Und die Krise zieht weitere Kreise



10:14 10.12.09

Die Ratingagentur Fitch hatte die Bonitätsnote Griechenlands von „A-“ auf „BBB+“ gesenkt. Die weiteren Aussichten für die Kreditwürdigkeit des Landes bewerten die Bonitätsprüfer „negativ“.

Heute folgte eine Nachricht der Ratingagentur Standard & Poor's (S&P), die den Ausblick für die Kreditwürdigkeit von spanischen Staatsanleihen auf "negativ" von bislang "stabil" gesenkt hatte. Das könnte auch zu einer Ratingabstufung Spaniens führen, sofern die dortige Regierung keine "aggressiveren Schritte" unternimmt, fiskalpolitische und außenwirtschaftliche Ungleichgewichte einzudämmen.

 

Die Ratingagentur Moody`s hatte unlängst davor gewarnt, dass auch Staaten mit Top-Ratings wie Großbritannien und die USA immer näher an den unteren Rand ihres Triple-A Ratings geraten. Noch sei das Spitzenranking allerdings „belastbar“. Nur zur Information, Länder wie Kanada, Deutschland, Frankreich, Schweiz, Neuseeland, Österreich und Luxemburg werden von Moody’s als „resistent“ charakterisiert. Hier muss man sich also keine Sorgen machen.

 

Moody’s spricht auch den Umstand an, dass auf alle Staaten langfristig zusätzliche Belastungen durch hohe Zinsen hinzukommen. Die ausufernde Staatsverschuldung in allen Ländern ist in Zeiten niedriger Zinsen gut finanzierbar. Aber was passiert, wenn aufgrund von Inflationssorgen die Zinsen anziehen, und die Staaten sich auf einmal einer ständig wachsenden Zinslast gegenübersehen?

 

Umso wichtiger werden Maßnahmen zu einer nachhaltigen Konjunkturerholung werden. Dazu gehören eben auch ein Abbau der Arbeitslosigkeit und natürlich die Konsolidierung der Haushalte.

 

Gerade der europäische Markt reagierte auf die schlechteren Perspektiven für den ehemaligen Überflieger Spanien verschnupft. Es ist die Befürchtung im Markt, dass noch weitere negative Nachrichten aus dem Kreditmarktbereich kommen. Dubai, Griechenland, Spanien - und wie geht es weiter? Was wird diese Krise noch für Überraschungen bereithalten?

 

 

Wie interpretiert man eine „Orientierungslosigkeit“ des Marktes

 

In den letzten Tagen liest man viel von der Orientierungslosigkeit des Marktes oder der Orientierungslosigkeit der Anleger oder sogar der Indizes. Kurz, den Medien wird so langsam die Seitwärtsbewegung bewusst. Was aber bedeutet eine „Seitwärtsbewegung“? Ist das bullish, bearish oder lediglich ein Zeichen von Unentschlossenheit?

 

Klassische Charttechnik

 

Die klassische Charttechnik macht es sich einfach. Sie sagt: Eine Konsolidierung in Form einer Seitwärtsbewegung - auch Rechteck genannt - ist bullish, da Rechtecke Fortsetzungsformationen sind.

  

https://www.stockstreet.de/newsletter/steffens-daily/091209dax.gif

 

Somit müsste man also irgendwann mit einem Ausbruch aus diesem Rechteck nach oben rechnen.

 

Die Topformation


Wenn es doch so einfach wäre. Gerade nach langen Trends und nach starken Bullenphasen brauchen Tops oft einen längeren Zeitraum, um sich auszubilden. Das ist der entscheidende Unterschied zwischen Top-Formationen und Boden-Formationen: Bodenformationen benötigen wesentlich weniger Zeit, um sich zu etablieren.

 

Ein Beispiel

 

Eines der bekanntesten Beispiele ist das große Top um das Jahr 2000 im Dow Jones:

 

https://www.stockstreet.de/newsletter/steffens-daily/091209dow.gif

 

Dort ist eine typische Seitwärtsbewegung (blaues Rechteck) zu erkennen, die von März 1999 bis September 2001 andauerte. Tatsächlich sind solche Rechtecke typisch für große Tops. Allerdings verstecken sie sich oft in anderen Formationen. Eine der bekanntesten Topformationen, die Schulter-Kopf-Schulter-Formation ist besonders dann, wenn sie mit mehreren Schultern ausgebildet wird, eigentlich auch nur eine spezielle Form einer Seitwärtsbewegung.



 

Rounding-Tops


Aber selbst bei den Rounding-Tops, die sich über mehrere Jahre ausbilden können, findet sich im Kern eine Seitwärtsbewegung. Dazu als Beispiel, wie das aussehen kann, der aktuelle DAX:

 

https://www.stockstreet.de/newsletter/steffens-daily/091209rou.gif

 

Wir denken uns den Chart einfach entlang der roten Linie des Roundings und den darauf folgenden Prognoselinien weiter. Dann hätte es in der Mitte des Roundings eben auch eine Seitwärtsbewegung gegeben. Für den DAX würde das übrigens bedeuten, dass sich eine große „W-Formation“ als Bodenformation ausbildet. Das ist aber nur eines von vielen zurzeit noch sehr theoretischen Szenarien. In unserem Zusammenhang belegt dieses Beispiel jedoch anschaulich, wie ein Rechteck das Hoch in einem Rounding ausbildet.

 

Die Abhängigkeit vom Betrachter

 

Bei den vielen Möglichkeiten fällt es dem überzeugten Bären natürlich leicht, diese Seitwärtsbewegung als ein Zeichen des drohenden Endes der Zwischenerholung in dem größten Crash seit knapp 100 Jahren zu bezeichnen. Er wird dazu auch genügend Beweise finden. Genauso wird der Bulle darauf bestehen, dass Rechtecke Fortsetzungsformationen sind und die Rally weiter geht. Schlussendlich gibt es noch die Steffens-Daily-Leser, die gerne beide Seiten betrachten und somit bis hierhin keinen befriedigenden aber damit auch keinen falschen Schluss aus diesen Analysen ziehen können.

 

Fundamentale Betrachtung

 

Tatsächlich kann man allein aufgrund der Feststellung, dass sich der Markt nun in einem Rechteck aufhält, keine wirklich verlässlichen Prognosen erstellen. Und hier zeigt sich, wie wichtig die Verbindung von Charttechnik mit der fundamentalen Grundsituation ist, um bestimmte Formationen besser einordnen zu können:

 

Wir haben eine enorme Rally hinter uns. Der Markt war und ist noch stark überkauft. Das bedeutet, eine Konsolidierung ist mehr als überfällig. Nun sind aber in den USA und in vielen anderen Ländern dieser Erde die Zinsen sehr niedrig, zudem findet das Geld einfach keine Renditemöglichkeiten außerhalb der Börsen. Also fließt das Geld mit der Hoffnung auf Rendite in die Märkte.

 

Das bedeutet, zurzeit stehen sich zwei Fraktionen gegenüber: Die einen, die gerne ihre Gewinne sichern wollen, weil sie um die weitere Zukunft der Märkte besorgt sind und die anderen, die auf der Suche nach Rendite versuchen, zu günstigen Kursen in den Markt zu drängen. Das Ergebnis aus diesem Kampf zwischen diesen beiden Fraktionen ist, dass der Markt weder nach oben, noch nach unten ausbrechen kann. Was macht der Markt also? Er läuft seitwärts. So einfach ist das.

 

Eine Konsolidierung...

 

Über diese Seitwärtsbewegung baut sich aber auch gleichzeitig die überkaufte Situation ab. Eine richtige Konsolidierung in Form von stark fallenden Kursen ist aufgrund der vielen Käufer einfach nicht möglich. Sobald sich die überkaufte Situation nachhaltig abgebaut hat, können die Kurse wieder steigen.

 

... mit einem Aber

 

Aber natürlich darf in dieser fragilen Situation nicht Schlimmes passieren (so wie damals im Dow Jones, als im Jahr 2001 der Anschlag auf das World Trade Center verübt wurde). Dann könnten diejenigen, die noch in den Markt wollen, Angst bekommen und ihren Kaufwillen aufgeben.

Einfache Lösung?

 

Und aus diesem Grund bleibt tatsächlich nichts anderes übrig, als bei so einer Seitwärtsbewegung abzuwarten, ob es zu einem nachhaltigen Ausbruch nach oben oder nach unten kommt. Hier bilden sich die entsprechenden Zeichen. Als Investor, aber auch als Trader kann man jedoch versuchen, an der unteren Begrenzung der Seitwärtsbewegung Positionen aufzubauen und je nach Anlagehorizont weit oder eng abzusichern. An diesen Linien hat man ein vergleichsweise gutes Chance/Risiko-Verhältnis. Denn es gilt: Eine Seitwärtsbewegung ist eine Seitwärtsbewegung ist eine Seitwärtsbewegung – und diese setzt sich meist länger fort, als die meisten glauben wollen...

 

Viele Grüße

 

Jochen Steffens

 

 

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Über den Autor
 
Autor: Sven Weisenhaus Sven Weisenhaus,
Stockstreet GmbH

Sven Weisenhaus ist Trader und Börsenanalyst. Seine Erfahrungen und Analysen zu den Themen Geldanlage, Börse und Finanzen veröffentlicht er als Redakteur in verschiedenen Publikationen. Er schrieb z.B. über mehrere Jahre einen auf die Elliott-Wellen-Theorie spezialisierten Börsendienst. Seit 2012 veröffentlicht er als Chefanalyst und inzwischen Geschäftsführer einen renommierten Börsennewsletter.

Seit einigen Jahren gehört er zum Team von Stockstreet.de und schreibt dort unter anderem die Analysen des „Target-Trend-Spezial“ - einem börsentäglichen Dienst, der unter anderem den DAX nach der Target-Trend-Methode analysiert. Sven Weisenhaus hat auch die Redaktion des bekannten Newsletters "Börse-Intern" übernommen.

Für mehr Information: https://www.stockstreet.de/

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