Smart
Investor Weekly 7/2010
Griechenland
und Gold - ein kleines Stück vom Glück
Während in Brüssel und andernorts
die Köpfe rauchen wie man den Griechen am besten aus der
Schuldenfalle helfen könnte, erklimmt das Krisenbarometer
Gold neue Höhen und markiert ein neues Allzeithoch in Euro.
Griechenland ist nach wie vor in aller Munde
Auch wenn die Bürokraten in Brüssel nun
den Griechen die Daumenschrauben anziehen wollen und ihnen einen
"harten" Sparkurs verordnen und sogar von der stellvertretenden
Fraktionsvorsitzenden der Grünen (sic!) Christine Scheel
laut über einen Rauswurf der Hellenen aus dem Euroraum nachgedacht
wird - machen wir uns nichts vor: Niemand wird den Griechen den
Stuhl vor die Tür des Euros setzten, auch wenn dies die langfristig
einzig richtige Handlung wäre. Stattdessen wird versucht
werden, das Problem wieder einmal, wie in den vergangenen 25 Jahren,
mit mehr Geld zu lösen. Dass diese Methode das Problem nur
jedes Mal vergrößert, ist den EU-Technokraten und der
politischen Klasse bisher nicht aufgefallen und es ist auch nicht
davon auszugehen, dass die Narreteien dieser Gruppe mit dem
Aschermittwoch
enden werden. Mehr Geld lässt sich aber nur durch noch mehr
Schulden kreieren, denn neben den Griechen sind fatalerweise auch
die meisten anderen Mitgliedsstaaten pleite. Große Reserven,
mit denen man ein Rettungspaket (oder wenigstens die Haushaltslöcher)
finanzieren könnte, sind nicht vorhanden. Die voranschreitende
Schuldenaufnahme führt wiederum nur dazu, dass die Geldmengen
noch weiter anwachsen werden. Die Geldmenge M3 der Eurozone hat
sich in den vergangenen zehn Jahren ja auch "nur" verdoppelt?da
ist bestimmt noch mehr drinnen.
Gold in EUR auf Allzeithoch
Je mehr die Geldmengen allerdings wachsen, desto
stärker verliert das Geld selbst seine Kaufkraft. Und wenn
die Bürger anfangen dieser Entwicklung gewahr zu werden,
werden sie anfangen, es dem antiken Helden Jason gleichzutun.
Dieser segelte angeblich zusammen mit weiteren Helden (den Argonauten)
nach Kolchis um das "goldenen Vlies" zu erbeuten. In der Neuzeit
werden die Anleger, diesmal zwar nicht getrieben von der Goldgier,
sondern der berechtigten Sorge um ihr Vermögen ebenfalls
die Segel Richtung Sachwerte setzen. Und genau dies ist ja das
Crack-up-Boom Szenario (CuB) des Smart Investors (vgl. Heft 4/2009
bzw.
www.smartinvestor.de/cub/). Kein Wunder, dass sich angesichts
der jüngsten Entwicklung der Goldpreis in Euro auf Jahresallzeithoch
befindet. Zwar geht Smart Investor nun nicht davon aus, dass der
Goldpreis in US-Dollar trotz der jüngsten Erholung alsbald
durch die Decke schießt und sich ebenfalls zu neuen Hochs
aufmacht - wir erwarten nach wie vor eher eine Konsolidierung,
zumindest in der ersten Jahreshälfte (vgl. Heft 1/2010).
Sich sein eigenes kleines "goldenes Vlies" anzulegen bzw. die
Investition in ein solches weiter auszubauen, ist so oder so eine
vernünftige Idee. Denn während die Kaufkraft des Papiers
immer geringer werden wird, dürfte sich die Kaufkraft des
Goldes als so langlebig und dauerhaft präsentieren wie in
den vergangenen 5.000 Jahren. Die griechische Zentralbank übrigens
hält 90% ihrer Währungsreserven in Gold - leider handelt
es sich dabei, absolut betrachtet, nur um etwas mehr als 100 Tonnen.
Und auch wenn dieser Tage allerlei merkwürdig gewandete Menschen
durch die Strassen ziehen, einer neuer Jason, der das Gold Athens
aufstockt, dürfte nicht darunter sein?
Zu den Märkten
Hat eine neue Baisse begonnen oder ist der Bullenmarkt
noch intakt? Diese Frage stellen sich derzeit viele Analysten,
insbesondere aus dem Lager der Technischen Analysten. Die Anhänger
der Elliott Wellen Theorie (bekanntester Vertreter: Robert Prechter)
beispielsweise sehen die Aufwärtsbewegungen der Börsenindizes
der letzten 10 Monate als bloße Bärenmarkt-Rally. Das
bedeutet: aus deren Sicht geht es in großen Schüben
schon bald wieder abwärts, und zwar auf tiefere Tiefs als
wir sie im März letzten Jahres gesehen haben.
Ich erwähne dies erstens deshalb, weil immer wieder die
Thesen dieses Herrn Prechter an uns weitergeleitet werden, mit
der Bitte um Stellungnahme. Zweitens aus aktuellem Anlass auch
deshalb, weil einer unserer Interviewpartner für die kommende
Ausgabe, der bekannte technische Analyst Ralph Acampora, ein Statement
zu Herrn Prechter abgab. Und wir von Smart Investor können
Herrn Acampora nur aufs allerdeutlichste zustimmen: Prechter wird
sich irren! Dies IST ein Bullenmarkt, und dieser Bullenmarkt WIRD
noch einige Jahre andauern und noch sehr viel Kursgewinne bringen.
Dies ist unsere Prognose und daran wollen wir uns auch messen
lassen. Acampora ist auch Bulle, nur nicht ganz so bullish wie
wir (mehr dazu im nächsten Heft).
Wie im letzten Heft (2/2010) im "Großen Bild" angedeutet,
erwarten wir aufgrund zyklischer Überlegungen das Tief der
augenblicklichen Korrektur Ende Februar oder Anfang März,
also innerhalb der nächsten vier Wochen. Für unsere
Transaktionen im Musterdepot bedeutet dies folgendes:
Musterdepot
Entsprechend unserer Einschätzung belassen wir
das Verkaufslimit für das DAX-Short-Zertifikat (2.000 Stück)
mit der Kennummer CG021U bei 9,60 EUR (entspricht etwa einem DAX
von rund 5.350 Punkten). Unser Short-Zertifikat auf den Euro (TB7N6H)
wurde am vergangenen Mittwoch (um 9.00 Uhr) glattgestellt. Nachdem
nun die Börsen-Meute aufgrund des griechischen Spektakels
auch erkannt hat, dass der Euro nicht der Hort der Glückseligkeit
ist, dachten wir uns: Gewinne erst mal mitnehmen, kann nichts
schaden.
Mit unseren Aktien-Kauflimits sorgten wir letzte Woche für
einige Verwirrung. Insbesondere bei BayWa und Grifols war dies
der Fall. Grund: für beide Titel hatten wir bereits im letzten
Jahr Kauflimits gesetzt, die aber beide nicht aufgingen Wir hatten
die Limits "bis auf Widerruf" gesetzt, gingen aber davon aus,
dass diese über den Jahres-Ultimo gelöscht werden würden.
Einige Leser verstanden dies anders, weshalb wir uns zu folgender
Vorgehensweise entschlossen haben: Da wir ohnehin beide Titel
haben wollen, werden wir sie zur morgigen Eröffnung erwerben.
Also Kauf von 400 Stück BayWa (vinkulierte Namensaktie; WKN:
519 406) und Kauf 600 Stück Grifols (WKN: A0B 6Z3), jeweils
in Frankfurt, jeweils morgen zur Eröffnung und jeweils billigst.
(zudem hatten wir letzte Woche bei BayWa die WKN einer falschen
Aktiengattung angegeben, die 519 406 ist richtig).
Die anderen Limits werden etwas adjustiert:
Kauflimit für 40.000 Stück Indofood (WKN: 891 724)
bei nun 0,25 EUR

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Ralf Flierl, Smart Investor |
Ralf Flierl ist Chefredakteur der Anlegerpublikation "Smart Investor".
Kritisch, unvoreingenommen, unabhängig, antizyklisch, sophisticated,
non-Mainstream.... kurz: smart - das sind die Attribute des im Mai 2003
eingeführten "Smart Investor" . Weitere Informationen sowie die Möglichkeit,
das Magazin kostenlos zu testen, finden Sie unter www.smartinvestor.de.
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