Am Donnerstag sind die Märkte in den USA noch ziemlich heftig unter Druck geraten. Ich habe um 22.00 Uhr natürlich noch einmal kurz in den einen oder anderen Börsensender rein gezappt, um zu sehen, wie die US-Indizes geschlossen haben. Der Einbruch war schon beachtlich. Interessiert lauschte ich, was man denn für die Gründe hielt.
Und staunte nicht schlecht, als ich hörte, dass als Grund für den Einbruch in den USA die Probleme in Portugal genannt wurden. Kurz zur Info: Portugal hatte Schwierigkeiten eine 500 Millionen Euro Anleihe zu platzieren und diese daher auf 300 Millionen reduziert. In den Medien wurde daraufhin befürchtet, dass Portugal zum zweiten Griechenland wird.
Wer oder was ist Portugal?
Ich fürchte, dass wahrscheinlich 90 % der US-Bevölkerung das Wort „Portugal“ noch nie gehört hat und als Antwort auf die Frage, wer oder was „Portugal“ sei, wahrscheinlich auf ein alkoholhaltiges Getränk tippen würde. Davon abgesehen: Wir wissen aus der Vergangenheit, dass die Amis, was interne fiskalische Probleme in Europa betrifft, wenig Interesse zeigen. Um an den Börsen solche Reaktionen wie gestern hervorzurufen, müsste schon ein Anschlag in Europa oder ähnliches geschehen.
Über Umwege
Die einzige Möglichkeit, wie man hier eine Verbindung hätte stricken können, und das wurde mit keinem Wort erwähnt, wäre über den Dollar. Sie erinnern sich an die hier dargestellte Dollar/Dow-Korrelation. Ein Dollar der zulegt, weil Anleger aus dem Euro in den Dollar flüchten, ist natürlich schlecht für die Aktienkurse in den USA. Aber das ist eher ein mittelfristiger Einfluss.
Klarer Beleg: Es war eindeutig nicht Portugal
Wären es die Nachrichten aus Portugal gewesen, welche die Kurse einstürzen ließen, hätte man den ganzen Tag über schwächere Kurse in den US-Future sehen müssen. Doch schauen Sie sich einfach den folgenden Chart an. Er stellt den Nasdaq100-Future von gestern dar:
Bis 14.30 Uhr, also bis genau zu dem Zeitpunkt, als die enttäuschenden Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe veröffentlicht wurden, war die Welt noch mehr oder weniger in Ordnung. Der Einbruch startete genau um 14.30 Uhr. Ich glaube, dieser Chart spricht für sich. Wer sollte nach diesem Chart noch an diese seltsame Portugal-Story glauben?
Kurzfristige Belastung
Aber auch heute ist interessant, wie diese Meldung hartnäckig immer wieder von dem nächsten Redakteur übernommen und abgeschrieben wird. Man muss hier deutlich unterscheiden: Die Kurse in Europa werden sicherlich durch diese Nachrichten belastet. Doch selbst das ist wiederum nicht ganz logisch, denn der deutlich schwächere Euro ist das Beste, was den Europäern in der aktuell wirtschaftlich schwierigen Situation passieren kann. Schließlich war es der hohe Euro gewesen, der sich negativ auf den Export der schwächeren Länder in der EU ausgewirkt hatte und somit zusätzlich die Konjunktur in diesen Ländern belastete. Schlimm würde es nur werden, wenn sich tatsächlich klarere Zerfallserscheinungen in der EU zeigen.
Doch Kalkül?
Interessant finde ich, dass die Story mit Portugal genau zu dem Zeitpunkt kam, als Griechenland so langsam aus dem Fokus der Devisenhändler rutschte und der Euro erste Stärke zeigte. Vielleicht hat die „Verschwörungstheorie“, dass diese den Euro schwächenden Nachrichten bewusst lanciert wurden, doch einen wahren Kern… Wer weiß, wer weiß.
Die US-Arbeitsmarktdaten
Kommen wir damit zu dem eigentlich interessanten Thema des heutigen Tages: Die US-Arbeitsmarktdaten.
Im Januar kam es in den USA zu einem Stellenabbau von 20.000 Stellen. Analysten hatten jedoch mit einem Ende des Stellenabbaus gerechnet und sogar ein Plus von 15.000 Stellen erwartet. Insoweit zwar schlechtere Daten als erwartet, aber das war noch in Ordnung. Der Markt reagierte kurz negativ, dann jedoch kam es schnell zu einer kleinen Intraday-Rally.

Diese hatte jedoch nicht lange Bestand. Denn bei genauerem Hinsehen enttarnte sich das eigentliche Ausmaß: Der Stellenverlust im Dezember hatte nicht, wie zunächst gemeldet 85.000 Stellen betragen, sondern 150.000 Stellen! Das sind immerhin mal eben 65.000 Stellen mehr als zuvor gemeldet. (Damit sind übrigens seit Dezember 2007 knapp 8,5 Millionen Arbeitsplätze in den USA vernichtet worden.)
Insgesamt sind damit die Arbeitsmarktdaten deutlich schlechter als erwartet ausgefallen. Trotzdem starteten die US-Märkte zunächst uneinheitlich bis positiv. Folgt man der Strategie, die ich gestern genannt habe, so stehen wir angesichts dieser Zahlen hart an der Grenze zu „sehr schlecht“. Das führt dazu, dass die Konjunktursorgen die sinkenden Zinserhöhungssorgen überkompensieren. Und das ist wohl der Grund, warum die Märkte so uneinheitlich reagieren. Hier muss man also mit seiner möglichen Long-Position vorsichtig sein.
Trotzdem kommen wir so langsam in Bereiche, in denen zumindest eine Gegenbewegung starten sollte (DAX 5.328 Punkte).Der Dow Jones ist übrigens wieder an der 10.000er Marke angelangt…
Viele Grüße
Jochen Steffens
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Jochen Steffens, Stockstreet GmbH |
Jochen Steffens ist als Chefredakteur diverser Fachpublikationen im Bereich Börse und als bekannter Kolumnist tätig. Seit mehr als zwölf Jahren arbeitet er als eigenverantwortlicher Daytrader mit dem Schwerpunkt Futurehandel. Als Geschäftsführer der Stockstreet GmbH ist er für die Börsenseite stockstreet.de verantwortlich. Dort gibt er den täglich erscheinenden Börsennewsletter: "Steffens Daily" heraus. Für mehr Information: www.stockstreet.de
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