Griechenland und Gold - ein kleines Stück vom Glück



20:03 16.02.10

Smart Investor Weekly 7/2010
Griechenland und Gold - ein kleines Stück vom Glück

Während in Brüssel und andernorts die Köpfe rauchen wie man den Griechen am besten aus der Schuldenfalle helfen könnte, erklimmt das Krisenbarometer Gold neue Höhen und markiert ein neues Allzeithoch in Euro.
Griechenland ist nach wie vor in aller Munde
Auch wenn die Bürokraten in Brüssel nun den Griechen die Daumenschrauben anziehen wollen und ihnen einen "harten" Sparkurs verordnen und sogar von der stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der Grünen (sic!) Christine Scheel laut über einen Rauswurf der Hellenen aus dem Euroraum nachgedacht wird - machen wir uns nichts vor: Niemand wird den Griechen den Stuhl vor die Tür des Euros setzten, auch wenn dies die langfristig einzig richtige Handlung wäre. Stattdessen wird versucht werden, das Problem wieder einmal, wie in den vergangenen 25 Jahren, mit mehr Geld zu lösen. Dass diese Methode das Problem nur jedes Mal vergrößert, ist den EU-Technokraten und der politischen Klasse bisher nicht aufgefallen und es ist auch nicht davon auszugehen, dass die Narreteien dieser Gruppe mit dem Aschermittwoch enden werden. Mehr Geld lässt sich aber nur durch noch mehr Schulden kreieren, denn neben den Griechen sind fatalerweise auch die meisten anderen Mitgliedsstaaten pleite. Große Reserven, mit denen man ein Rettungspaket (oder wenigstens die Haushaltslöcher) finanzieren könnte, sind nicht vorhanden. Die voranschreitende Schuldenaufnahme führt wiederum nur dazu, dass die Geldmengen noch weiter anwachsen werden. Die Geldmenge M3 der Eurozone hat sich in den vergangenen zehn Jahren ja auch "nur" verdoppelt?da ist bestimmt noch mehr drinnen.

Gold in EUR auf Allzeithoch
Je mehr die Geldmengen allerdings wachsen, desto stärker verliert das Geld selbst seine Kaufkraft. Und wenn die Bürger anfangen dieser Entwicklung gewahr zu werden, werden sie anfangen, es dem antiken Helden Jason gleichzutun. Dieser segelte angeblich zusammen mit weiteren Helden (den Argonauten) nach Kolchis um das "goldenen Vlies" zu erbeuten. In der Neuzeit werden die Anleger, diesmal zwar nicht getrieben von der Goldgier, sondern der berechtigten Sorge um ihr Vermögen ebenfalls die Segel Richtung Sachwerte setzen. Und genau dies ist ja das Crack-up-Boom Szenario (CuB) des Smart Investors (vgl. Heft 4/2009 bzw. www.smartinvestor.de/cub/). Kein Wunder, dass sich angesichts der jüngsten Entwicklung der Goldpreis in Euro auf Jahresallzeithoch befindet. Zwar geht Smart Investor nun nicht davon aus, dass der Goldpreis in US-Dollar trotz der jüngsten Erholung alsbald durch die Decke schießt und sich ebenfalls zu neuen Hochs aufmacht - wir erwarten nach wie vor eher eine Konsolidierung, zumindest in der ersten Jahreshälfte (vgl. Heft 1/2010). Sich sein eigenes kleines "goldenes Vlies" anzulegen bzw. die Investition in ein solches weiter auszubauen, ist so oder so eine vernünftige Idee. Denn während die Kaufkraft des Papiers immer geringer werden wird, dürfte sich die Kaufkraft des Goldes als so langlebig und dauerhaft präsentieren wie in den vergangenen 5.000 Jahren. Die griechische Zentralbank übrigens hält 90% ihrer Währungsreserven in Gold - leider handelt es sich dabei, absolut betrachtet, nur um etwas mehr als 100 Tonnen. Und auch wenn dieser Tage allerlei merkwürdig gewandete Menschen durch die Strassen ziehen, einer neuer Jason, der das Gold Athens aufstockt, dürfte nicht darunter sein?

Zu den Märkten
Hat eine neue Baisse begonnen oder ist der Bullenmarkt noch intakt? Diese Frage stellen sich derzeit viele Analysten, insbesondere aus dem Lager der Technischen Analysten. Die Anhänger der Elliott Wellen Theorie (bekanntester Vertreter: Robert Prechter) beispielsweise sehen die Aufwärtsbewegungen der Börsenindizes der letzten 10 Monate als bloße Bärenmarkt-Rally. Das bedeutet: aus deren Sicht geht es in großen Schüben schon bald wieder abwärts, und zwar auf tiefere Tiefs als wir sie im März letzten Jahres gesehen haben.

Ich erwähne dies erstens deshalb, weil immer wieder die Thesen dieses Herrn Prechter an uns weitergeleitet werden, mit der Bitte um Stellungnahme. Zweitens aus aktuellem Anlass auch deshalb, weil einer unserer Interviewpartner für die kommende Ausgabe, der bekannte technische Analyst Ralph Acampora, ein Statement zu Herrn Prechter abgab. Und wir von Smart Investor können Herrn Acampora nur aufs allerdeutlichste zustimmen: Prechter wird sich irren! Dies IST ein Bullenmarkt, und dieser Bullenmarkt WIRD noch einige Jahre andauern und noch sehr viel Kursgewinne bringen. Dies ist unsere Prognose und daran wollen wir uns auch messen lassen. Acampora ist auch Bulle, nur nicht ganz so bullish wie wir (mehr dazu im nächsten Heft).

Wie im letzten Heft (2/2010) im "Großen Bild" angedeutet, erwarten wir aufgrund zyklischer Überlegungen das Tief der augenblicklichen Korrektur Ende Februar oder Anfang März, also innerhalb der nächsten vier Wochen. Für unsere Transaktionen im Musterdepot bedeutet dies folgendes:

Musterdepot
Entsprechend unserer Einschätzung belassen wir das Verkaufslimit für das DAX-Short-Zertifikat (2.000 Stück) mit der Kennummer CG021U bei 9,60 EUR (entspricht etwa einem DAX von rund 5.350 Punkten). Unser Short-Zertifikat auf den Euro (TB7N6H) wurde am vergangenen Mittwoch (um 9.00 Uhr) glattgestellt. Nachdem nun die Börsen-Meute aufgrund des griechischen Spektakels auch erkannt hat, dass der Euro nicht der Hort der Glückseligkeit ist, dachten wir uns: Gewinne erst mal mitnehmen, kann nichts schaden.

Mit unseren Aktien-Kauflimits sorgten wir letzte Woche für einige Verwirrung. Insbesondere bei BayWa und Grifols war dies der Fall. Grund: für beide Titel hatten wir bereits im letzten Jahr Kauflimits gesetzt, die aber beide nicht aufgingen Wir hatten die Limits "bis auf Widerruf" gesetzt, gingen aber davon aus, dass diese über den Jahres-Ultimo gelöscht werden würden. Einige Leser verstanden dies anders, weshalb wir uns zu folgender Vorgehensweise entschlossen haben: Da wir ohnehin beide Titel haben wollen, werden wir sie zur morgigen Eröffnung erwerben. Also Kauf von 400 Stück BayWa (vinkulierte Namensaktie; WKN: 519 406) und Kauf 600 Stück Grifols (WKN: A0B 6Z3), jeweils in Frankfurt, jeweils morgen zur Eröffnung und jeweils billigst. (zudem hatten wir letzte Woche bei BayWa die WKN einer falschen Aktiengattung angegeben, die 519 406 ist richtig).

Die anderen Limits werden etwas adjustiert:
Kauflimit für 40.000 Stück Indofood (WKN: 891 724) bei nun 0,25 EUR


Kauflimit für 250 Stück Fielmann (WKN: 577 220) bei 56,50 EUR
Kauflimit für nun 500 Stück Vale (WKN: A0R N7M) bei nun 18,50 EUR
Kauflimit für nun 400 Stück CTS Eventim (WKN: 547 030) bei nun 31,60 EUR

Chart
 
 
All diese Kauflimits würden natürlich nur in einem nochmaligen deutlichen Rücksetzer an den Börsen erreicht werden. Wir wollen uns mit diesen Abstauber-Limits sozusagen auf die Lauer legen. Sollte sich an unserem Markt-Szenario etwas ändern, würden wir natürlich auch an diesen Limits etwas ändern.

Fazit
Während feststeht, dass das närrische Treiben der Gesellschaft heute um Mitternacht beendet sein wird und bei einer Menge Menschen für einen großen Kater sorgen dürfte, glauben wir nicht, dass damit die Party an den Börsen beendet ist und auch hier Katerstimmung Einzug erhält. Einen kleinen, letzten "Absacker" schließen wir allerdings nicht aus und entsprechend sind wir positioniert. Nichtsdestotrotz denken wir, dass sich die Bären bald umkostümieren müssen.
Ralf Flierl, Fabian Grummes
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Über den Autor
 
Autor: Ralf Flierl Ralf Flierl,
Smart Investor

Ralf Flierl ist Chefredakteur der Anlegerpublikation "Smart Investor". Kritisch, unvoreingenommen, unabhängig, antizyklisch, sophisticated, non-Mainstream.... kurz: smart - das sind die Attribute des im Mai 2003 eingeführten "Smart Investor" . Weitere Informationen sowie die Möglichkeit, das Magazin kostenlos zu testen, finden Sie unter www.smartinvestor.de.

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