Die Vorgänge in einem kleinen Land im Nordwesten
Europas könnten beispielhaft für die Zukunft ganz Europas
sein.
Wikinger leisten Widerstand
In Island formiert sich Widerstand gegen die erzwungene
Übernahme der Spekulationsverluste von niederländischen
und britischen Anlegern durch die öffentliche Hand - zu Recht!
Denn erst wurden die isländische Krone und einige der dortigen
Banken von britischen (und US-amerikanischen) Hedgefonds mehr
oder weniger "hingerichtet". Selbstredend nutzten diese letztlich
nur die vorhergehenden Investmentfehler jener Banken aus. Island
verstaatlichte daraufhin im Oktober 2008 die drei größten
Banken des Landes. Dann erklärte der britische Premier Gordon
Brown Island auch noch völlig unberechtigt für bankrott
(denn betroffen waren ja nur jene Banken) und ließ die Guthaben
eben jener Geldhäuser in Großbritannien auf Basis der
Anti-Terror-Gesetze einfrieren. Seitdem übte die EU und allen
voran Großbritannien massiven Druck auf Island aus, die
Verluste der britischen Anleger zu ersetzen. An sich ein
ungeheuerlicher
Vorgang: ein anderer Staat wird gezwungen - ja geradezu erpresst
- für die, in einem Privatsektor entstandenen Verluste einzustehen.
Nun müssen die isländischen Bürger also die Schulden
der Bankrott gegangenen Banken übernehmen und selbige bis
zum Jahr 2024 tilgen. Hier wird eine ganze Generation finanziell
versklavt und soll für die riskanten Investmentstrategien
einzelner Unternehmen bzw. deren Investoren gerade stehen. Dass
sich die Isländer dagegen wehren ist nur allzu verständlich
- unverständlich bleibt, warum im Rest Europas (und den USA)
diese Reaktion der Bevölkerung ausbleibt, denn auch hier
steht am Ende der Bürger für die Verluste der Banken
(und nicht nur der Banken) gerade.
M3 im Euroraum sinkt erstmalig
Erstmals seit Einführung des Euro sinkt die
Geldmenge M3 in absoluten Beträgen (die Wachstumsrate von
M3 sinkt dagegen bereits seit knapp 2 Jahren). Bedeutet dies nun,
dass der Crack-up-Boom (CuB) abgeblasen wird und wir uns in einer
deflationären Spirale befinden? Mitnichten! Da durch die
Finanzkrise bereits etliche Banken vollständig oder zumindest
teilweise unter staatliche Kuratel gestellt wurden, haben die
Staaten die notwendigen Instrumente an der Hand, um die Kreditvergabe
(und damit das Wachstum von M3) anzuschieben. Falls sanfte Ermahnungen
nicht ausreichen sollten, wird dies notfalls eben auch per Dekret
verordnet. Und wie Sie wissen: übermäßige staatliche
Einflussnahme ist das wichtigste Kriterium für einen CuB.
DAX über 6.000
Kurzfristig kann es allerdings durchaus für
den DAX bedeuten, dass an der psychologisch wichtigen Marke von
6.000 Punkten (oder etwas darüber) erst einmal Schluss ist.
Denn nur allzu oft lassen sich die letzten Zauderer an solch markanten
Punkten in den Markt locken. Waren sie am Tiefstpunkt März
2009 nur noch verzweifelt, standen viele Anleger den gesamten
Anstieg 2009 über an der Seitenlinie (Sie erinnern sich?
In der April-Ausgabe hatte Smart Investor den CuB ausgerufen).
Nachdem auch noch die psychologisch wichtige Marke von 6.000 Punkten
im DAX respektive 3.000 Punkten im EuroStoxx (zumindest kurzfristig)
überschritten wurde, kommen die ewigen Zauderer unter psychologischen
Druck, da sie ja den weiteren Anstieg nicht verpassen wollen.
Die großen Akteure und Insider könnten hingegen schon
wieder darüber nachdenken, die Position zumindest zu reduzieren
und da kommen ihnen diese Nachzügler gerade recht. Wenn dann
auch noch - wenigstens kurzfristig - die nötige Liquidität
fehlt, dann könnte dem DAX erstmal der Sprit ausgehen. Aus
dieser Perspektive scheint also ein Weiterlaufen der Rally für's
erste alles andere als ausgemacht zu sein. Auch aus technischer
Perspektive wäre ein Pullback hinunter auf ca. 5.800 Punkte
durchaus gesund.

Wie in der Abbildung zum DAX zu erkennen ist,
verläuft auch die jüngste Aufwärtsbewegung abermals
in einer Art Zuspitzung. Zumal der Bereich von 6.000 bis 6.200
DAX Punkten eine wichtige Widerstandszone ist, wollen wir nach
wie vor nicht ausschließen, dass unter kurzfristigen Gesichtspunkten
hier einen Wende nach unten erfolgen könnte. Dafür spricht
unter anderem auch das Investorensentiment, welches kurzfristig
etwas heißgelaufen scheint. Langfristig gesehen bleiben
wir jedoch wie gesagt im Bullenlager. Und auch das langfristige
Sentiment ist, wie anhand der Jahresendprognosen der Banken zu
sehen ist (s. aktuelles Heft S.47), keinesfalls als euphorisch
zu bezeichnen. Kurzum auf Sicht der nächsten Wochen können
wir uns immer noch Turbulenzen und seitwärts tendierende
Börsen vorstellen. Für den Rest des Jahres sind wir
im Rahmen unseres CuB Szenarios optimistisch gestimmt.
Was macht Gold?
Das gelbe Metall korrigiert aktuell und dürfte
sich auch in nächster Zeit nicht zu neuen Höchstkursen
aufschwingen (vgl. aktuelles Heft S.55ff), auch wenn der Boden
bei 1.073 USD möglicherweise bereits gefunden wurde. Dies
bedeutet allerdings nicht, dass die Goldhausse vorbei ist. Vielmehr
ist die aktuelle Schwäche des Goldes der aktuellen Stärke
des Dollar geschuldet. In EUR gerechnet ist ja auch gar nicht
so viel passiert. Die richtige Perspektive ist also eher, dass
sich der USD gegenüber den meisten anderen Währungen
(und dazu gehört ja auch Gold) im Augenblick erholt. Dies
war von uns ja auch so erwartete worden und entsprechend hatten
wir uns im Musterdepot positioniert.
Musterdepot
Unser Musterdepot hat im Jahre 2009 einen Zuwachs
von etwas mehr als 30% erzielt. Dieser scheint vor dem Hintergrund
eines DAX-Gewinns von ca. 24% nicht gerade spektakulär. Bedenkt
man aber, dass wir unseren Zuwachs trotz einiger Sicherungsmaßnahmen
erzielt haben, so ist unsere Performance doch erstaunlich. So
waren wir über weite Strecken (wie zum Beispiel auch aktuell)
nicht voll investiert und arbeiteten zudem teilweise mit Absicherungen
mittels Derivaten.
Unser Short-Zertifikat auf den DAX (WKN: CG021U) notiert derzeit
nur noch knapp oberhalb des vor Weihnachten angegebenen
Stop-Loss-Kurses
von 2,00 EUR. Wir können daher nicht ausschließen,
dass es heute noch zum Ausstoppen kommt. Falls nicht, senken wir
ab dem morgigen Mittwoch den Stop-Loss von 2,00 EUR auf 1,50 EUR.
In jedem Falle muss man sich mit dem Gedanken anfreunden, dass
diese Sicherung demnächst ausgestoppt wird. Die sonstigen
wichtigen Entwicklungen des Musterdepots entnehmen sie bitte der
gleichnamigen Rubrik im Heft auf Seite 71.
Fazit
Der CuB ist weder abgesagt, noch wird er sich extrem
verzögern. Die Entwicklungen an der Börse, das politische
Geschehen und auch die Wirtschaftsdaten (die Teuerungsraten ziehen
wieder an) zeigen, dass die Weichen voll auf CuB gestellt sind.
Das heißt allerdings nicht, dass es kurzfristig nur einen
Richtung - aufwärts - geben könnte. Wir stehen erst
am Anfang des CuB und bevor er richtig ins Rollen kommt, kann
es durchaus noch zu der einen oder anderen Verschnaufpause kommen.
Unseren konkreten Ausblick auf die verschiedenen Märkte (Aktien
mit extra Teil Emerging Markets, Zinsen, Euro/Dollar und Edelmetalle)
finden Sie im aktuellen Heft 1/2010.
T
+49 (0)6104 / 405 39 49
F +49 (0)6104 / 405 24 92
M +49 (0)172 /106 15 44
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Ralf Flierl, Smart Investor |
Ralf Flierl ist Chefredakteur der Anlegerpublikation "Smart Investor".
Kritisch, unvoreingenommen, unabhängig, antizyklisch, sophisticated,
non-Mainstream.... kurz: smart - das sind die Attribute des im Mai 2003
eingeführten "Smart Investor" . Weitere Informationen sowie die Möglichkeit,
das Magazin kostenlos zu testen, finden Sie unter www.smartinvestor.de.
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Die USA im Zugzwang Robert Rethfeld, Wellenreiter-Invest.de (12.02.12) |
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