Kreativität - und wenn es nur beim Namen ist... Smart Investor Weekly 48/2009



21:17 24.11.09

Der Politik wird gerne vorgeworfen, ein wenig uninspiriert und mäßig kreativ mit alten Antworten neue Fragen beantworten zu wollen.

Immerhin, bei der Namensfindung der angestoßenen Maßnahmen lassen sich die regierenden Öffentlichkeitsarbeiter inzwischen nicht lumpen: Wachstumsbeschleunigungsgesetz heißt der jüngste Spross einer ganzen Familie ebenso kostenintensiver wie ökonomisch zweifelhafter Konjunkturkrücken.

Warum nicht gleich so?
Da hätte man auch früher drauf kommen können: Wenn das Wachstum sich partout nicht beschleunigen will, dann befiehlt man ihm genau dies eben per Gesetz. Es wäre natürlich noch cleverer gewesen, beizeiten ein Abschwungsverlangsamungsgesetz auf den Weg gebracht zu haben. Und das wäre sogar im Prinzip überflüssig gewesen, wenn es rechtzeitig ein kontinuierliches Wachstums-Stützungs-Gesetz gegeben hätte, das sich an ein vorangegangenes Wachstums-Sicherungs-Gesetz angeschlossen hätte. Denn bei so eindeutiger Rechtslage hätte sich das Wachstum natürlich nie und nimmer getraut, sich klammheimlich aus dem Staub zu machen. Diese klitzekleine satirische Überhöhung soll vor allem eines aufzeigen: Dass man echtes Wachstum nicht per Dekret befehlen kann. Wachstum gibt es dann, wenn Unternehmen überzeugende Waren oder Dienstleistungen erbringen, für die Menschen bereit sind, ihr Geld auszugeben. Wachstum, das sich daraus generiert, dass Menschen Waren, die sie bislang nicht unbedingt haben wollten (z.B. einen Opel Corsa) zum Beispiel nur deshalb kaufen, weil ihnen das BAFA mit einem Zuschuss gut zuredet, kann niemals nachhaltig sein. Und wie, bitteschön, sollte ein Gesetz auch nur theoretisch wirken, das schon im Vorfeld zerredet und kaputt verhandelt wird? Weil Schleswig-Holstein nur ein Bruchteil der Übernachtungszahlen etwa Bayerns oder Baden-Württembergs vorweisen kann findet die dortige Regierung die Regelung des verminderten Steuersatzes für Hotelübernachtungen nicht sonderlich sexy, da nur wenige heimische Betriebe profitieren, der Landeshaushalt aber belastet wird. Die Diskussion, dass das Frühstück aber mit 19% besteuert werden muss, um Cafés in der Nachbarschaft von Hotels nicht zu benachteiligen, zeugt auch nicht eben von unbändigem Aufbruchwillen.

Was ist der Grund der Nachdenklichkeit?
Immerhin reicht diese Art der Politik zusammen mit einer lockeren Geldausgabe für Kursbewegungen, die man an der Börse als liquiditätsgetrieben bezeichnet. Einstweilen bleibt es aber für Smart Investor bei dem kurzfristig eher vorsichtigen Ausblick auf die weitere Kursentwicklung von Aktien, zumal die nachdenklichen Äußerungen von Spitzenpolitikern eher zum Nachdenken denn zum Investieren reizen. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble warnte, dass die Finanzkrise noch lange nicht überwunden sei, und Bundeskanzlerin Angela Merkel befand, die Riege der Spitzen-Banker riskiere angesichts der dürftigen Vorstellungen der Vergangenheit schon wieder eine "ziemlich dicke Lippe." Ungefragt machten beide deutlich, dass eine zweite Rettungsaktion im gleichen Ausmaßes wie letztes Jahr unvorstellbar sei. Gibt es gar auf Regierungsebene bereits Erkenntnisse, dass erneut Schieflagen zu begradigen sein werden? Wir fragen uns das deshalb, weil wir ja solche Entwicklungen erwarten bzw. immer wieder darauf hingewiesen haben, dass potenzielle Dramen in der Luft liegen, insbesondere im europäischen Bankensektor.

Musterdepot
Für unser Musterdepot bedeutet dies: mittel- bis langfristig hat sich an unserer Erwartung eines Crack-up-Booms nichts geändert. Denn dieser speist sich ja gerade aus vermehrten Eingriffen des Staates in die Wirtschaft - also genau das, was gerade passiert (z.B. Wachstumsbeschleunigungsgesetz usw.). Kurzfristig halten wir es weiterhin für sinnvoll, etwas gebremst zu agieren. Für unseren DAX-Short (WKN: CG0 21U) legen wir ein Verkauflimit bei 10,20 EUR, welches bei einem DAX-Stand von etwa 5.300 Punkten zum Zuge käme. Wir setzen also nochmals auf einen Rücksetzer beim DAX.

Beim Put auf die Deutsche Bank wird es zeitlich eng. Die Aktie sieht technisch etwas angeschlagen aus und auch die Nachrichtenlage für diesen DAX-Titel ist derzeit nicht gerade berauschend. So sollen Analysten einigen zusätzlichen Abschreibungsbedarf für das Kreditportfolio der Frankfurter Bank sehen. Wir müssen uns gedanklich aber mit einem Totalverlust dieses Puts auseinandersetzen. Das Risiko hatten wir ja von Vorneherein als sehr hoch beschrieben, weshalb der Depotanteil auch unter 1% betrug.

Eine ausführlichere Besprechung des Musterdepots finden Sie im nächsten Heft, welches in wenigen Tagen erscheint (Titelgeschichte: Die Hyperinflation von 1923 - Lehren aus der Geschichte).

Der Weihnachtsmann verteilt einen Tradingbestseller?
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Interview mit Ralf Flierl
Auf der Edelmetallemesse Anfang November in München wurde folgendes Interview mit Ralf Flierl geführt:
http://rothkapital.de/files/Kapital/Interview_Smart%20Investor.mp3
Fazit
Die Politik ist heute bereit, Dinge zu tun, die vor wenigen Jahren noch undenkbar gewesen wären. Unsere Prognose ist, dass dieser Trend noch lange nicht zu ende ist. Vielmehr dürfte die Zukunft immer skurrilere Entwicklungen bringen. Stellen Sie sich schon einmal darauf ein - dann werden Sie hinterher nicht allzu heftig überrascht.

Ralf Flierl, Stefan Preuß

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Über den Autor
 
Autor: Ralf Flierl Ralf Flierl,
Smart Investor

Ralf Flierl ist Chefredakteur der Anlegerpublikation "Smart Investor". Kritisch, unvoreingenommen, unabhängig, antizyklisch, sophisticated, non-Mainstream.... kurz: smart - das sind die Attribute des im Mai 2003 eingeführten "Smart Investor" . Weitere Informationen sowie die Möglichkeit, das Magazin kostenlos zu testen, finden Sie unter www.smartinvestor.de.

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