Sandkastenspiele... und Banker-Bashing. Smart Investor Weekly 49/2009



08:31 02.12.09

Die deutsche Sprache hält schönere Worte als „Zahlungsaufschub“ bereit.

Habseligkeiten zum Beispiel wurde mal von einer Gesellschaft für Deutsche Sprache als besonders nette Bezeichnung ausgewählt. Jetzt lassen sich die Begriffe verbinden: Die Bitte um einen Zahlungsaufschub lässt die gebeutelten Anleger um ihre letzten Habseligkeiten zittern. Dubai, genauer gesagt die staatliche Investmentgesellschaft Dubai World, kann ihre Schulden nicht bedienen. Mit Dubai hatte man bislang eine ganze Menge Dinge assoziiert: Reichtum, 1001-Nacht, Glitzerhotels, Palmeninseln und Business, Business, Business. Letztlich scheint aber doch alles nur ein ganz großer Sandkasten zu sein.

Die bange Frage: wenn schon Dubai Probleme hat…
Auf der Liste der üblichen Verdächtigen, denen Zahlungsschwierigkeiten nachgesagt oder mindestens prophezeit wurden, stand Dubai bislang nicht. Eher als Destination für die Reichen und Schönen, die bei den ganz schön Reichen Urlaub machen oder Shoppen gehen. Das führt zu einer bangen Frage: Wenn schon Dubai Probleme hat, seine Schulden zu bedienen – wie sieht es denn andernorts aus? Smart Investor hatte mehrfach im Laufe des Jahres darauf hingewiesen, dass das Finanzsystem noch lange nicht über den Berg ist (wird es das jemals wieder sein?) und Neuigkeiten wie jene aus Dubai zu Erschütterungen und Kursrutschen führen werden. Jetzt ist die erste Katze aus dem Sack, und sicher scheint nur eines: Es dürfte nicht die letzte gewesen sein..

Polit-Arena gleicht einem Sandkasten
Gedanken an Streitereien wie in einem Sandkasten keimen hierzulande auch bei jedermann, der die Feilscherei um das Wachstumsbeschleunigungsgesetz verfolgt. Unions-Ministerpräsidenten gerieren sich wie die Robin Hoods entrechteter Bundesländer, und auch die in ihrer Heftigkeit weit über die in bekannter Regelmäßigkeit entfachte Neid-Debatte der Geber-Länder im Finanzausgleich lässt erahnen, dass die Zeiten rau sind und die Zeichen weiter auf Sturm stehen. Irgendetwas passt da nicht zusammen: Auf der einen Seite soll kommendes Jahr der Aufschwung mit mehr als 1,5 % Wirtschaftswachstum greifen und Geld in die öffentlichen Kassen spülen – und auf der anderen Seite verneinen die Ländervertreter jede angekündigte Linderung der Finanznot im kommenden Jahr.

Banker weiterhin in der Kritik
Kritik an Bankern ist nicht neu, doch die Intensität nimmt zu. Die schleppende Kreditvergabe der Banken gefährdet nach Einschätzung der Wirtschaft den Aufschwung, ließ uns jüngst Frau Merkel wissen. Insbesondere im Mittelstand wachse die Betroffenheit. „Problematisch ist, dass innovative Unternehmen und Existenzgründer zunehmend Finanzierungsprobleme haben', wurde der Chefvolkswirt des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Volker Treier, zitiert. Der BDI wiederum fordert die Banken in einem Zehn-Punkte-Plan auf, jene Finanzprodukte zurückzubringen, die die Wirtschaft benötigt.

Man mag nun über Banken und Banker so viel Unvorteilhaftes denken wie man nur will. Aber jede Bank und jeder Banker auf dieser Welt wird mit Kusshand jedem Unternehmen Geld leihen, wenn er sicher ist, dass er es mitsamt Zinsen mit hinreichender Sicherheit zurück erhält. Wenn nun genau diese gierigen Banker Unternehmen Geld nicht leihen, deutet das vor allem darauf hin, dass die Aussichten vieler Unternehmen so wahnsinnig rosig offenbar nicht sind. Und dass die Banken weiterhin Liquidität horten, für das nächste Dubai zum Beispiel. Die Regierung sieht sich durch die Kreditverweigerung zu staatlichem Eingreifen verpflichtet. Sie will nun selbst Mittel, z.B. aus dem Deutschlandfonds, bereit stellen, die über mehr oder weniger sinnige Kanäle zum Wohle der Unternehmen fließen sollen. Stellt sich natürlich die Frage: Wenn Bürgschaften und Absicherungen gegeben werden – warum sollte dann der Staat dann nicht direkt die Darlehen vergeben? Aber darauf wird es ja am Ende hinauslaufen, z.B. über die KfW.

Weiterer Schritt in die Staatswirtschaft
Alles in allem entwickeln sich die Dinge weiter so, wie mehrfach an dieser Stelle skizziert: An unserer Erwartung eines Crack-up-Booms hat sich nichts geändert, bzw. die jüngsten Ereignisse bestärken uns mehr und mehr in dieser These. Über die Argumentation dazu lesen Sie bitte im Heft das „Große Bild“. Der Staat rutscht immer tiefer in solche Aufgaben hinein, die eigentlich von nicht-staatlichen Stellen geleistet werden müssten, Banken zum Beispiel. Und stets müssen dafür zig Milliarden aufgewendet werden. Für unsere Strategie bedeutet dies: Durch Dubai und Gesetzeszoff kurzfristig noch Vorsicht, doch darf man schon nach Branchen und Anlagenformen Ausschau halten, in die demnächst investiert werden sollte. So halten wir es auch mit unserem Musterdepot.

Musterdepot
In unserem neuen Heft (am Wochenende erschienen) finden Sie auf S. 70 das Musterdepot mit der Entwicklung aller Werte. Demnach sind wir zu etwa 60% in Aktien investiert, etwa 6% entfallen auf unsere Termingeschäfte, die im Wesentlichen zur Absicherung gedacht sind. Der Rest wird als Cash gehalten und dient dafür, demnächst auf Kauftour zu gehen. Es geht für uns eigentlich nur noch darum, das Ausmaß der augenblicklichen Korrektur abzuschätzen: in zeitlicher wie auch in kursmäßiger Hinsicht. Die von uns verfolgten Indikatoren und Analysemethoden deuten eher auf schwächere nächste Wochen hin. Allerdings gilt der Dezember im Allgemeinen als starker Börsenmonat, woraus sich schon ein gewisser Widerspruch ergibt. Wir dürfen gespannt sein, wie er sich auflösen wird.

Das Verkaufslimit für unseren DAX-Short (WKN: CG0 21U) bei 10,20 EUR gilt weiterhin. Beim Put auf die Deutsche Bank läuft die Zeit aus, der letzte Handelstag ist der 11. Dezember. Wie gesagt, wir haben uns gedanklich mit einem Totalverlust dieses Puts schon abgefunden, warten aber die letzte Woche der Restlaufzeit noch ab. Denken Sei daran, ihn zum Schluss noch glattzustellen. Ansonsten kann es Probleme geben, ihn in der Steuererklärung als Verlustgeschäft mit Gewinngeschäften gegenzurechnen.

Für das Dollar-Long-Zertifikat legen wir einen Stop Loss bei 2,20 EUR, auf Intraday-Basis.

Neues Heft: Die Hyperinflation von 1923


Die Titelgeschichte des soeben erschienenen neuen Heftes lautet „Die Hyperinflation von 1923 – Lehren aus der Geschichte“. Warum wir uns so ausführlich mit dieser damaligen Zeit beschäftigen, hat schlicht damit zu tun, dass diese Zeitperiode in gewisser Weise eine „Blaupause“ für unsere heutige Zeit sein könnte. Das heißt, viele der Fragen, mit denen Leser bzgl. des Crack-up-Booms derzeit auf uns zukommen, lassen sich einigermaßen befriedigend nur beantworten, indem man den Blick zurückwirft in dieser spannenden Zeit nach dem Ersten Weltkrieg bis zur Hyperinflation.

Volontär
In der Smart Investor Redaktion ist eine Volontärsstelle frei. Interessenten sollten sich vorab die Stellenanzeige im Magazin auf 75 durchlesen und sich dann gegebenenfalls bei uns melden.

Weihnachten naht und…
…vielleicht wollen Sie sich oder einen lieben Bekannten mit einem Geschenk beglücken. Smart Investor macht seinen Lesern in Kooperation mit dem Campello Verlag ein tolles Weihnachtsangebot für einen Tradingbestseller. Mehr dazu finden Sie hier:
http://shop.der-haendler.com/smart-investor/buchaktion.html

Fazit
Der letzte Monat dieses Jahres hat begonnen. Man spricht schon wieder eifrig von der Jahresendrally. Ob es zu einer solchen kommen wird, bleibt abzuwarten. Ziemlich sicher aber ist unserer Ansicht nach, dass es das nächste Jahr in sich haben wird.

Ralf Flierl, Stefan Preuß

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Über den Autor
 
Autor: Ralf Flierl Ralf Flierl,
Smart Investor

Ralf Flierl ist Chefredakteur der Anlegerpublikation "Smart Investor". Kritisch, unvoreingenommen, unabhängig, antizyklisch, sophisticated, non-Mainstream.... kurz: smart - das sind die Attribute des im Mai 2003 eingeführten "Smart Investor" . Weitere Informationen sowie die Möglichkeit, das Magazin kostenlos zu testen, finden Sie unter www.smartinvestor.de.

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