Die richtige Einschätzung kommender Inflationsraten ist wichtig für richtige Anlageentscheidungen. Dabei muss sich der Anleger entscheiden zwischen zwei Szenarien: Einmal mit "normaler" Inflation von z.B. bis zu 4 % p.a. und einmal mit hoher Inflation von z.B. 10 % p.a.
Beeinflusst wird der ein oder andere Anleger bei seiner Einschätzung von gewissen Weltuntergangspredigern, die Hyperinflation und Staatsbankrott prognostizieren. Ihre Analyse ist dabei im Ansatz richtig: Um dem drohenden Kollaps des Finanzsystems (besonders in 2008) entgegen zu wirken und um den Wirtschaftsabschwung umzukehren, verminderten Zentralbanken weltweit die Zinsen (den Preis für geliehenes Geld) und erhöhten damit das Wachstum der von ihnen gesteuerten Geldmenge M1.
Hintergrund-Wissen: Die Menge des Geldes ist mit entscheidend für die Höhe der Preise und damit für die Höhe der Inflation. Vereinfacht gesagt, führt eine Erhöhung der Menge des Geldes zu einer gleich großen Inflationsrate: Es verteilt sich einfach mehr Geld auf eine gleich bleibende Menge an Gütern. Das Verhältnis "Geldmenge zu Güter" bzw. das "Geld je Gut", also der Preis, steigt. Ebenfalls auf die Inflationsrate wirkt die Konjunktur in Form der Umlaufgeschwindigkeit des Geldes. Umlaufgeschwindigkeit drückt aus, wie schnell das Geld die Hände wechselt. In einem Aufschwung sind Menschen zuversichtlich, haben höhere Einkommen, geben schneller Geld aus, wodurch Unternehmen schneller Umsatz machen, so dass sie wieder höhere Einkommen zahlen können. Die Beteiligten verfügen in einem solchen Umfeld über mehr Geld. In einem Abschwung ist es umgekehrt. Die Zentralbanken haben nur sehr begrenzten Einfluss auf die Entwicklung dieses Teils der Geldmenge (M3).
Das Schaubild zeigt genau dieses Szenario. Die Europäische Zentralbank hat die Geldmenge M1 wachsen lassen. Aufgrund des Wirtschaftsabschwungs ist jedoch die Gesamtgeldmenge M3 zurück gegangen. (M1 ist Teil von M3)

Quelle: Europäische Zentralbank sdw.ecb.europa.eu
Es besteht die Möglichkeit, dass M3 in einem Aufschwung besonders stark steigen wird, weil es in M1 nun eine vergrößerte Basis hat. Die europäische Zentralbank hat die Möglichkeit, rechtzeitig im Aufschwung das Wachstum von M1 zu vermindern. Wird sie das tun?!

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Curtis Schneekloth, PortfolioStrategie |
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