Dollar Carry Trade (2): Extreme Auswirkungen in Hongkong und Dubai!



08:17 23.11.09

In meiner letzten Kolumne beschrieb ich warum Anleger beginnen sollten sich mit den Auswirkungen des „Dollar Carry Trades“ zu beschäftigen. Die Frage ist nicht unerheblich, denn der LIBOR auf USD-Basis unterschritt im August die vergleichbare Yen-Rate und schon der „Yen Carry Trade“ versorgte die Märkte schätzungsweise mit mehr als einer Billionen USD an Liquidität.

Man kann damit rechnen, dass die Auswirkungen eines „Dollar Carry Trade“ nicht den Auswirkungen eines „Yen Carry Trades“ gleichen werden, denn einerseits ist Japan im Gegensatz zu den USA vor allem im Inland verschuldet (dafür wesentlich höher), andererseits ist der US-Dollar DIE globale „Leitwährung“.

Wird der Hongkong-Dollar freigegeben?

Der Status „Leitwährung“ macht den „Dollar Carry Trade“ besonders pikant. Dafür spricht alleine die Vielzahl an Währungen, die an den US-Dollar gekoppelt ist. Dies mag zwar in einem gewöhnlichen Weltwirtschaftsumfeld für Stabilität sorgen, wenn jedoch der Leitwährungsraum kränkelt bringt dies die Länder mit der Währungskoppelung in ernste Schwierigkeiten.

Beispiel Hongkong: durch die Bindung des Hongkonger Dollars an den US-Dollar ist die Zentralbank gezwungen die Zinspolitik der FED fast punktgenau zu kopieren. Möglicherweise ist Ihnen schon einmal aufgefallen, dass sich die „Hong Kong Monetary Authority“ immer einen Tag nach dem FED Board trifft und sie die amerikanische Entscheidung des Vortags mit nahezu 100%iger Sicherheit wiederholt. Der Grund: Wäre das Zinsniveau in Hongkong höher so könnten Anleger bei gleichbleibendem Währungskurs nahezu risikolos einen Carry Trade aufnehmen (Geld in USD leihen und in HKD weiter verleihen).

Dass eine ultraexpansive Zentralbankpolitik nicht gerade zu einer chinesischen Stadt passt dürfte jedem schnell klar werden, wenn er einen Blick auf die Wirtschaftsstatistiken Chinas wirft. Die chinesische Wirtschaft wuchs im dritten Quartal um sage und schreibe 8,9% (im Jahresvergleich)! Rechnen Sie also damit, dass demnächst die Diskussion über die Freigabe des Hong Kong Dollars so laut geführt wird wie nie zuvor.



Profitieren Aktien aus Dubai?

Die Koppelung einiger Währungen an den US-Dollar wird zwar mittel- bis langfristig zu größeren Problem führen, heute können sich Anleger die Sondersituation aber auch zu Nutze machen. Ich kann mir zum Beispiel gut vorstellen, dass die Golfbörsen durch die ultraexpansive FED-Politik aus dem Tal der Tränen gezogen werden.

Aktien in Dubai haben ein durchschnittliches KGV von rund 10 und sie notieren immer noch 70% unter ihrem Höchststand. Die Bindung des Dirhams an den US-Dollar könnte nun für genug Liquidität sorgen, um die von kränkelnden Immobilienaktien dominierte Börse in 2010 wieder in die Höhe zu jagen. Das gilt insbesondere, wenn die Petrodollars die Region wieder überfluten.

Mein Fazit: Zu was für Problem es führt, wenn ausgerechnet die globale Leitwährung zum Ursprung von Carry Trades wird erkennt man schon alleine bei einem Blick auf Länder, die Ihre Währung an den US-Dollar koppeln. Unter dem Motto „Bevor Blasen platzen müssen sie sich erst bilden“ können Anleger heute noch von der Liquidität profitieren. In meiner nächsten Kolumne werde ich mich mit den Auswirkungen der amerikanischen Quantitative Easing in China beschäftigen, denn auch der Yuan ist seit Juli 2008 wieder an den US-Dollar gebunden.

 
Erfolgreiche Investments in den Boom-Märkten der Zukunft wünscht Ihnen

 

Ihr
Florian Schulz
Chefredakteur Emerging-Markets-Trader
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