauen in ihn besitzen. Und das werden sie tun, so lange die Zinszahlungen erwirtschaftet werden. Daran kann es derzeit keinerlei Zweifel geben.

 

Abschminken muss man sich hingegen die Rückzahlungen. Staatsschulden werden niemals mehr zurück gezahlt. Sie werden nur prolongiert. Sie stellen gleichsam die Gravitationskraft dar, gegen die der Staat wirtschaften muss.

 

Doch jetzt kommt das WICHTIGSTE: Staatsschulden erhöhen den Reichtum in einer Volkswirtschaft. Das ist zwar ein perverser Effekt, doch so ist es nun einmal. Je mehr der Staat sich verschuldet, umso wohlhabender ist die Volkswirtschaft.

 

Doch wie kommt es dazu? Wenn ein Privatunternehmen eine neue Anleihe begibt, passiert gar nichts. Dann besitzen die Käufer der Anleihe jetzt anstelle des Geldes die Anleihe (Aktivtausch) und das Unternehmen das Geld plus die Verbindlichkeit der Rückzahlung, was sich beides jedoch gegeneinander ausgleicht (Bilanzverlängerung). Wird das Geld nun vom Unternehmen verausgabt, müssen Rücklagen, Rückstellungen und Rückzahlungspläne für die Rückzahlung gebildet werden.



 

Verschuldet sich jedoch der Staat per neuer Anleihe, so verausgabt er das neue Geld, ohne das jemand Rücklagen, Rückstellungen oder Rückzahlungspläne bildet, ja, ohne dass überhaupt jemand sich dafür zuständig fühlt, für die Rückzahlung einmal verantwortlich zu sein. So entsteht also neues Vermögen, dem keine Verbindlichkeiten gegenüber stehen. So kann man Vermögen aus dem Nichts schaffen.

 

Und das stabilisiert das System wie von Geisterhand. Alle verteufeln die Staatsschulden, doch genau davon hängt letztlich ihr eigenes Überleben ab. Und das geht so lange gut, bis es irgendwann nicht mehr gut geht.

 

 

Mit den besten Grüßen!

 

Bernd Niquet

 

 

berndniquet@t-online.de

 

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Über den Autor
 
Autor: Bernd Niquet Bernd Niquet,
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Bernd Niquet ist promovierter Volkswirt und schreibt Börsenkolumnen und Bücher.
Das Geld hat den Menschen aus langen historischen Abhängigkeiten befreit. Wer heute etwas haben möchte, bezahlt mit Geld und muss keine anderweitigen Gegenleistungen mehr anbieten. Die meisten Bereiche unseres Lebens liegen allerdings jenseits des Geldes. Wie steht es jedoch jenseits des Geldes mit der Freiheit? Bernd Niquet verfolgt den Lebensweg einer Gruppe von Menschen und stellt fest, dass selbst der Wegfall materieller Restriktionen uns nicht von unseren alten Fesseln befreit. Im Gegenteil, die Vergangenheit bestimmt weit stärker über uns als die gesamte Geldsphäre das je vermag. Weitere Informationen


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