Einige Anfang des Jahres bekannt gewordenen Zahlen geben Anlass für die Sorge China sei auf direktem Weg in eine durch das Platzen der Immobilienblase ausgelösten Krise. So wurden im Jahr 2009 von chinesischen Banken nach ersten Schätzungen Kredite im Wert von 9,59 Billionen Yuan (1,4 Bio. USD!) vergeben. Das entspricht fast 30% des BIPs! Alleine in den ersten 2 Wochen von 2010 vergaben die Banken weitere Kredite im Wert von 1,1 Billionen CNY (161 Mrd. USD).
Besonders exzessiv ist das Kreditwachstum im Immobiliensektor: Die Vergabe von Hypothekenkrediten explodierte in Shanghai in 2009 um unglaubliche 1600%. Angeheizt durch dieses hohe Kreditwachstum stiegen die Immobilienpreise in Shanghai und Peking in nur einem Jahr um über 50% und auch in Hongkong legten die Immobilienpreise in 2009 um fast 30% zu. Landesweit stieg der Wert der Immobilienverkäufe in 2009 um insgesamt 75,5%. Immer wieder liest man daher in den Medien, dass ein baldiges Platzen der Immobilienblase bevorstehe.
Blase Weniger dramatisch als gemeinhin angenommen
Zum Glück scheint die Situation landesweit aktuell noch nicht aus dem Ruder zu laufen, denn noch betrifft die Blase nur wenige Städte (insb. Shanghai und Peking). Laut einer Untersuchung von der NDRC (National Development and Reform Comission) legten die Immobilienpreise in den größten 70 Städten Chinas in 2009 nur um 8% zu (nach einem Preisfall in 2008) und das Verhältnis von Immobilienpreisen zum Einkommen der Bevölkerung liegt heute 10% niedriger wie vor 10 Jahren. Sollte es in Peking oder Shanghai eine schmerzliche Preiskorrektur geben, so wären die Auswirkungen für die Gesamtwirtschaft entsprechend überschaubar.
Keine Hypothekenkrise zu erwarten!
Unwahrscheinlich ist es auch, dass ein Preiseinbruch in Shanghai und Peking in 2010 eine für eine Immobilienkrise typische Kreditkrise auslöst, denn der chinesische Immobilienboom wurde nicht, wie oft fälschlich berichtet wird, durch die Kreditblase finanziert sondern durch die hohe Sparquote angetrieben. Im Schnitt deckt eine Hypothek nur die Hälfte einer Immobilie ab und laut JPMorgan hat gerade einmal ein Viertel der Mittelklasse überhaupt einen Hypothekenkredit aufgenommen.
Die Verschuldung chinesischer Haushalte ist mit 35% ihres Einkommens moderat und nur 17% des Kreditportfolios chinesischer Banken beruht auf Hypothekenkrediten (USA: 56%!). Die oft beschriebenen Parallelen zur Asienkrise von 1997/98, zur Japan- Krise der 90er Jahre oder zur amerikanischen Hypothekenkrise der vergangenen Jahre bestehen also im Immobiliensektor (noch!) nicht.
Mein Fazit: Peking tut gut daran die Immobilienmärkte in den östlichen Boom-Towns zu beruhigen. Die vielfach geäußerte Sorge, dass in 2010 eine Immobilienkrise das Land in den Abgrund reißt ist jedoch unbegründet.
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