Smart
Investor Weekly 6/2010
Anreize - was
die Politik noch nie verstand
Der Ankauf der Daten-CD mit Information über
etliche deutsche Steuerhinterzieher zieht immer größere Kreise.
Inzwischen wurde den Steuerbehörden mehr als nur ein Datenträger
angeboten, auf welchen sich nun auch Informationen über mögliche
Steuerhinterzieher aus Bayern und Baden-Württemberg befinden. Die
politische Klasse erlebt hier nun im kleinen wie "Anreize setzen"
funktioniert - ob sie es versteht, steht auf jedoch auf einem anderen
Blatt.
Ein schlechtes Beispiel macht Schule
Auch europäische Nachbarländer sind inzwischen an den Datensätzen
interessiert. Es ist schon auffällig wie schnell ein schlechtes
Beispiel Schule macht und das Unrechtsbewusstsein in sogenannten
Rechtsstaaten erodiert. Aber wer sich mit der Anreizsystematik der
Österreichischen Schule auseinandergesetzt hat, der findet dies
keineswegs erstaunlich. Er findet es ebenfalls nicht erstaunlich, dass
nun immer mehr Datensätze zum Kauf angeboten werden. Verbrechen lohnt
sich eben plötzlich - für 2,5 Mio. EUR muss eine alte Oma ziemlich
lange stricken. Da ist es doch viel attraktiver, schnell mal seinen
Arbeitgeber zu bestehlen und Vertrauenspositionen auszunutzen. Es ist
ein ähnliches Prinzip, welches die Banken, die nun bei jeder sich
bietenden Gelegenheit ausgebuht werden, dazu verleitet hat, ihre
Risiken ins Unermessliche aufzublähen. Die Finanzinstitute wussten,
dass sie im Zweifelsfall gerettet werden würden, entsprechend
verhielten sie sich. Genauso wie der potentielle Datendieb, der nun
weiß, er wird für sein Verbrechen nicht bestraft, sondern belohnt.
Nicht dass wir uns hier falsch verstehen: Steuerhinterziehung ist ein
Verbrechen, aber Kriminalität mit Kriminalität bekämpfen zu wollen, mag
ja Otto Normalbürger vernünftig erscheinen - dem Rechtsstaat kann es
dauerhaft nur schaden.
Dass dieses System grundsätzlich nicht verstanden wird, belegen so
ziemlich alle politischen Ereignisse der jüngeren Zeit: sei es die
Rettung Griechenlands, die doch jeden zukünftigen EU- und/oder
Euro-Beitrittskandidaten dazu ermutigen muss, seine Statistiken so
dreist wie möglich zu fälschen oder die politische Weichenstellung der
"A-Home-of-your-own"-Gesetzgebung in den USA, die dann doch erst zu der
eigentlich Immobilenkrise führte. Natürlich ist die Idee schön, dass
jeder sein Eigenheim besitzen solle, aber er muss es sich erst leisten
können...
Wolfgang Schäuble hat immerhin Erfahrung
Interessant ist aber auch zu sehen was dann passiert, wenn die
Weichenstellung im Sinne der Anreize in eine katastrophale Richtung
führt. Dann zerrt man - allen voran die Massenmedien und die politische
Klasse - nämlich plötzlich eine Gruppe, die schnell als die Schuldigen
ausgemacht wurden, am Nasenring durch die Arena und Volkes Zorn kann
sich an dieser abreagieren. Heute sind es die "Reichen", gestern waren
es die Manager und die Banker. Wer mag es wohl morgen sein? Einer
sicherlich nicht: der Finanzminister (und mit ihm der Rest der
Regierung), der sich nun als Hehler betätigt. Denn die Folgen dieser
verfehlten Anreizpolitik werden andere erst sehr viel später ausbaden
müssen - im Zweifelsfall die Bürger, wenn der Staat immer weniger
Rücksicht auf die eigenen Gesetzte nimmt
Dass sich allerdings gerade Wolfgang Schäuble nun als der große
Geldzurückholer und Kämpfer gegen das Schwarzgeld geriert, entbehrt
sicherlich nicht einer gewissen Ironie. Schließlich war er es, der in
den neunziger Jahren von dem Waffenhändler Karlheinz Schreiber 100.000
DM annahm, die dann über Umwege auf den Schwarzgeldkonten der CDU
landeten.
Zu den Märkten
Man hört immer öfters, dass viele Marktteilnehmer den Börsen für 2010
nicht mehr viel zutrauen. Und in der Tat: die steilen Aufwärtstrends
der letzten 12 Monate sind mehrheitlich gebrochen worden.
Charttechnisch ist die Lage als durchaus labil zu bezeichnen.
Allerdings läuft die Entwicklung an den Börsen bislang nahezu exakt so
wie von uns in unserem Kapitalmarktsausblick prognostiziert, weshalb
wir uns auch die die damals angedeutete Vorgehensweise halten werden.
Und das bedeutet: wir werden versuchen, in die Schwäche des ersten
Quartals hinein sukzessive unseren Investitionsgrad auszubauen, wenn
möglich auf 100%, oder gar etwas mehr (in dem Falle, dass wir mit
Derivaten etwas hebeln).
Das weitere Abwärtspotential des DAX schätzen wir auf etwa 5 bis 15% in
den kommenden Wochen ein. Sollten wir mit dieser Annahme recht
behalten, so könnte diese Entwicklung auch recht schnell von statten
gehen, weshalb wir uns mit Kauflimits positionieren wollen. Dabei
werden wir diese recht unterschiedlich hinsichtlich der Aggressivität
gestalten, gemeint ist: unterschiedlich weit weg vom aktuellen Kurs.
Wir gehen an dieser Stelle explizit nicht auf die jeweiligen Firmen
ein. Hierzu finden Sie im Heft 1/2010 auf S. 68 unsere Watchlist, in
welcher Sie auch den Hinweis finden, in welchem Heft wir zuletzt
darüber berichtet hatten.
Noch ein Hinweis:
Diese Empfehlungen sind für Abonnenten des Magazins gedacht. Nur diese
können via Heft regelmäßig unsere Einschätzungen zu diesen Werten
nachlesen. Nur-Weekly-Lesern müssen wir daher dringend davon abraten,
diese Titel zu erwerben.
Immer wieder geben Abonnenten ihren Unmut darüber zum Ausdruck, dass
jeder Online-Leser (der kein Abonnent ist) unser Musterdepot
nachvollziehen könnte. Wir können diesen Unmut verstehen und weisen
schon einmal darauf hin, dass sich im Zuge eines baldigen
Homepage-Relaunches einiges ändern wird. Denn zukünftig ist geplant,
die Aktienbesprechungen für das Musterdepot nur noch ein einem
Passwort-geschützten Bereich (erhalten nur die Heft-Bezieher)
vorzunehmen.
Die Kauflimits
Kauflimit für 40.000 Stück Indofood (891724) bei 0,24 EUR (akt.: 0,266
EUR)
Kauflimit für 400 Stück BayWa (519400) bei 26,40 EUR (akt.: 28,50 EUR)
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Ralf Flierl, Smart Investor |
Ralf Flierl ist Chefredakteur der Anlegerpublikation "Smart Investor".
Kritisch, unvoreingenommen, unabhängig, antizyklisch, sophisticated,
non-Mainstream.... kurz: smart - das sind die Attribute des im Mai 2003
eingeführten "Smart Investor" . Weitere Informationen sowie die Möglichkeit,
das Magazin kostenlos zu testen, finden Sie unter www.smartinvestor.de.
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