Stühlerücken



08:45 09.02.10

In den Führungs- und Aufsichtsratsetagen der börsennotierten Unternehmen ist derzeit einiges los. Im Mittelpunkt dieser Aktionen steht der gute alte Stuhl. Dieser wird derzeit hin- und hergerückt, fällt schon mal um und wird manchem auch vor die Tür gestellt. Was nichts Gutes für dessen übergangsweisen (Be-) Sitzer verheißt.

So brauche ich nur überflugartig die Pressemitteilungen bzw. Nachrichten der letzten Tage und Stunden durchzugehen. Da lese ich folgendes: Wechsel im Aufsichtsrat der Indus Holding AG; MAN: Stefan W. Ropers legt sein Aufsichtsratsmandat nieder; Daimler AG: Dr. Wolfgang Bernhard zum Vorstandsmitglied ernannt; Advanced Inflight Alliance: Finanzvorstand legt sein Amt nieder; SAP sucht nach neuem Vertrauten – Hasso Plattner zieht die Reissleine; Thain wird Vorstandschef von CIT; Rentenbank entlässt Vorstandschef. Und nachdem die Staatsanwaltschaft prüft, ob man gegen die Gesellschafter der 220 Jahre alten Privatbank Sal. Oppenheim Ermittlungen wegen Untreue aufnehmen soll, wird dort wahrscheinlich auch bald der ein oder andere Kopf am Stuhl vorbei rollen. Natürlich nur bildlich gesprochen.

Was ist da bloß los? Hat jetzt das Großreinemachen begonnen?

Wie so oft im Leben gibt es natürlich nicht nur eine Erklärung für dieses Phänomen. Während der eine nur das gemacht hat, was die graue Eminenz im Hintergrund wollte und dafür jetzt die Konsequenzen tragen muss, hat der nächste schlichtweg versagt. Anderen wiederum wird der Druck zu groß, so dass sie von ganz alleine gehen. Haftung für mögliches eigenes Fehlverhalten? Wo kommen wir denn da hin? Hat sich wohl auch der ein oder andere gedacht. Dann werden da Vertraute nach oben gehievt. Und wiederum andere haben tatsächlich private Gründe. Die allerdings immer öfter als Ausrede herhalten müssen.

Bei all dem gibt es – beinahe wie auf der Trainerbank im Fußball – immer weniger von der Sorte, die aufgrund ihrer großen Lebensleistung mit hohen Ehrungen in den Ruhestand verabschiedet werden. Was uns zu denken geben sollte. Und so fragt man sich, wo das langfristig oder zumindest mittelfristig orientierte Denken und Handeln geblieben ist? Offensichtlich ist die kurzfristige Optimierung das Gebot der Stunde. Was irgendwie sogar nachvollziehbar ist. Weil allzu häufig Wertorientierung auf der Strecke bleibt.

In Zeiten des immer größer, immer weiter und immer höher, scheint nicht mehr die Zeit für einen konsequenten und stabilen - wenngleich langsameren - Aufbau von Unternehmen zu sein. Ob wir da alle ein wenig Mitschuld tragen?



Und so kommt es immer häufiger vor, dass der Stuhl länger hält, als die Besitzer, die auf ihm Platz nehmen. Wobei das nicht zuletzt für unsere Handwerker und deren solide Tätigkeit spricht.

Und dennoch glaube ich, wenn ich mir die Kollegen so ansehe, dass das große Stühlerücken durchaus einen Sinn hat. Wenn denn diejenigen die da nachfolgen, etwas sorgfältiger ausgewählt werden, als die, die da gehen (müssen). Auch hier gibt es manches vermeidbare Versäumnis.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag und stets hohe Renditen.

Ihr Norbert Lohrke

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Über den Autor
 
Autor: Norbert Lohrke Norbert Lohrke,
Globalyze Invest AG

Diplom-Volkswirt Norbert Lohrke betreibt seit 2004 www.globalyze.de mit seiner einzigartigen voll-automatisierten fundamentalen Aktienauswahl. Daraus resultieren renditeträchtige Produkte wie Top10 Plus, Top Flop, Value Börsenbrief und der Aktienfonds Globalyze QuantValue (A1JL1H). Nicht zuletzt aufgrund seiner Erfahrungen aus Wirtschaftsprüfung und Bewertung sowie seiner kritischen Betrachtungsweise ist der Investmentprofi einer der meistgelesenen Wirtschaftsautoren im deutschsprachigen Raum. Sein Slogan? „Rendite ist kein Zufall“

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