Smart Investor Weekly 2/2010
Überall eitel Sonnenschein? - Die Silberstreifen am Horizont könnten
sich als trügerisch erweisen
Vielerorts ist inzwischen mehr als eine Stimmungsaufhellung zu
verzeichnen. Die Börsen steigen seit Monaten und auch die
Wirtschaftsdaten scheinen ein positiveres Bild zu zeichnen. Kein
Wunder, dass sich die Stimmen mehren, die eine erste Zinssteigerung
fordern.
Teile der FED fordern Zinsstresstest
Am Donnerstag (08.01.2010) war in der Financial Times Deutschland zu
lesen, dass Teile der US-Notenbank in absehbarer Zeit eine Zinserhöhung
aufgrund der "Wirtschaftserholung" begrüßen würden. Aus diesem Grund
seien die Banken aufgefordert, sich einem Stresstest für diesen Fall zu
unterziehen. Wenn man an den letzten Test dieser Art denkt, dann darf
hiervon freilich nicht allzu viel erwartet werden. Dennoch ist die
Aussage insofern interessant, denn die großen US-amerikanischen
Geldhäuser sind inzwischen weitaus besser mit Eigenkapital versorgt
(auf viele Regionalbanken der USA trifft dies mitnichten zu) als ihre
europäischen Pendants. Von daher würden sie eine Zinserhöhung besser
vertragen. Eine Zinserhöhung in den USA würde natürlich auch dem Dollar
zugute kommen, von dessen weiterer Erholung Smart Investor ja auch
grundsätzlich ausgeht. Ob eine solche Zinserhöhung bald kommt, ist
allerdings angesichts der Verfassung, in der sich die US-Wirtschaft in
Wirklichkeit befindet, fraglich. Ohne Staatseingreife wird es fürs
erste ohnehin nicht gehen können. Dazu passt eine Meldung aus unserem
Nachbarland Österreich.
Österreichische Nationalbank soll vollständig verstaatlicht werden
Der österreichische Finanzminister will mit seinem Ministerium auch die
restlichen rund 30% der österreichischen Nationalbank übernehmen.
Momentan liegt der Anteil weitestgehend in der Hand der
Raiffeisen-Bankengruppe, der Wirtschaftskammer und einigen
Versicherungen. Mit der vollständigen Übernahme der Nationalbank hätte
der österreichische Staat ein wichtiges Instrument komplett in seiner
Hand, um Liquidität direkt an die Wirtschaft und die Bürger
weiterzureichen. Darin ist ein weiteres Indiz für den zukünftigen
Crack-up-Boom (CuB) zu sehen, denn staatliche Vergabe von Liquidität
ist ja einer der Treibsätze des CuB (vgl. Smart Investor 04/2009).

Zu den Märkten
Der DAX "bohrt" sich weiterhin in seine wichtige Widerstandzone
zwischen 6.000 und 6.200 Punkten. Zu einem Durchbruch ist es bisher
nicht gekommen. Aus unserer Perspektive wird es dazu auch so schnell
nicht kommen. Im heutigen Tagesverlauf ist das deutsche
Standartbarometer bereits wieder deutlich unter die Marke von 6.000
Punkten gefallen. Sicherlich wird es im Zuge des von uns erwarteten
CuB-Szenarios zu (massiv) steigenden Kursen kommen und davon gehen wir
mittel- bis langfristig auch aus (vgl. aktuelles Heft). Im Moment
allerdings fehlt uns ein letztes "Abschütteln" der schwachen Hände.
Beim Euro hingegen scheint der Trend fürs erste klar gebrochen zu sein
(vgl. Abb.). Auch wenn sich die Gemeinschaftswährung im Augenblick
wieder etwas fester gegenüber dem Dollar präsentiert - vornehmlich
aufgrund der schwachen Arbeitsmarktdaten aus den USA - erwarten wir
dennoch, dass sich der Dollar weiter erholen wird. Nicht zuletzt wegen
der zunehmenden Zweifel an der Zahlungsfähigkeit einiger EU-Staaten wie
beispielsweise Griechenland oder Portugal. Die Unsicherheit, die aus
dieser Belastung für die europäische Gemeinschaft und ihre Währung
erwächst, dürfte sich weiter schwächend auf den Euro auswirken.
Musterdepot
Daher wir bleiben in unserem Euro-Short-Zertifikat (WKN: TB7 N6H)
investiert - die Performance hier spricht ja auch für sich. Eine starke
Entwicklung hat Delticom (WKN: 514 680) hinter sich. Ein Interview mit
dem Delticomvorstand wird im nächsten Heft zu finden sein. Die Aktie
des Online-Reifenhändlers ist in den letzten vier Wochen um gut ein
Fünftel gestiegen. Der heftige Wintereinbruch, insbesondere in
Regionen, die normalerweise von viel Schnee verschont bleiben, wirkte
sicherlich Kurs treibend. Unser Einstieg scheint auf den ersten Blick
etwas glücklich. Jedoch ist das Unternehmen eine fest etablierte Marke
und hat kaum Schulden. Die langfristigen Perspektiven erscheinen daher
mehr als aussichtsreich. (vgl. Smart Investor 12/09 S.72). Sich auf das
Glück zu verlassen wäre auch nicht das, was von einem Smarten Investor
zu erwarten ist. Unter dieser Perspektive sind ebenfalls unsere
Investitionen in Hebelzertifikate zu verstehen: nicht als schnelle
Zockerei, sondern als nüchterne Absicherung gegen Kursschwankungen und
Währungsrisiken.
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Ralf Flierl, Smart Investor |
Ralf Flierl ist Chefredakteur der Anlegerpublikation "Smart Investor".
Kritisch, unvoreingenommen, unabhängig, antizyklisch, sophisticated,
non-Mainstream.... kurz: smart - das sind die Attribute des im Mai 2003
eingeführten "Smart Investor" . Weitere Informationen sowie die Möglichkeit,
das Magazin kostenlos zu testen, finden Sie unter www.smartinvestor.de.
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