Das Ende der Dollar / Dow Jones Korrelation?



10:29 12.01.10

Im Moment geht die Sorge vor der Berichtssaison um. Wie üblich startet wieder Alcoa den Reigen der Unternehmenszahlen. Wobei „Sorge“ vielleicht das falsche Wort ist. Viele Analysten erwarten gute Unternehmensergebnisse. Es ist das, was der Markt eingepreist hat. Wichtig wird sein, dass die Gewinne nicht nur aufgrund von Einsparungen und Kostensenkungen zustande gekommen sind. Nur ein Anstieg der Umsätze würde belegen, dass sich die Wirtschaft  „tatsächlich“ erholt. Das wird also die entscheidende Kennzahl der Unternehmensbilanzen in den nächsten Wochen. Und hier spielt wiederum der schwache Dollar eine Rolle.

 

Was hat ein schwacher Dollar mit den Umsätzen der US-Unternehmen zu tun?

 

Gerne wird übersehen,  dass die großen US-Unternehmen mittlerweile weltweit agierende Player sind und einen beachtlichen Teil ihrer Umsätze im Ausland generieren. Und gerade ein schwacher Dollar hilft natürlich, ein wenig die Bilanzen aufzuhübschen. Werden Umsätze nämlich im Ausland gemacht und in Dollar umgerechnet, führt ein abwertender Dollar zu einem nominal steigenden Umsatz. Real kann es sein, dass der Auslandsumsatz konstant geblieben ist oder sogar leicht zurückging.

 

Auch das ist einer der Gründe, warum wir in den letzten Monaten eine hohe Korrelation zwischen der Dollar-Entwicklung und den US-Aktienkursen gesehen haben. Doch diese Korrelation scheint sich gerade in den letzten Wochen aufzulösen.

 

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Sie sehen hier den Euro/Dollar im Vergleich mit dem Dow Jones (rote Li. bis Ende November ist eine extrem hohe Korrelation zu erkennen. Seit einigen Wochen allerdings steigt der Dollar zum Euro stark an, was sich in diesem Chart als Kurseinbruch ausdrückt). Es wurden mittlerweile wieder Kurse vom Vorquartal erreicht. Damit ist eigentlich der Umsatzvorteil durch den schwachen Dollar hinfällig, und genau das könnte zu Enttäuschungen beim Umsatz in den nächsten Wochen führen.

 

Korrelation hin oder her

 

Bisher lieferte der Dollar gute Signale. Die Frage ist nun, wie sich die weitere Situation auflöst. Es gibt u.a. drei denkbare Szenarien:

 

1. Die Korrelation findet ihr Ende. Aufgrund einer Vielzahl von Faktoren, die ich hier in den letzten Monaten aufgezeigt habe, halte ich das für weniger wahrscheinlich.

2. Wir sehen hier eine Entwicklung, die der Markt etwas später umsetzen wird. In diesem Fall hätten wir hier den perfekten Frühindikator und müssten demnächst mit fallenden Kursen an den Aktienmärkten rechnen.

3. Die aktuelle Stärke des Dollars wird sich schnell wieder ausgleichen, so dass es sich lediglich um einen kurzen Ausreißer handelt.

 

Um nun aus diesen Alternativen die „richtige“ herauszufiltern, muss man auf fundamentale Überlegungen zurückgreifen.

 

Warum zeigt der Dollar Stärke?

 

Ein wichtiger Punkt ist natürlich die Erwartung des Marktes im Zusammenhang mit den FED-Zinsentscheidungen. Durch positivere US-Konjunkturdaten im November und Dezember stieg die Sorge des Marktes, dass die Fed bald erste Zinserhöhungen beschließen könnte. Steigende Zinsen unterstützen den Dollar, und wie so oft nehmen Märkte mögliche Entwicklungen vorweg. Die Sorge um steigende Zinsen wird natürlich zunächst der Devisen-Markt umsetzen.

Im Aktienmarkt hingegen herrscht gerade in den USA zurzeit ein derart starker Optimismus, dass diese Gefahr bei weitem nicht so deutlich wie im Devisen-Markt umgesetzt wurde. Und das wäre ein Hinweis darauf, dass der Devisen-Markt als Frühindikator agiert.

 



Die US-Arbeitsmarktdaten

 

Doch Freitag hat sich das Bild geändert: Der neueste Arbeitsmarktbericht enttäuschte und damit sank, wie hier bereits beschrieben, auch die Sorge vor Zinserhöhungen. Schauen Sie sich dazu einfach an, wie der Dollar zum Euro darauf reagierte. Wir sahen am Freitag eine große weiße Kerze im Euro und auch heute steigt der Euro weiter zum Dollar dynamisch an. Das bedeutet, auch im Dollar wird die Zinserhöhungsphantasie offenbar ausgepreist.

 

Und damit stellt sich nun plötzlich eine ganz andere Frage, also die, die wir oben aufgeworfen haben:

 

Wer hat Recht?

 

Nämlich die Frage, wer in diesem Fall Recht behalten wird? Der Aktienmarkt, der in seiner Euphorie jedes negative Signal einfach überkompensiert und auf eine Asset-Inflation im Aktienbereich setzt. Das heißt, er wettet darauf, dass die Fed die Zinsen nicht anheben kann und es damit gerade im Aktienbereich zu einer Inflation, also einem massiven Anstieg der Preise kommen wird. Oder wird der Devisen-Markt Recht behalten, der davon ausgeht, dass die Fed die Zinsen anheben muss, um eben neue Blasenbildungen (also zum Beispiel eine Asset-Inflation) zu verhindern.

Das ist DIE entscheidende Frage zurzeit!

 

Der Devisenmarkt ist in den allermeisten Fällen der besser informierte Markt. Hier tummeln sich die ganz großen Jungs und die besten Trader der Welt. Deswegen würde ich eher darauf tippen, dass der Devisen-Markt letzten Endes Recht behält. Davon unberührt bleibt schlussendlich die Frage, ob wir uns im Aktienmarkt bereits in einer Art Übertreibungsphase befinden. Gerade solche Phasen werden auch immer wieder gerne von den besten der Welt unterschätzt.

 

Knifflige Situation…

 

Fazit:

 

Wie schon geschrieben, stehen wir an dem Aktienmärkten vor wichtigen Widerständen. Zudem mahnt auch die bekannte Dollar/Dow Jones Korrelation zur Vorsicht. Seien Sie also sehr vorsichtig und achten Sie auf folgende Entwicklunge in der nächsten Zeit:

 

1. Der US-Arbeitsmarkt. Sollte sich hier eine Erholung zeigen, wird der Markt schnell wieder Zinserhöhungsphantasie spielen.

2. Sollte jedoch der Dollar nun weiter Schwäche zeigen, nehmen Sie das als Hinweis dafür, dass auch der Markt noch weiter steigen kann.

3. Wenn die US-Unternehmen im Bereich Umsatz patzen, wird das den Markt belasten.

 

Viele Grüße

 

Jochen Steffens

http://www.stockstreet.de/

 

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Über den Autor
 
Autor: Sven Weisenhaus Sven Weisenhaus,
Stockstreet GmbH

Sven Weisenhaus ist Trader und Börsenanalyst. Seine Erfahrungen und Analysen zu den Themen Geldanlage, Börse und Finanzen veröffentlicht er als Redakteur in verschiedenen Publikationen. Er schrieb z.B. über mehrere Jahre einen auf die Elliott-Wellen-Theorie spezialisierten Börsendienst. Seit 2012 veröffentlicht er als Chefanalyst und inzwischen Geschäftsführer einen renommierten Börsennewsletter.

Seit einigen Jahren gehört er zum Team von Stockstreet.de und schreibt dort unter anderem die Analysen des „Target-Trend-Spezial“ - einem börsentäglichen Dienst, der unter anderem den DAX nach der Target-Trend-Methode analysiert. Sven Weisenhaus hat auch die Redaktion des bekannten Newsletters "Börse-Intern" übernommen.

Für mehr Information: https://www.stockstreet.de/

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