Smart Investor Weekly 3/2010



19:16 19.01.10

Smart Investor Weekly 3/2010
Die Einschläge rücken näher - und werden doch nur selektiv wahrgenommen

Während derzeit scheinbar jeder auf die Griechen und deren Finanznöte blickt, werden gleichzeitig dieselben Nöte der US-Bundesstaaten fast vollständig ausgeblendet.

Griechenland steht vor der Pleite
Es ist zweifelsohne so, dass ein Staat dessen Haushaltsdefizit im letzten Jahr fast 13% betrug und dessen Schuldenberg 125% des BIP beträgt de facto pleite ist. Und deshalb sorgt sich nun alle Welt um Griechenland und damit auch um den Euro. Was passiert wenn Griechenland tatsächlich in Bälde die Zahlungsunfähigkeit verkünden sollte? Könnte es das Ende der europäischen Währung bedeuten oder werden schließlich zähneknirschend und trotz aller gegenteiligen Lippenbekenntnisse die anderen EU-Staaten, allen voran Deutschland, den maroden Mittelmeerstaat retten?

Machen wir uns nichts vor: natürlich wird Griechenland am Ende auf die ein oder andere Art und Weise gestützt werden, denn zuviel politisches Kapital wurde in die Währungsunion gesteckt, als dass man sie jetzt einfach so riskieren würde. Außerdem hätte man dann konsequenterweise Griechenland (zusammen mit Italien, Spanien und Portugal) schon vor einigen Jahren rauswerfen können (müssen). Von daher braucht man auf all das sorgenvolle Geraune und Gemurmel um die griechische Zahlungsfähigkeit derzeit wenig geben (oder auch viel je nach Standpunkt - Smart Investor schrieb ja bereits zweimal zum Thema Staatsbankrott vgl. die Ausgaben 02/2006 und 08/2009). Interessant wird es aber wenn man etwas zurücktritt und sich überlegt, wie es denn bei den anderen Pleitekandidaten aussieht - vor allem jene auf der anderen Seite des großen Teichs.

Und Kalifornien?
Tja, die für sich genommen achtgrößte Volkswirtschaft der Erde steht nicht wirklich besser da als Griechenland. Im Gegenteil, ein Haushaltsdefizit von wenigstens 20 Mrd. USD - mehr als 20% des Budgets - lässt Griechenlands Probleme, wenn schon nicht klein, dann doch zumindest kleiner erscheinen. Und Kalifornien steht nicht allein da: Arizona, Nevada, Florida und noch einige mehr gehören ebenfalls zu den Bundesstaaten, die vom Bankrott bedroht sind - insgesamt sind es 10 und damit fast ein Fünftel der US-Bundesstaaten. Aber dass der Dollar auseinanderbrechen könnte, darüber denkt (fast) niemand nach und schreiben tut darüber schon keiner. Warum auch - denn hier ist es ja ganz offensichtlich, dass Washington im Zweifel rettend eingreifen wird. Unter anderem auf dieser Situation basiert ja auch unser Crack-up-Boom (CuB) Szenario. Denn die Staaten bzw. Staatenbündnisse greifen ja nicht aus Jux und Tollerei immer tiefer in ihre bzw. des Bürgers Taschen und in das wirtschaftliche Geschehen ein, sondern weil sie gar nicht anderes können. Es gäbe in kürzester Zeit soziale Unruhen und Aufstände, wenn die einzelnen Staaten ihren "Verpflichtungen" nicht nachkämen - sowohl diesseits als auch jenseits des Atlantiks. Von daher ist es natürlich besser die Verpflichtungen vordergründig zu erfüllen, indem man jeden Pleitekandidaten solange wie möglich mitschleift und dieses Mitschleifen wiederum per Schulden und somit im Endeffekt per Notenpresse finanziert. Tatsächlich werden auf diese Art und Weise natürlich die Gläubiger via Inflation enteignet und am Ende entledigen sich die Staaten ihrer Schulden via Währungsreform.

Soviel in Kürze dazu, wie wir die Welt und die Zukunft sehen. Wer sich ausführlicher mit unseren Gedanken beschäftigen will, dem empfehlen wir die Lektüre unseres Magazins Smart Investor, welches sich mit Themen wie Crack-up-Boom, Inflation/Deflation, Staatsbankrott u.v.m. regelmäßig beschäftigt. Im nächsten Heft (2/2010) werden wir dabei - trotz oder gerade wegen all dieser traurigen Entwicklungen - aber sehr konstruktiv. Wir werden nämlich ausführlich über einen der letzten großen Helden dieser Zeit berichten, der das Zeug dazu hätte, wirklich und nachhaltig in unserer Welt etwas zum Besseren zu bewegen.

Zu den Märkten
Dem DAX ist es immer noch nicht gelungen, die 6.000er Marke nachhaltig zu durchbrechen und wir erwarten, dass es ihm auch so schnell nicht gelingen wird. Die Marke von 5.850 Punkten ist als enorm wichtig einzustufen. Heute hat sich der DAX mit einem eindruckvollen Reversal wieder von dieser Marke nach oben abgesetzt. Zwar werden wir im Zuge des CuB letztlich deutlich höhere Preise sehen, aber auf Sicht der nächsten Wochen rechnen wir nach wie vor eher mit einer Seitwärtsbewegung.
Chart
Auch was das Verhältnis EUR/USD betrifft, hat sich an unseren Ansichten wenig geändert. Der Euro vagabundiert in seinem Widerstandsbereich zwischen 1,45 und 1,42. Sollte er deutlich unter 1,42 fallen, dann wird er vermutlich auch recht schnell in Richtung 1,37 abtauchen. Prinzipiell gilt hier: Wegen der labilen Bankensituation in Europa und "bösen Buben" wie Griechenland halten wir die europäische Währung für deutlich abwertungsgefährdeter als die amerikanische.



Musterdepot
Folglich halten wir auch an unserem Euro-Put (gg. USD) weiter fest. Für die kommenden Wochen erwarten wir an den Aktienmärkten eine Schaukelbörse. Phasen mit fallenden Kursen würden wir tendenziell zu Zukäufen nutzen wollen. Unser DAX-Put bleibt vorerst im Musterdepot.

Heute sind die Unternehmensdaten von Delticom (WKN: 514 680) herausgegeben worden. Wie erwartet waren die Zahlen sehr gut, was zu einem leichten Aufschlag beim Kurs führte. Ein Interview mit dem Delticom-Vorstand finden Sie im nächsten Heft.

Fazit
Lassen Sie sich nicht täuschen: auch wenn der Dollar die nächste Zeit gegenüber dem Euro zulegen sollte, heißt das nicht, dass die US-Währung nun fundamental an Stärke gewonnen hat. Hier findet ein Kampf von zwei fast Blinden statt. Beide Lager werden versuchen im Abwertungswettlauf die Nase vorne zu behalten um sich vermeintlich wirtschaftliche Vorteile zu sichern. Im Rahmen des CuB-Szenarios sind beide Währungen zum Untergang verurteilt - inklusive Staatsbankrott und Währungsreform.
Ralf Flierl, Fabian Grummes
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Über den Autor
 
Autor: Ralf Flierl Ralf Flierl,
Smart Investor

Ralf Flierl ist Chefredakteur der Anlegerpublikation "Smart Investor". Kritisch, unvoreingenommen, unabhängig, antizyklisch, sophisticated, non-Mainstream.... kurz: smart - das sind die Attribute des im Mai 2003 eingeführten "Smart Investor" . Weitere Informationen sowie die Möglichkeit, das Magazin kostenlos zu testen, finden Sie unter www.smartinvestor.de.

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