Ein verrücktes Jahr - geht zu Ende. Smart Investor Weekly 51/2009



19:56 15.12.09

Hielten zu Jahresbeginn noch die Folgen der Finanzkrise die Börsianer in Atem, so konnten sich die Märkte im weiteren Verlauf immer mehr hiervon befreien. Für uns war das keine Überraschung.
 
Von Island nach Dubai
Als vor gut einem Jahr das kleine Island die Schlagzeilen beherrschte, regierte an den Märkten noch die nackte Panik, Angst und Misstrauen. Inzwischen hat sich die Stimmung merklich aufgehellt, was man auch daran erkennt, dass sich das zuletzt in den Abwärtssog geratene Emirat Dubai - dort schlägt der Größen- respektive Bauwahn der letzten Jahre auf die Verantwortlichen zurück - lediglich für kurzzeitige Irritationen sorgte. Die Börsianer haben sich seit der Lehman-Pleite ein dickes Fell angeeignet. So schnell bringt sie heute nichts mehr aus der Ruhe, zumal wie im Fall Dubai die Lösung praktisch von Anfang an auf dem Tisch lag. Der an Öl- und Währungsreserven potente Nachbar Abu Dhabi wird für das klamme Emirat in die Bresche springen, selbst wenn hierfür persönliche Animositäten zwischen den Herrscherfamilien erst beiseite geräumt werden müssen. Letztlich wissen aber alle Beteiligten, dass sich die gesamte Region einen finanziellen Super-Gau Dubai nicht leisten kann. Ganz ähnlich verhält es sich im Falle Griechenlands. Auch diesen hochverschuldeten Schwerenöter wird die EU nicht im Regen stehen lassen - aller anders lautender Beteuerungen zum Trotz. Wenn die dortige Regierung den (ernsthaften?) Willen zum Sparen bekundet, wird man dem Euro-Mitglied zu Hilfe eilen. Genau diesen "Spielplan" hat die Börse offenkundig durchschaut.
 
Zeit der Rück- und Ausblicke
In diesen Tagen drängelt sich im TV-Programm ein Jahresrückblick an den nächsten. Auf allen Kanälen wird auf ein Jahr zurückgeblickt, das zumindest der Börse satte Kursgewinne bescherte. Mit einem Plus von voraussichtlich über 20% wird der DAX das "Krisenjahr 2009" beenden können. So sieht es zumindest heute aus. Wir können uns in diesem Zusammenhang durchaus einmal selber auf die Schulter klopfen, immerhin gehörten wir zu den ganz wenigen, die auf ein bullishes Börsenjahr 2009 gesetzt hatten. Während sich die meisten Experten mit positiven Kommentaren erst aus der Deckung wagten nachdem die Indizes bereits einen Großteil ihres Anstiegs vollzogen hatten, hielten wir auch während des äußerst holprigen Starts an unserer Theorie des "Crack-up-Booms" fest. Das hat einiges an Nerven gekostet. Letztlich zahlte sich soviel Beharrlichkeit und Mut aber aus wie die Entwicklung unseres Musterdepots beweist. Wenn nun wieder an den Ausblicken für das kommende Jahr gefeilt wird, so muss man ehrlich feststellen, dass sich diese Prognosen in ihrer Summe bestenfalls unter dem "Contrarian"-Aspekt gewinnbringend verarbeiten lassen. Denn die Masse hat an der Börse nur äußerst selten Recht. Auch wir werden in der nächsten Ausgabe (erscheint am Wochenende) in der bekannten Ausführlichkeit und Deutlichkeit zu den von uns erwarteten Entwicklungen in 2010 Stellung beziehen. Sie können sicher sein, dass wir wieder einmal kein Blatt vor den Mund nehmen werden!
 
Musterdepot
Wie bereits angedeutet können wir in diesem Jahr mit der Performance unseres Musterdepots sehr zufrieden sein. Unsere Benchmark, den DAX, haben wir klar geschlagen. Zuletzt belief sich der Zugewinn auf mehr als 30% und das obwohl wir noch nicht einmal voll investiert sind (im Depot befindet sich sogar noch ein DAX-Short). Wir fahren eher ein kontrolliertes Risiko und setzen vorrangig auf Unternehmen mit erprobten Geschäftsmodellen. Dabei gilt der Grundsatz, dass wir lieber etwas teure Aktien mit fundamentaler Stärke allzu günstigen "Schnäppchen" vorziehen. Letztere werden oftmals aus gutem Grund mit einem Abschlag auf ihre Vergleichsgruppe gehandelt.
 
Ausgebucht wurde am vergangenen Freitag unser Put auf die Deutsche Bank. Der Schein verfiel wertlos. Unsere Absicherung gegen ein "Obama-Drama", das den Finanzsektor wieder hätte unter Druck bringen können, ist damit ins Leere gelaufen. Da die Position zum Einstiegskurs allerdings bereits weniger als 1% unseres Depotvolumens ausmachte, waren die Risiken insgesamt überschaubar.
 
An unseren Short-Zertifikaten auf den Euro und den DAX halten wir weiter fest. Für beide gilt ein Stop-Loss von 2,00 EUR falls während der kommenden drei Wochen hier etwas gegen uns laufen sollte. Der Euro-Short (WKN: TB7 N6H) entwickelt sich mittlerweile sehr gut. Anscheinend hatten wir hier den richtigen Riecher. Wir gehen übrigens davon aus, dass dies erst der Anfang der Euro-Schwäche ist, es dürfte noch viel dramatischer kommen. Mehr dazu auch im kommenden Heft, in welchem wir eine gewagte Dollar/Euro-Prognose abgeben. Übrigens, auch eine recht ungewöhnliche These zum Gold werden Sie dort finden: wir haben einen Analysten ausfindig gemacht, dessen Ansichten den eingefleischten Goldbugs unter unseren Lesern das Blut in den Adern gefrieren lassen dürfte.
 
Für das DAX-Short-Zertifikat (WKN: CG0 21U) behalten wir das Verkaufslimit bei 10,20 EUR bei. Wir können uns vorstellen, dass es in den kommenden Wochen erreicht wird.
 
Bei den Aktieninvestments sehen wir keinen Handlungsbedarf. Die aktuelle Auswertung entnehmen Sie bitte dem Heft 1/2010, welches Sie in Kürze erhalten.
 
Fazit


Auch wenn es sehr holprig anfing, 2009 war ein guter Börsenjahrgang. Wie es im kommenden Jahr weitergehen wird, das erfahren Sie in der Titelgeschichte "Kapitalmarktausblick 2010" im neuen Smart Investor, den Sie noch vor Weihnachten in Ihrem Briefkasten vorfinden.
 
Dies ist die letzte Ausgabe des SIW in diesem Jahr. In dem Falle, dass in den kommenden Tagen noch etwas sehr dramatisches passieren würde, werden wir dies am kommenden Dienstag noch kommentieren.
 
Ansonsten hören Sie erst wieder am Dienstag, den 5. Januar 2010, von uns.
 
Das gesamte SI-Team wünscht Ihnen erholsame Weihnachtsfeiertage und einen guten Rutsch ins neue Jahr. Bis dahin
 
Ralf Flierl, Marcus Wessel

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Über den Autor
 
Autor: Ralf Flierl Ralf Flierl,
Smart Investor

Ralf Flierl ist Chefredakteur der Anlegerpublikation "Smart Investor". Kritisch, unvoreingenommen, unabhängig, antizyklisch, sophisticated, non-Mainstream.... kurz: smart - das sind die Attribute des im Mai 2003 eingeführten "Smart Investor" . Weitere Informationen sowie die Möglichkeit, das Magazin kostenlos zu testen, finden Sie unter www.smartinvestor.de.

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