Miss-Erfolgsbilanz von aktiven Fonds



12:44 16.02.10

Untersuchungen von aktiv verwalteten Vermögen, wie Fonds, kommen regelmäßig zu dem Ergebnis, dass es mehr als 80 Prozent nicht gelingt, ihren Vergleichsindex zu schlagen. Ein Beispiel im Bereich Aktienfonds: 84 Prozent der Fonds mit Vergleichsindex S&P 500 (breit angelegter US-Aktienindex) haben in den letzten 10 Jahren schlechter abgeschnitten als der Index. In den letzten 20 Jahren waren es sogar 88 Prozent (Quelle: Burton Malkiel, Princeton University). Ein Beispiel im Bereich Anleihefonds: In den letzten fünf Jahren schnitten 95 Prozent aller 225 in Deutschland zugelassenen Anleihefonds mit Vergleichsindex "iBoxx Liquid Souvereigns Capped 1,5-10,5" (mittlere bis langfristige westeuropäische Staatsanleihen) schlechter ab als der Index (Quelle: bvi.de, zitiert in ETF, Ausgabe 3/2009).

Wahrheiten verdrehen.
Diese ernüchternde Bilanz widerspricht im Allgemeinen der Werbung von Produktanbietern. Der glatten Lüge kann man diese aber nicht überführen: Durch geschickte Auswahl von historischen Zeiträumen, von Vergleichsindizes und anderes lassen sich Fonds positiver darstellen als sie sind. Hinzu kommt, dass aus der Produktpalette einzelner Fonds-Anbieter gerade solche Fonds beworben werden, die sich zuletzt positiv entwickelt haben. Die anderen werden nicht erwähnt. Für Anleger ist dies besonders bedauerlich, denn gerade die Fonds mit bisher positiver Entwicklung sollten dann eher überbewertete Wertpapiere enthalten und in der Folge eher Wert verlieren (Stichwort: Rückkehr zum Mittel).

Weitere Tricks.
Was wir bei Fondsanbietern beobachten, ist in ähnlicher Form auch bei vielen Börsenbriefen und -zeitschriften zu erkennen: Musterdepots werden nach schlechter Entwicklung neu gestartet, so dass die negative Entwicklung eliminiert ist, oder es werden Einzeltitel als Beleg für gute Auswahl aufgeführt, obwohl sich die Empfehlungen insgesamt negativ entwickelt haben, oder es werden Wertpapiere mit negativer Entwicklung durch neue Wertpapiere ersetzt, sodass in der Liste des Musterdepots keine Wertpapiere mit negativer Entwicklung enthalten sind, ungeachtet dessen, dass damit die Entwicklung des Musterdepots insgesamt negativ bleibt, usw.

Fonds-Kosten.
Interessant ist aber gerade, dass ein Großteil der Fonds und Empfehlungen schlechter als der Vergleichsindex abgeschlossen hat. Denn rein theoretisch sollten genau 50 Prozent der Anlagevolumen schlechter als ihr Durchschnitt (also ein Index) abgeschlossen haben und die anderen 50 Prozent besser. Der Grund sind die Kosten der Fonds z.B. in Form von Verwaltungsgebühren. Sie ziehen auch einen Großteil der Fonds mit sonst überdurchschnittlicher Entwicklung unter den Durchschnitt.

Haben Sie einen Informationsvorsprung?


Wenn aktive Fonds ihren Vergleichsindex im Allgemeinen nicht schlagen, gibt es dann überhaupt eine Möglichkeit, den Index, unter Ausschluss von Zufall zu schlagen? Unsere Antwort: Ja, aber... eher nicht durch Auswahl von Einzeltiteln sondern durch Gewichtung von Anlageklassen. Untersuchungen zur Auswahl von Einzeltiteln kommen zum Ergebnis, dass bereits alle Informationen in den Kursen berücksichtigt sind und zwar unmittelbar nachdem sie verfügbar sind. Zu diesen Infos gehören alle technischen Handelsdaten (Chartanalyse), alle fundamentalen Daten (Gewinn, Umsatz, Wachstum), Analystenprognosen und Geschäfts-, Branchen-, Konjunkturaussichten. Eine Zusammenfassung der Untersuchungen ist in dem 4 Pfund schweren Werk "Investment Analysis and Portfolio Management" von Reilly und Brown enthalten. Setzen auf Einzelaktien ist deshalb sinnfrei.

Unsere Anlagephilosophie beruht folglich darauf, das mit Einzeltiteln verbundene Risiko, das uns unter den Durchschnitt ziehen könnte, vollständig durch Diversifikation zu eliminieren, indem wir in ETFs investieren.

Die Lösung.
Den Durchschnitt schlagen wir dann systematisch, indem wir die Gewichtung von ganzen Anlageklassen verändern: Es gibt offensichtliche Diskrepanzen, die wir ausnutzen. Z.B. schichten wir in Aktien-Indizes um, wenn die erwartete Dividendenrendite höher ist als die Rendite von Anleihen, wie kurzzeitig nach dem jüngsten Crash. Ebenso schichten wir unkonventionell auf Festgeldanlagen, wenn die Verzinsung höher ist als von Anleihen - alles unter geschickter Berücksichtigung der gegenläufigen Wertentwicklung von Anlageklassen (Korrelation).

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Ihr Curtis Schneekloth

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