Hielten zu
Jahresbeginn noch die Folgen der
Finanzkrise die Börsianer in Atem, so konnten sich die Märkte
im weiteren Verlauf immer mehr hiervon befreien. Für uns
war das keine Überraschung.
Von Island nach Dubai
Als vor gut einem Jahr das kleine Island die Schlagzeilen
beherrschte, regierte an den Märkten noch die nackte Panik,
Angst und Misstrauen. Inzwischen hat sich die Stimmung merklich
aufgehellt, was man auch daran erkennt, dass sich das zuletzt
in den Abwärtssog geratene Emirat Dubai - dort schlägt
der Größen- respektive Bauwahn der letzten Jahre auf
die Verantwortlichen zurück - lediglich für kurzzeitige
Irritationen sorgte. Die Börsianer haben sich seit der Lehman-Pleite
ein dickes Fell angeeignet. So schnell bringt sie heute nichts
mehr aus der Ruhe, zumal wie im Fall Dubai die Lösung praktisch
von Anfang an auf dem Tisch lag. Der an Öl- und Währungsreserven
potente Nachbar Abu Dhabi wird für das klamme Emirat in die
Bresche springen, selbst wenn hierfür persönliche Animositäten
zwischen den Herrscherfamilien erst beiseite geräumt werden
müssen. Letztlich wissen aber alle Beteiligten, dass sich
die gesamte Region einen finanziellen Super-Gau Dubai nicht leisten
kann. Ganz ähnlich verhält es sich im Falle Griechenlands.
Auch diesen hochverschuldeten Schwerenöter wird die EU nicht
im Regen stehen lassen - aller anders lautender Beteuerungen zum
Trotz. Wenn die dortige Regierung den (ernsthaften?) Willen zum
Sparen bekundet, wird man dem Euro-Mitglied zu Hilfe eilen. Genau
diesen "Spielplan" hat die Börse offenkundig durchschaut.
Zeit der Rück- und Ausblicke
In diesen Tagen drängelt sich im TV-Programm
ein Jahresrückblick an den nächsten. Auf allen Kanälen
wird auf ein Jahr zurückgeblickt, das zumindest der Börse
satte Kursgewinne bescherte. Mit einem Plus von voraussichtlich
über 20% wird der DAX das "Krisenjahr 2009" beenden können.
So sieht es zumindest heute aus. Wir können uns in diesem
Zusammenhang durchaus einmal selber auf die Schulter klopfen,
immerhin gehörten wir zu den ganz wenigen, die auf ein bullishes
Börsenjahr 2009 gesetzt hatten. Während sich die meisten
Experten mit positiven Kommentaren erst aus der Deckung wagten
nachdem die Indizes bereits einen Großteil ihres Anstiegs
vollzogen hatten, hielten wir auch während des äußerst
holprigen Starts an unserer Theorie des "Crack-up-Booms" fest.
Das hat einiges an Nerven gekostet. Letztlich zahlte sich soviel
Beharrlichkeit und Mut aber aus wie die Entwicklung unseres
Musterdepots
beweist. Wenn nun wieder an den Ausblicken für das kommende
Jahr gefeilt wird, so muss man ehrlich feststellen, dass sich
diese Prognosen in ihrer Summe bestenfalls unter dem
"Contrarian"-Aspekt
gewinnbringend verarbeiten lassen. Denn die Masse hat an der Börse
nur äußerst selten Recht. Auch wir werden in der nächsten
Ausgabe (erscheint am Wochenende) in der bekannten Ausführlichkeit
und Deutlichkeit zu den von uns erwarteten Entwicklungen in 2010
Stellung beziehen. Sie können sicher sein, dass wir wieder
einmal kein Blatt vor den Mund nehmen werden!
Musterdepot
Wie bereits angedeutet können wir in diesem
Jahr mit der Performance unseres Musterdepots sehr zufrieden sein.
Unsere Benchmark, den DAX, haben wir klar geschlagen. Zuletzt
belief sich der Zugewinn auf mehr als 30% und das obwohl wir noch
nicht einmal voll investiert sind (im Depot befindet sich sogar
noch ein DAX-Short). Wir fahren eher ein kontrolliertes Risiko
und setzen vorrangig auf Unternehmen mit erprobten Geschäftsmodellen.
Dabei gilt der Grundsatz, dass wir lieber etwas teure Aktien mit
fundamentaler Stärke allzu günstigen "Schnäppchen"
vorziehen. Letztere werden oftmals aus gutem Grund mit einem Abschlag
auf ihre Vergleichsgruppe gehandelt.
Ausgebucht wurde am vergangenen Freitag unser Put
auf die Deutsche Bank. Der Schein verfiel wertlos. Unsere Absicherung
gegen ein "Obama-Drama", das den Finanzsektor wieder hätte
unter Druck bringen können, ist damit ins Leere gelaufen.
Da die Position zum Einstiegskurs allerdings bereits weniger als
1% unseres Depotvolumens ausmachte, waren die Risiken insgesamt
überschaubar.
An unseren Short-Zertifikaten auf den Euro und den
DAX halten wir weiter fest. Für beide gilt ein Stop-Loss
von 2,00 EUR falls während der kommenden drei Wochen hier
etwas gegen uns laufen sollte. Der Euro-Short (WKN: TB7 N6H) entwickelt
sich mittlerweile sehr gut. Anscheinend hatten wir hier den richtigen
Riecher. Wir gehen übrigens davon aus, dass dies erst der
Anfang der Euro-Schwäche ist, es dürfte noch viel dramatischer
kommen. Mehr dazu auch im kommenden Heft, in welchem wir eine
gewagte Dollar/Euro-Prognose abgeben. Übrigens, auch eine
recht ungewöhnliche These zum Gold werden Sie dort finden:
wir haben einen Analysten ausfindig gemacht, dessen Ansichten
den eingefleischten Goldbugs unter unseren Lesern das Blut in
den Adern gefrieren lassen dürfte.
Für das DAX-Short-Zertifikat (WKN: CG0 21U)
behalten wir das Verkaufslimit bei 10,20 EUR bei. Wir können
uns vorstellen, dass es in den kommenden Wochen erreicht wird.
Bei den Aktieninvestments sehen wir keinen Handlungsbedarf.
Die aktuelle Auswertung entnehmen Sie bitte dem Heft 1/2010, welches
Sie in Kürze erhalten.
Fazit
Auch wenn es sehr holprig anfing, 2009 war ein guter
Börsenjahrgang. Wie es im kommenden Jahr weitergehen wird,
das erfahren Sie in der Titelgeschichte "Kapitalmarktausblick
2010" im neuen Smart Investor, den Sie noch vor Weihnachten in
Ihrem Briefkasten vorfinden.
Dies ist die letzte Ausgabe des SIW in diesem Jahr.
In dem Falle, dass in den kommenden Tagen noch etwas sehr dramatisches
passieren würde, werden wir dies am kommenden Dienstag noch
kommentieren.
Ansonsten hören Sie erst wieder am Dienstag,
den 5. Januar 2010, von uns.
Das gesamte SI-Team wünscht Ihnen erholsame
Weihnachtsfeiertage und einen guten Rutsch ins neue Jahr. Bis
dahin
Ralf Flierl, Marcus Wessel
Hinweis
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Ralf Flierl, Smart Investor |
Ralf Flierl ist Chefredakteur der Anlegerpublikation "Smart Investor".
Kritisch, unvoreingenommen, unabhängig, antizyklisch, sophisticated,
non-Mainstream.... kurz: smart - das sind die Attribute des im Mai 2003
eingeführten "Smart Investor" . Weitere Informationen sowie die Möglichkeit,
das Magazin kostenlos zu testen, finden Sie unter www.smartinvestor.de.
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