In den Führungs- und Aufsichtsratsetagen der
börsennotierten Unternehmen ist derzeit einiges los. Im Mittelpunkt
dieser Aktionen steht der gute alte Stuhl. Dieser wird derzeit hin- und
hergerückt, fällt schon mal um und wird manchem auch vor die Tür
gestellt. Was nichts Gutes für dessen übergangsweisen (Be-) Sitzer
verheißt.
So brauche ich nur überflugartig die Pressemitteilungen bzw.
Nachrichten der letzten Tage und Stunden durchzugehen. Da lese ich
folgendes: Wechsel im Aufsichtsrat der Indus Holding AG; MAN: Stefan W.
Ropers legt sein Aufsichtsratsmandat nieder; Daimler AG: Dr. Wolfgang
Bernhard zum Vorstandsmitglied ernannt; Advanced Inflight Alliance:
Finanzvorstand legt sein Amt nieder; SAP sucht nach neuem Vertrauten –
Hasso Plattner zieht die Reissleine; Thain wird Vorstandschef von CIT;
Rentenbank entlässt Vorstandschef. Und nachdem die Staatsanwaltschaft
prüft, ob man gegen die Gesellschafter der 220 Jahre alten Privatbank
Sal. Oppenheim Ermittlungen wegen Untreue aufnehmen soll, wird dort
wahrscheinlich auch bald der ein oder andere Kopf am Stuhl vorbei
rollen. Natürlich nur bildlich gesprochen.
Was ist da bloß los? Hat jetzt das Großreinemachen begonnen?
Wie so oft im Leben gibt es natürlich nicht nur eine Erklärung für
dieses Phänomen. Während der eine nur das gemacht hat, was die graue
Eminenz im Hintergrund wollte und dafür jetzt die Konsequenzen tragen
muss, hat der nächste schlichtweg versagt. Anderen wiederum wird der
Druck zu groß, so dass sie von ganz alleine gehen. Haftung für
mögliches eigenes Fehlverhalten? Wo kommen wir denn da hin? Hat sich
wohl auch der ein oder andere gedacht. Dann werden da Vertraute nach
oben gehievt. Und wiederum andere haben tatsächlich private Gründe. Die
allerdings immer öfter als Ausrede herhalten müssen.
Bei all dem gibt es – beinahe wie auf der Trainerbank im Fußball –
immer weniger von der Sorte, die aufgrund ihrer großen Lebensleistung
mit hohen Ehrungen in den Ruhestand verabschiedet werden. Was uns zu
denken geben sollte. Und so fragt man sich, wo das langfristig oder
zumindest mittelfristig orientierte Denken und Handeln geblieben ist?
Offensichtlich ist die kurzfristige Optimierung das Gebot der Stunde.
Was irgendwie sogar nachvollziehbar ist. Weil allzu häufig
Wertorientierung auf der Strecke bleibt.
In Zeiten des immer größer, immer weiter und immer höher, scheint nicht
mehr die Zeit für einen konsequenten und stabilen - wenngleich
langsameren - Aufbau von Unternehmen zu sein. Ob wir da alle ein wenig
Mitschuld tragen?
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Norbert Lohrke, Globalyze Invest AG |
Diplom-Volkswirt Norbert Lohrke betreibt seit 2004 www.globalyze.de mit seiner einzigartigen voll-automatisierten fundamentalen Aktienauswahl. Daraus resultieren renditeträchtige Produkte wie Top10 Plus, Top Flop, Value Börsenbrief und der Aktienfonds Globalyze QuantValue (A1JL1H). Nicht zuletzt aufgrund seiner Erfahrungen aus Wirtschaftsprüfung und Bewertung sowie seiner kritischen Betrachtungsweise ist der Investmentprofi einer der meistgelesenen Wirtschaftsautoren im deutschsprachigen Raum. Sein Slogan? „Rendite ist kein Zufall“
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