Smart
Investor Weekly 3/2010
Die
Einschläge rücken näher - und werden doch nur selektiv wahrgenommen
Während derzeit scheinbar jeder auf
die Griechen und deren Finanznöte blickt, werden gleichzeitig
dieselben Nöte der US-Bundesstaaten fast vollständig
ausgeblendet.
Griechenland steht vor der Pleite
Es ist zweifelsohne so, dass ein Staat dessen Haushaltsdefizit
im letzten Jahr fast 13% betrug und dessen Schuldenberg 125% des
BIP beträgt de facto pleite ist. Und deshalb sorgt sich nun
alle Welt um Griechenland und damit auch um den Euro. Was passiert
wenn Griechenland tatsächlich in Bälde die Zahlungsunfähigkeit
verkünden sollte? Könnte es das Ende der europäischen
Währung bedeuten oder werden schließlich zähneknirschend
und trotz aller gegenteiligen Lippenbekenntnisse die anderen
EU-Staaten,
allen voran Deutschland, den maroden Mittelmeerstaat retten?
Machen wir uns nichts vor: natürlich wird Griechenland
am Ende auf die ein oder andere Art und Weise gestützt werden,
denn zuviel politisches Kapital wurde in die Währungsunion
gesteckt, als dass man sie jetzt einfach so riskieren würde.
Außerdem hätte man dann konsequenterweise Griechenland
(zusammen mit Italien, Spanien und Portugal) schon vor einigen
Jahren rauswerfen können (müssen). Von daher braucht
man auf all das sorgenvolle Geraune und Gemurmel um die griechische
Zahlungsfähigkeit derzeit wenig geben (oder auch viel je
nach Standpunkt - Smart Investor schrieb ja bereits zweimal zum
Thema Staatsbankrott vgl. die Ausgaben 02/2006 und 08/2009).
Interessant
wird es aber wenn man etwas zurücktritt und sich überlegt,
wie es denn bei den anderen Pleitekandidaten aussieht - vor allem
jene auf der anderen Seite des großen Teichs.
Und Kalifornien?
Tja, die für sich genommen achtgrößte
Volkswirtschaft der Erde steht nicht wirklich besser da als
Griechenland.
Im Gegenteil, ein Haushaltsdefizit von wenigstens 20 Mrd. USD
- mehr als 20% des Budgets - lässt Griechenlands Probleme,
wenn schon nicht klein, dann doch zumindest kleiner erscheinen.
Und Kalifornien steht nicht allein da: Arizona, Nevada, Florida
und noch einige mehr gehören ebenfalls zu den Bundesstaaten,
die vom Bankrott bedroht sind - insgesamt sind es 10 und damit
fast ein Fünftel der US-Bundesstaaten. Aber dass der Dollar
auseinanderbrechen könnte, darüber denkt (fast) niemand
nach und schreiben tut darüber schon keiner. Warum auch -
denn hier ist es ja ganz offensichtlich, dass Washington im Zweifel
rettend eingreifen wird. Unter anderem auf dieser Situation basiert
ja auch unser Crack-up-Boom (CuB) Szenario. Denn die Staaten bzw.
Staatenbündnisse greifen ja nicht aus Jux und Tollerei immer
tiefer in ihre bzw. des Bürgers Taschen und in das wirtschaftliche
Geschehen ein, sondern weil sie gar nicht anderes können.
Es gäbe in kürzester Zeit soziale Unruhen und Aufstände,
wenn die einzelnen Staaten ihren "Verpflichtungen" nicht nachkämen
- sowohl diesseits als auch jenseits des Atlantiks. Von daher
ist es natürlich besser die Verpflichtungen vordergründig
zu erfüllen, indem man jeden Pleitekandidaten solange wie
möglich mitschleift und dieses Mitschleifen wiederum per
Schulden und somit im Endeffekt per Notenpresse finanziert. Tatsächlich
werden auf diese Art und Weise natürlich die Gläubiger
via Inflation enteignet und am Ende entledigen sich die Staaten
ihrer Schulden via Währungsreform.
Soviel in Kürze dazu, wie wir die Welt und die Zukunft
sehen. Wer sich ausführlicher mit unseren Gedanken beschäftigen
will, dem empfehlen wir die Lektüre unseres Magazins Smart
Investor, welches sich mit Themen wie Crack-up-Boom,
Inflation/Deflation,
Staatsbankrott u.v.m. regelmäßig beschäftigt.
Im nächsten Heft (2/2010) werden wir dabei - trotz oder gerade
wegen all dieser traurigen Entwicklungen - aber sehr konstruktiv.
Wir werden nämlich ausführlich über einen der letzten
großen Helden dieser Zeit berichten, der das Zeug dazu hätte,
wirklich und nachhaltig in unserer Welt etwas zum Besseren zu
bewegen.
Zu den Märkten
Dem DAX ist es immer noch nicht gelungen, die 6.000er
Marke nachhaltig zu durchbrechen und wir erwarten, dass es ihm
auch so schnell nicht gelingen wird. Die Marke von 5.850 Punkten
ist als enorm wichtig einzustufen. Heute hat sich der DAX mit
einem eindruckvollen Reversal wieder von dieser Marke nach oben
abgesetzt. Zwar werden wir im Zuge des CuB letztlich deutlich
höhere Preise sehen, aber auf Sicht der nächsten Wochen
rechnen wir nach wie vor eher mit einer Seitwärtsbewegung.

Auch was das Verhältnis EUR/USD betrifft,
hat sich an unseren Ansichten wenig geändert. Der Euro vagabundiert
in seinem Widerstandsbereich zwischen 1,45 und 1,42. Sollte er
deutlich unter 1,42 fallen, dann wird er vermutlich auch recht
schnell in Richtung 1,37 abtauchen. Prinzipiell gilt hier: Wegen
der labilen Bankensituation in Europa und "bösen Buben" wie
Griechenland halten wir die europäische Währung für
deutlich abwertungsgefährdeter als die amerikanische.
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Ralf Flierl, Smart Investor |
Ralf Flierl ist Chefredakteur der Anlegerpublikation "Smart Investor".
Kritisch, unvoreingenommen, unabhängig, antizyklisch, sophisticated,
non-Mainstream.... kurz: smart - das sind die Attribute des im Mai 2003
eingeführten "Smart Investor" . Weitere Informationen sowie die Möglichkeit,
das Magazin kostenlos zu testen, finden Sie unter www.smartinvestor.de.
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