Smart
Investor Weekly 8/2010
Warum wir
den Griechen - dankbar sein sollten
Ein wenig
erinnert die Informationsgebung zur
Schuldenkrise in Griechenland und anderswo an Marktschreier auf
dem Hamburger Fischmarkt?
Staatsdefizit: mind. 12%
Nicht drei, nicht fünf, nicht zehn Prozent gibt
es heute. Nein: Satte 12 % Defizitquote. Und hier: ich lege noch
eine gepflegte Statistikfälschung bei. Und eine verspätete
und unvollständige Meldung der Zahlen. Und weil Du es bist:
Garantiert keine Einsicht in der breiten Bevölkerung, dass
sich etwas ändern muss?.
Danke Griechenland!
Über Wirkung oder Nicht-Wirkung von Konjunkturprogrammen
lässt es sich ebenso ausgiebig wie hingebungsvoll, meistens
wahrscheinlich ergebnislos diskutieren. Kein Zweifel aber: Das
beste Konjunkturprogramm aller Zeiten für die Bundesrepublik
wird derzeit in vielen Metropolen Europas gemacht. Kein nobelbepreister
Mastermind hätte es sich besser ausdenken können: Die
Schulden-Fürsten aus Athen, Rom, Dublin oder Madrid schwächen
das Vertrauen in den Euro nach Kräften - und der aktuelle
Export-Vizeweltmeister Deutschland profitiert davon, weil Waren
und Dienstleistungen made in Germany auf dem Weltmarkt billiger
angeboten werden können. Die Kritiker des Euro hatten ein
Szenario, wie es jetzt eingetreten ist, schon bei Gründung
der Währungsgemeinschaft vorhergesagt und die Aufgabe der
D-Mark kritisiert - nicht absehend, dass der Trick ja gerade so
herum funktioniert! Die immensen Vorteile der hiesigen Exportwirtschaft
sollten uns nun doch wirklich ein paar läppische Milliarden
Stütze wert sein, damit sich die Griechen am Staatsbankrott
vorbeihangeln und die Athener Zahnärzte, die Berichten zufolge
seit Jahrzehnten in der Mehrheit so gut wie keine Einkünfte
versteuern, weiterhin ihre schwäbischen Sportwagen an der
Ägäis lüften können. Dass das hässliche
Wort vom Staatsbankrott nun auch im Mainstream ventiliert wird
macht die Sache nur nachhaltiger. Je öfter das Wort fällt,
um so weniger sind Investoren bereit, in den Euro zu investieren.
Churchill wusste es schon immer
Es gibt ein chinesisches Sprichwort, demzufolge der
gespannte Bogen mehr Abschreckungspotenzial besitzt als der surrende
Pfeil. Das gilt bei Steuer-CDs wie der Bonitätsbewertung
von Staaten. Also, bitte: Bloß keine schnelle Sanierung
der Staatsfinanzen in Athen oder anderswo. Nachher legt der Euro
bloß wieder einen Höhenflug hin. Und die Kalamitäten,
in denen sich der US-amerikanische Haushalt befindet, werden ohnehin
früh genug wieder ins Rampenlicht zurückkehren. Ganz
abgesehen davon, dass Churchills Bonmot nach wie vor gilt, dass
keiner Statistik, die man nicht selbst gefälscht hat, zu
trauen wäre: Diese gigantischen Defizite allerorten sollen
den Heerscharen von Eurokraten in Brüssel so lange verborgen
geblieben seien? Da lachen ja die Eulen, die gerade nach Athen
getragen werden. Aber Zynik beiseite: Der Smartinvestor ist für
Aktien, insbesondere aus den aufgezeigten Gründen für
jene aus Deutschland, mittelfristig weiterhin bullish eingestellt.
Der schwächere Euro hilft den Exportwerten, und auch die
schnelle Metalltarif-Einigung ist positiv zu sehen?
Musterdepot
BayWa und Grifols wurden letzte Woche erworben. Alle
Kauflimits bleiben weiter bestehen. Wir planen all unsere Liquiden
Mittel in den kommenden Wochen zu investieren. Außerdem
setzen wir noch ein weiteres Kauflimit für den japanischen
Spielkonsolenhersteller Nintendo (WKN: 864 009) in den Markt.
Und zwar wollen wir ab dem morgigen Mittwoch 50 Stück zu
186 EUR erwerben. Damit wollen wir uns sowohl regional als auch
in der Branche weiter diversifizieren. Im neu erscheinenden Heft
finden sie unter der Rubrik Nachrichten aus den Unternehmen einen
Kommentar zu Nintendo.

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Ralf Flierl, Smart Investor |
Ralf Flierl ist Chefredakteur der Anlegerpublikation "Smart Investor".
Kritisch, unvoreingenommen, unabhängig, antizyklisch, sophisticated,
non-Mainstream.... kurz: smart - das sind die Attribute des im Mai 2003
eingeführten "Smart Investor" . Weitere Informationen sowie die Möglichkeit,
das Magazin kostenlos zu testen, finden Sie unter www.smartinvestor.de.
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