Obama erweist Märkten einen Bärendienst



12:49 24.01.10

Aus technischer Sicht waren die amerikanischen Börsen bis Mittwoch trotz schwacher Kurse in Hochform. S&P 500, Dow Jones und vor allem die NASDAQ schraubten sich neuen Trendkanälen folgend immer weiter in den Norden. Da schlug am Donnerstag die Bombe ein. Präsident Obama ließ sie Muskeln des Staates spielen und kündigte drakonische Massnahmen vor allem gegen Großbanken an. Sein Plan sieht ebenso die Begrenzung der Größe von Banken wie das Verbot des Eigenhandels vor allem mit Wertpapieren vor. Außerdem dürften sie zukünftig nicht mehr in Hedge-Funds und Private Equity-Gesellschaften investieren oder sie besitzen und andere riskante Geschäfte durchführen.
Sicherlich ist eine tief greifende Reform der Finanzmärkte notwendig. Aber Obamas Vorgehen ist eher von einem populistischen Aktionismus angesichts fallender Umfrageergebnisse geprägt, als vom klaren Sachverstand in einer der heikelsten und komplexesten Problemsituationen der gesamten Wirtschaftsgeschichte.
Obamas Widersprüche
Entsprechend verunsichert haben die Aktienmärkte reagiert: Wie genau sollen diese skizzierten Pläne, die zunächst durch beide Kongresskammern verabschiedet werden müssten, durch den Staat umgesetzt werden? Ist der Staat ausgerechnet beim Risikomanagement kompetenter als die Banken? Zeigen nicht gerade die rekordhohen Bonuszahlungen der Banken, dass der Staat bei der konkreten Durchführung der Bankenrettung gründlich versagt hat? Welche Auswirkung wird ein staatlich kontrolliertes Risikomanagement für die Kreditvergabe der Banken an die sog. Realwirtschaft haben? Obama verstrickt sich zudem in eklatante Widersprüche: Zunächst wurden Giganten wie JP Morgan Chase und die Bank of America vom Staat unterstützt, Bear Stearns und Merrill Lynch durch Übernahmen zu retten. Droht nun erneut ihre Aufspaltung mit ungeahnten Folgen für die gesamte Finanzwelt und den amerikanischen Steuerzahler?
Um die Transparent der Bilanzen zu erhöhen, dürfen Banken bestimmte Geschäfte nicht mehr in Beteiligungsgesellschaften auslagern. Und doch war es die Regierung Obamas, unter der im Jahr 2008 auf dem Höhepunkt der Finanzmarktkrise über Nacht die Bilanzierungsregeln aufgeweicht wurden. Die Intransparenz hat seit dem so weit zugenommen, dass z.B. Goldman Sachs jüngst einen Gewinnsprung meldete, der in keinem Verhältnis mehr zu den Erwartungen des Marktes stand.


Politische Börse oder Große Korrektur?Auslöser für den Kursrutsch an den Aktienmärkten war Obamas verzweifelte Demonstration seiner Ohnmacht gegenüber der ungeheuren Komplexität der Finanzmärkte. Politische Börsen aber haben kurze Beine. Und das umso mehr, als die Vorschläge des Präsidenten und seiner Einflüsterer wahrscheinlich am Kongress scheitern werden.
Dennoch könnte die Psychologie an den Märkten nun nachhaltig kippen und sich der Blick auf die nach wie vor sehr heiklen Fundamentaldaten (schwacher US-Arbeits- und Immobilienmarkt, auslaufender Lagerzyklus, Überhitzung der chinesischen Wirtschaft, Staatsbankrotts) schärfen.
S&P 500: Zurück auf „Los“ oder Absturz?Der Kursrutsch im S&P 500 war deftig; 5% in drei Tagen. Eine solche Abwärtsdynamik haben wir zuletzt im Oktober gesehen. Damals setzte eine Gegenbewegung ein, die zu neuen Höchstständen führte. Ist das nun wieder ein Augenblick, in dem die Bullen die Angst kaufen werden?
Im Moment ist noch nicht soviel passiert, als dass das Ruder nicht noch herumgerissen werden könnte, denn der Leitindex hielt am Freitag erneut punktgenau an der Unterstützung bei 1.091 Punkten, dem Ausgangspunkt der Januar-Rallye. Zumindest eine technische Gegenbewegung bis 1.110 Punkte ist in der kommenden Woche plausibel. Sollte am Montag die Unterstützung allerdings nicht halten, wäre das vermutlich der eigentliche Beginn einer weiter reichenden Korrektur der Aktienmärkte, die mindestens bis zum Sommer anhalten könnte. 
Eine erfolgreiche Börsenwoche wünscht Ihnen
Ihr Thomas Rauschwww.portfolio360.de
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