Der
Politik wird gerne vorgeworfen, ein
wenig uninspiriert und mäßig kreativ mit alten Antworten
neue Fragen beantworten zu wollen.
Immerhin, bei der Namensfindung der angestoßenen
Maßnahmen lassen sich die regierenden Öffentlichkeitsarbeiter
inzwischen nicht lumpen: Wachstumsbeschleunigungsgesetz heißt
der jüngste Spross einer ganzen Familie ebenso kostenintensiver
wie ökonomisch zweifelhafter Konjunkturkrücken.
Warum nicht gleich so?
Da hätte man auch früher drauf kommen können:
Wenn das Wachstum sich partout nicht beschleunigen will, dann
befiehlt man ihm genau dies eben per Gesetz. Es wäre natürlich
noch cleverer gewesen, beizeiten ein Abschwungsverlangsamungsgesetz
auf den Weg gebracht zu haben. Und das wäre sogar im Prinzip
überflüssig gewesen, wenn es rechtzeitig ein kontinuierliches
Wachstums-Stützungs-Gesetz gegeben hätte, das sich an
ein vorangegangenes Wachstums-Sicherungs-Gesetz angeschlossen
hätte. Denn bei so eindeutiger Rechtslage hätte sich
das Wachstum natürlich nie und nimmer getraut, sich klammheimlich
aus dem Staub zu machen. Diese klitzekleine satirische Überhöhung
soll vor allem eines aufzeigen: Dass man echtes Wachstum nicht
per Dekret befehlen kann. Wachstum gibt es dann, wenn Unternehmen
überzeugende Waren oder Dienstleistungen erbringen, für
die Menschen bereit sind, ihr Geld auszugeben. Wachstum, das sich
daraus generiert, dass Menschen Waren, die sie bislang nicht unbedingt
haben wollten (z.B. einen Opel Corsa) zum Beispiel nur deshalb
kaufen, weil ihnen das BAFA mit einem Zuschuss gut zuredet, kann
niemals nachhaltig sein. Und wie, bitteschön, sollte ein
Gesetz auch nur theoretisch wirken, das schon im Vorfeld zerredet
und kaputt verhandelt wird? Weil Schleswig-Holstein nur ein Bruchteil
der Übernachtungszahlen etwa Bayerns oder Baden-Württembergs
vorweisen kann findet die dortige Regierung die Regelung des
verminderten
Steuersatzes für Hotelübernachtungen nicht sonderlich
sexy, da nur wenige heimische Betriebe profitieren, der Landeshaushalt
aber belastet wird. Die Diskussion, dass das Frühstück
aber mit 19% besteuert werden muss, um Cafés in der Nachbarschaft
von Hotels nicht zu benachteiligen, zeugt auch nicht eben von
unbändigem Aufbruchwillen.
Was ist der Grund der Nachdenklichkeit?
Immerhin reicht diese Art der Politik zusammen mit
einer lockeren Geldausgabe für Kursbewegungen, die man an
der Börse als liquiditätsgetrieben bezeichnet. Einstweilen
bleibt es aber für Smart Investor bei dem kurzfristig eher
vorsichtigen Ausblick auf die weitere Kursentwicklung von Aktien,
zumal die nachdenklichen Äußerungen von Spitzenpolitikern
eher zum Nachdenken denn zum Investieren reizen. Bundesfinanzminister
Wolfgang Schäuble warnte, dass die Finanzkrise noch lange
nicht überwunden sei, und Bundeskanzlerin Angela Merkel befand,
die Riege der Spitzen-Banker riskiere angesichts der dürftigen
Vorstellungen der Vergangenheit schon wieder eine "ziemlich dicke
Lippe." Ungefragt machten beide deutlich, dass eine zweite
Rettungsaktion
im gleichen Ausmaßes wie letztes Jahr unvorstellbar sei.
Gibt es gar auf Regierungsebene bereits Erkenntnisse, dass erneut
Schieflagen zu begradigen sein werden? Wir fragen uns das deshalb,
weil wir ja solche Entwicklungen erwarten bzw. immer wieder darauf
hingewiesen haben, dass potenzielle Dramen in der Luft liegen,
insbesondere im europäischen Bankensektor.
Musterdepot
Für unser Musterdepot bedeutet dies: mittel-
bis langfristig hat sich an unserer Erwartung eines Crack-up-Booms
nichts geändert. Denn dieser speist sich ja gerade aus vermehrten
Eingriffen des Staates in die Wirtschaft - also genau das, was
gerade passiert (z.B. Wachstumsbeschleunigungsgesetz usw.). Kurzfristig
halten wir es weiterhin für sinnvoll, etwas gebremst zu agieren.
Für unseren DAX-Short (WKN: CG0 21U) legen wir ein Verkauflimit
bei 10,20 EUR, welches bei einem DAX-Stand von etwa 5.300 Punkten
zum Zuge käme. Wir setzen also nochmals auf einen Rücksetzer
beim DAX.
Beim Put auf die Deutsche Bank wird es zeitlich eng. Die Aktie
sieht technisch etwas angeschlagen aus und auch die Nachrichtenlage
für diesen DAX-Titel ist derzeit nicht gerade berauschend.
So sollen Analysten einigen zusätzlichen Abschreibungsbedarf
für das Kreditportfolio der Frankfurter Bank sehen. Wir müssen
uns gedanklich aber mit einem Totalverlust dieses Puts
auseinandersetzen.
Das Risiko hatten wir ja von Vorneherein als sehr hoch beschrieben,
weshalb der Depotanteil auch unter 1% betrug.
Eine ausführlichere Besprechung des Musterdepots finden
Sie im nächsten Heft, welches in wenigen Tagen erscheint
(Titelgeschichte: Die Hyperinflation von 1923 - Lehren aus der
Geschichte).
Der Weihnachtsmann verteilt einen Tradingbestseller?
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Ralf Flierl, Smart Investor |
Ralf Flierl ist Chefredakteur der Anlegerpublikation "Smart Investor".
Kritisch, unvoreingenommen, unabhängig, antizyklisch, sophisticated,
non-Mainstream.... kurz: smart - das sind die Attribute des im Mai 2003
eingeführten "Smart Investor" . Weitere Informationen sowie die Möglichkeit,
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