Die Commerzbank hat heute einen "überraschend hohen Verlust" vermeldet.
Viele Analysten hatten die Prognosen von CEO Blessing für viel zu
optimistisch
gehalten - vielleicht war da ein wenig Zweckoptimismus dabei. Ich
habe im Mai
vergangenen Jahres die Commerzbank gegen die Deutsche Bank antreten
lassen.
Das Ergebnis meiner damaligen Analyse, die Deutsche Bank zu kaufen und
die
Commerzbank zu meiden, hat Ihnen bei der Deutschen Bank bislang 20%
Plus beschert,
während die Hausse des vergangenen Jahres an der Commerzbank unterm'
Strich spurlos
vorbei ging.
Die Detailanalyse von damals ist heute noch aktuell, so dass ich die
damals nur für
die zahlenden Abonnenten meines Börsenbriefes Heibel-Ticker PLUS
ausgearbeitete
Analyse nun hier der Allgemeinheit zur Verfügung stelle. Ich wünsche
eine anregende
Lektüre.
Weitere Analysen können Sie gerne in meinem kostenfreien Börsenbrief
unter
http://heibel-ticker.de
nachlesen. Ich freue mich auf Sie.
Take share,
Stephan Heibel
Chefredaktion
Heibel-Ticker
Auszug vom Heibel-Ticker PLUS 09/20 vom 21.05.2009
04. DETAILANALYSE: DEUTSCHE BANK GEGEN COMMERZBANK
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Mein Wunsch, die beiden großen DAX-Banken analysiert zu
bekommen, haben die von mir angesprochenen professionellen
Analysten erst einmal abgeschmettert: Viel zu kompliziert, viel
zu aufwendig. Mit dem Preis, den ich bislang für die Analysen
zahlte, kommen wir da nicht hin.
Nun ist der Bankensektor aber der Kern der Krise und mein
Interesse an einer Analyse ist unglaublich groß und somit
auch meine Zahlungsbereitschaft. Ich erläutere Ihnen dies hier
einmal, damit sie wissen, dass ich nicht die eierlegende
Wollmilchsau bin: Ich kann nicht alles wissen und insbesondere
wenn es um Detailkenntnisse zu einzelnen Unternehmen geht,
brauche ich manchmal Hilfe.
Damit der Heibel-Ticker sich weiterhin von dem allgemeinen
Gewäsch der Tagespresse abhebt, gebe ich seit einiger Zeit
spezielle Studien und Analysen in Auftrag. Ich hoffe, Sie
schätzen das bisschen mehr" an Fakten.
Sie kennen meine Abneigung für Unternehmen, an denen der Staat
beteiligt ist. Im Fall der Commerzbank ist es jedoch
interessant zu beurteilen, in wie weit die Staatsbeteiligung
dem Unternehmen einen Wettbewerbsvorteil durch günstige
Finanzierungsmöglichkeiten gibt. Auf diesen Punkt bin ich von
vielen Kunden angesprochen worden.
Grundsätzlich könnte die Sicherheit, die eine staatliche
Beteiligung an der Commerzbank ausstrahlt, den Vorteil am
Markt, den die Deutsche Bank durch ihr geschicktes taktieren
hat, aufwiegen. Doch wenn wir uns die Details der beiden
Unternehmen anschauen, neigt sich die Waagschale deutlich zu
Gunsten der Deutschen Bank.
Ich habe die Fakten mit meinen Erklärungen und Interpretationen
angereichert und meine Schlussfolgerungen daraus dargelegt.
DETAILANALYSE DEUTSCHE BANK - COMMERZBANK
Das Jahr 2008 war grottenschlecht für die Finanzbranche, Broker
und Banken fielen um wie die Fliegen. Ausgehend von einer
Stabilisierung an den Finanzmärkten im Jahr 2009 erwarten die
Experten folgende Entwicklungen:
Der operative Gewinn dürfte bei der Deutschen Bank um 71,5%
gegenüber dem Vorjahr anwachsen, bei der Commerzbank lediglich
um 41,2%. Ursächlich dafür ist unter anderem auch der hohe
Verwaltungsaufwand der Commerzbank, der insbesondere durch die
Übernahme der Dresdner Bank (Rechtsberatung,
Unternehmensberater und Verhandlungskosten) sowie durch die
Kapitalerhöhungskosten für den Einstieg der SoFFin verursacht
wurde. Der Verwaltungsaufwand der Commerzbank könnte dadurch um
68,2% ansteigen, bei der Deutschen Bank wird nur ein Anstieg um
5,3% erwartet.
Auf der Ertragsseite verteilen sich die Gewinne der Deutschen
Bank wesentlich gleichmäßiger auf die drei Bereiche
Zinsergebnis (48%), Provisionsergebnis (39%) und
Handelsergebnis (13%). Die Commerzbank wird voraussichtlich den
Großteil ihres Gewinns im Bereich der Zinserträge
erwirtschaften (67%), auch das Provisionsergebnis ist dann noch
ordentlich (36%, bei Handel wird jedoch ein Verlust erwartet (-
2%). Als konservativer Anleger ist das diversifizierte Ergebnis
der Deutschen Bank klar vorzuziehen. Wer auf eine weitere
Verbesserung der Zinskurve zugunsten der Banken (kurze Zinsen
sinken, lange steigen) spekulieren will, der kann sich an die
Commerzbank halten.
Im Jahr 2009 wird für die Deutsche Bank eine
Eigenkapitalrendite von 12 % erwartet. Bei der Commerzbank wird
aufgrund des zu erwartenden Verlustes Eigenkapital um -14%
verbrannt.
Das Bewertungsniveau beider Banken ist erstaunlich ähnlich,
wenn man den Buchwert betrachtet. Das Kurs/Buch-Verhältnis bei
der Deutschen Bank beträgt 65%, bei der Commerzbank 62%. Die
für die Notenbanken maßgebliche Tier One Ratio
(Kernkapitalquote) der Deutschen Bank beträgt 10,3%, die der
Commerzbank liegt nach der SoFFin Einlage bei 9,1%.
Als Banker läuft man stets mit einer Frage durch die Welt: Wo
liegt das Risiko? Wo liegt das Risiko? Diese Frage tickt im
Hinterkopf des Kreditberaters während er seinen Fragenkatalog
abarbeitet. So ist es nur fair, wenn wir uns als Anleger auch
einmal das Risiko der Banken anschauen. Aus der Bilanz sind
insgesamt Problemkredite im Volumen von 5,5 Mrd. Euro (Deutsche
Bank) bzw. 16,9 Mrd. Euro (Commerzbank) zu erkennen. Diese
Problemfälle sind zu knapp 45% mit Rückstellungen als
Risikovorsorge berücksichtigt.
Während die Deutsche Bank kurz vor Beginn der Finanzkrise noch
einen guten Teil ihrer Risikopapiere unter ihren Kunden
verteilte, ist die Commerzbank doppelt getroffen: Nicht nur die
toxischen Papiere der Dresdner Bank mussten mit übernommen
werden, darüber hinaus sind zwei ihrer Großkunden in unruhige
Fahrwasser abgerutscht: Schäffler und Arcandor.
COBK-PROBLEM SCHÄFFLER
Nicht nur bei der Porsche-VW-Übernahme hat sich das Blatt im
wahrsten Sinne des Wortes gewendet: Nun soll VW Porsche
übernehmen. Auch bei der Schäffler-Continental-Übernahme gibt
es seit heute Berichte, die von einer Übernahme von Schäffler
durch Conti sprechen.
Vor dem Hintergrund dieser Entwicklungen sehen die ehemaligen
Übernahmegenies" plötzlich ganz anders aus: Es wird
offensichtlich, dass sie nichts weiter als Glücksritter waren,
denen das Glück nun jedoch nicht lange genug hold war. Doch das
ist hier nicht das Thema.
Die Commerzbank hat Kredite im Volumen von 6 Mrd. Euro an
Schäffler gegeben. Doch seit die Conti-Übernahme als
gescheitert gilt, erhält Schäffler keine Kreditverlängerungen
mehr und eine Neubewertung des Unternehmens ist notwendig. Der
eben noch finanzkräftige Aufkäufer wird so umgehend
insolvenzgefährdet und die bessere Cashflow-Situation von Conti
versetzt nun das Unternehmen in die Lage, gegebenenfalls
Schäffler aufzukaufen.
Für die Commerzbank wäre das ein Segen, denn dadurch würde der
6 Mrd. Euro Kredit an Schäffler abgelöst werden. Ein
Problemkredit wäre damit beseitigt.
Bleibt es bei der gegenwärtigen Konstellation, wird Schäffler
aufgrund der angespannten Liquiditätslage weiter in Bedrängnis
geraten und früher oder später wird die Commerzbank Teile des 6
Mrd. Euro Kredits abschreiben müssen.
Das wäre ein Schlag für das Unternehmen und würde die
Diskussion um weitere Hilfen durch die SoFFin ins Leben rufen.
Ein solches Szenario kann ich mir nicht vor den nächsten
Bundestagswahlen vorstellen, denn politisch würde das die
Rettungsaktion genau dort positionieren, wo sie von Kritikern
gerne gesehen wird: ein Fass ohne Boden.
COBK-PROBLEM ARCANDOR
Karstadt / Quelle, oder Arcandor wie das inzwischen kleine
Unternehmen heute heißt, braucht im weiteren Jahresverlauf
Verlängerungen von Kreditzusagen in Höhe von 900 Mio. Euro.
Einem Unternehmen, das jedoch seit Jahren rückläufige Umsätze
hat, Verluste schreibt und ebenfalls in Richtung Insolvenz
schliddert, gibt man nur ungern neue Kredite.
Aus eigener Kraft wird es Arcandor kaum mehr schaffen: Das
Unternehmen hat bereits den Staat um Hilfe gebeten. Durch
Staatsbürgschaften sollen die wichtigsten Kreditgeber aus dem
Risiko genommen werden. Es handelt sich dabei um die
Commerzbank, die Bayern LB und die Royal Bank of Scotland
(RBS).
Die RBS hat sich inzwischen gegen die Staatsbürgschaften
ausgesprochen, da sie dadurch befürchten muss, an Einfluss und
Sicherheiten zu verlieren. Sollte Arcandor nach einer
Staatsbürgschaft über den derzeit in Frage stehenden
Kreditbetrag dennoch in die Insolvenz gehen, würde der Staat
als Bürgschaftsgeber noch vor der RBS Sicherheiten verwerten
können, um die restlichen ausstehenden Kredite zu tilgen.
Diesen Verlust an Einfluss will die RBS nicht zulassen und
beschwert sich daher lautstark über eine mögliche
Staatsbürgschaft als Wettbewerbsverzerrung. Der Metro kommt
dies Geplärr gerade Recht, versetzt es sie in die Lage, den
Wettbewerber Arcandor gegebenenfalls günstig aufkaufen zu
können. Somit ist Arcandor nun gezwungen mit der Metro AG über
ein eventuelles Zusammengehen zu verhandeln.
Für die Commerzbank ist diese Situation höchst ungewiss denn im
Falle einer Insolvenz sind ausstehende Kredite zu einem Teil
abzuschreiben. Allerdings hält sich der Betrag von 900 Mio.
Euro, der sich noch auf die obigen Kreditgeber verteilt, in
Grenzen.
COBK PROBLEM DRESDNER BANK
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Stephan Heibel, Heibel-Ticker |
Stephan Heibel schrieb 1998 erstmals seinen Börsenbrief und ist heute Herausgeber und Chefredakteur des Heibel-Ticker Börsenbriefes. Als Diplom Volkswirt legt er besonderen Wert auf das Verständnis für die Finanzmärkte. Empfehlungen werden aus der Erklärung der aktuellen Entwicklungen abgeleitet. die kostenfreie Version können Sie hier beziehen: www.heibel-ticker.de
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