Smart
Investor Weekly 10/2010
Ein Fonds
- das Allheilmittel
Es
scheint als hat die politische Klasse
für sich den Stein des Weisen gefunden, mit dem sich alle
Sorgen und Nöte um die Finanzierung von was auch immer lösen
lassen. Worum es auch geht, früher oder später taucht
ein kleiner Bürokrat (wahlweise auch gerne ein Technokrat)
auf und erklärt, dass er die Lösung für alle Probleme
in diesem Bereich gefunden hat: einen Fonds!
Ein Fonds muss her
So wie der Gesundheitsfonds alle Probleme unseres Gesundheitswesens
"gelöst" hat (wir erinnern uns: Anfang 2009 eingeführt
und nach nur einem Jahr konnten die Krankenkassen bereits ihre
Beitragsforderungen drastisch senken und ganz nebenbei noch ihre
Verbindlichkeiten abbauen, der atemberaubende Abbau der Bürokratie
sei nur am Rande erwähnt), so löste der Banken-Rettungsfonds
Soffin die Probleme der Finanzbranche. Auch und gerade dank diesem
Fonds sind alle Finanzinstitute der Republik bestens und solide
finanziert. Die Bilanzen der Bankhäuser sind nun porentief
rein und ihre Keller von sämtlichen Leichen gesäubert.
Und weil unsere Banken jetzt ja wieder auf einem soliden Fundament
stehen, sorgen sie dafür, dass die Wirtschaft wieder floriert.
Bei soviel Erfolgen verwundert es natürlich niemanden, dass
nun Bundesfinanzminister Schäuble mit der Idee eines europäischen
Währungsfonds um die Ecke kommt.
Nicht verzagen, Fonds bezahlen
Schalten wir den Ironiemodus einmal kurz aus und
fragen uns angesichts all der "Erfolge", die mit den diversen
Fonds erzielt wurden: Warum kommt immer wieder jemand auf diese
Idee? Sind diese Leute alle bescheuert oder verblendet? Sieht
man einmal davon ab, dass die Anzahl derjenigen, die sich im Kantschen
Sinne ihres Verstandes bedienen können - insbesondere in
der politischen Klasse - eher gering sein dürfte, liegt die
Antwort woanders.
Ein Fonds ist ein wunderbares technisches Mittel und eben
nur ein technisches Mittel - niemand muss den Kopf hinhalten und
etwas rechtfertigen, der Fonds läuft von alleine. Sollten
ihm die Geldmittel ausgehen, wird er eben mittels Steuergeldern
wieder aufgefüllt - im Idealfall kann der Fonds selbst Schulden
aufnehmen, normalerweise würden die Mitglieder dies für
ihn übernehmen. Und der allerwichtigste Aspekt: mit einem
solchen Vehikel lassen sich Zahlungsströme ganz herrlich
intransparent gestalten. Ist ein solcher Fonds einmal eingerichtet,
wird sich jedes Parlament dieser Welt schwer tun, zu kontrollieren
an wenn wann wieviel Geld weshalb geflossen ist. Es sollte daher
auch nicht überraschen, dass die Gründung eines Fonds
auch immer wieder als probate Lösung angesehen wird. Tatsächlich
dürften solche Fonds immer häufiger und in immer kürzerer
Zeit aufgestellt werden, je näher die Finanz- und Wirtschaftskrise
dem endgültigen Kollaps entgegen geht. Ein kleines bisschen
Zeit lässt sich damit immer irgendwie schinden. In unserem
Crack-up-Boom Szenario (CuB) sind solche Fondsgründungen
entsprechend auch nur weitere Mosaiksteinchen mit dem Ziel die
Finanzmärkte/Banken/Staaten mit dem überlebensnotwendigen
Treibstoff zu versorgen: Liquidität! Insofern gibt es an
unserer generellen Einschätzung zu den Börsen für
die kommenden Jahre nichts zu ändern.
Märkte
Entsprechend sieht die Entwicklung im DAX aus. Aus
unserer Perspektive deutet alles daraufhin, dass die Korrektur
vorbei ist. Insbesondere die nun vollständig ausgebildete
Schulter-Kopf-Schulter Formation (SKS) lässt diesen Schluss
zu (vgl. Abb. 1). Wir hatten ja bereits seit längerem
daraufhingewiesen,
dass wir das Ende der seit Mitte Oktober laufenden Korrektur für
Ende Februar/Anfang März erwarten. Dies zeichnet sich nun
immer deutlicher ab. Wir müssen natürlich auch dazu
sagen, dass wir mit einer wesentlich stärkeren Korrektur
gerechnet hatten. Hätten wir gewusst, dass die Korrektur
mehr einem Seitwärtslaufen ähneln würde, hätten
wir die Shortposition auf den DAX vermutlich nicht erworben. Aber
gut, die Börse ist keine Einbahnstrasse und an Vergangenem
festhalten bringt wenig. Da unser Musterdepot außerdem auf
Allzeithoch notiert (ganz im Gegensatz zum DAX), können wir
mit solch kleinen Fehlern sehr gut leben. Auch wenn es durch aus
im Bereich des Möglichen liegt, dass wir noch einen Pullback
auf die Nackenlinie der SKS bei ca. 5700 Punkten sehen, schalten
wir in den Hausse-Modus um und investieren weiter, nachdem wir
ja bereits letzte Woche tätig geworden sind.

Musterdepot
Die logische Konsequenz aus unserer Analyse ist natürlich
als erstes, dass wir zur Eröffnung am morgigen Mittwoch unser
Short-Zertifikat (WKN: CG021U) auf den DAX glattstellen. Hier
sind natürlich einige Verluste (ca. 30% des Positionswerts)
entstanden, aber wir hatten das Zertifikat ja nicht zur Spekulation,
sondern zur Absicherung des Depots gekauft. Bereits letzte Woche
haben wir 500 Stück des brasilianischen Rohstoffkonzerns
Vale (WKN: A0RN7M) bzw. 50 Stück von Nintendo (WKN: 864009)
erworben. Bei Fielmann (WKN: 577220) ging unser Kauflimit bisher
leider nicht auf. Da wir die Aktie aber nach wie vor für
ungemein attraktiv halten, erhöhen wir hier das Kauflimit
auf 59, 60 EUR. Die Limits für Indofood (WKN: 891724) und
CTS Eventim (WKN: 547030) behalten wir bei.
Daneben werden wir einen Optionsschein von HSBC Trinkaus auf
Amazon erwerben. (WKN: TB7W0U). Wir hatten Amazon bereits mehrfach
in unserem Heft besprochen (zuletzt in der Ausgabe 7/2009) und
immer wieder darauf hingewiesen, dass Unternehmen mit Geschäftsmodellen
wie Amazon ganz besonders von CuB profitieren dürften. Wir
kaufen zum morgigen Mittwoch 3.000 Stück. Als Bezugswährung
liegt dem Schein der US-Dollar zugrunde, abgerechnet wird aber
natürlich in Euro. Bei einem weiter schwachen Euro würde
der Schein also auch hiervon profitieren. Der Hebel liegt bei
ungefähr 5 und das Bezugsverhältnis bei 1:10. Bei 3.000
erworbenen Stück haben wir also eine Option auf 300 Aktien.
Der Schein hat einen Basispreis von 160 USD. Da Amazon derzeit
bei rund 130 USD notiert (vgl. Abb. 2) ist der Schein derzeit
natürlich weit aus dem Geld. Allerdings wählen wir die
Laufzeit entsprechend lang (bis 11.01.2013). Wir gehen davon aus,
dass sich in den kommenden 12 bis 24 Monaten der Großteil
des CuB abspielen dürfte und so sollten mit diesem Schein
hohe Gewinne kreiert werden können. Vorsicht! Es handelt
sich hierbei um eine Spekulation mit einem (gehebelten) Finanzderivat.
Bei einer solchen Spekulation droht als Gegengewicht für
die möglichen Gewinne immer auch das Risiko des Totalverlusts.
Wer mit einem solchen Risiko nicht umgehen kann, der sollte besser
die Finger davon lassen oder aber einfach direkt die Amazon Aktie
(WKN: 906866) selbst erwerben.
Damit haben wir unsere Liquidität noch
nicht aufgebraucht. Wir werden in den kommenden Wochen weiter
investieren und die Quote letztlich auf 100% hochfahren. Via Weekly
werden wir Sie auf dem Laufenden halten. Außerdem werden
Sie natürlich ausführlich in unserem Heft informiert.
Musterdepot Fonds
Im vergangenen Jahr nutzten wir die sommerlich Ruhe
an den Märkten, um Kasse bei einigen Fonds-Positionen zu
machen. Gleichzeitig kauften wir mit dem ETF auf den Short-DAX
(WKN: DBX1DS) eine kleine Absicherung und traten damit gezielt
auf die Bremse. Im Nachhinein betrachtet müssen wir konstatieren:
Wären wir nur mal nicht so vorsichtig gewesen. Nun, nachdem
die Konsolidierung des Gesamtmarktes ihrem Ende entgegen gehen
dürfte, verkaufen wir den ETF auf den Short-DAX (150 Stück)
mit einem dennoch verschmerzbaren Verlust von knapp 7% seit Kauf
(Ende September 2009) und wagen uns bei zwei Fonds wieder auf
die Käuferseite. Zweierlei Themen stehen dabei auf der Agenda:
Technologie und Emerging Markets. Letztere decken wir über
den Global Advantage Emerging Markets Fund (WKN: 972996, 7 Anteile)
ab, der derzeit schwerpunktmäßig u.a. in der Türkei,
Thailand, Russland, Ungarn und Ägypten investiert ist. Fondsmanager
Michael Keppler ist ein Verfechter der Aktienselektion nach
Value-Kriterien,
entsprechend wenig kümmern ihn kurzfristige Marktschwankungen
und -bedingungen. Kleiner Hinweis: Der Keppler-Fonds ist so etwas
wie die Berkshire Hathaway unter den Fonds, zumindest bezogen
auf den Preis, denn ein Anteil schlägt mit knapp 1.600 EUR
zu Buche. Vielleicht sind manche Emerging Markets derzeit sogar
etwas überhitzt, sowohl volkswirtschaftlich als auch von
Seiten der Börse, aber der Newsflow ist immer noch besser
als jener aus den etablierten Volkswirtschaften, wo die Nachrichten
von Themenkomplexen wie Überschuldung und Staatsbankrotten
dominiert werden. Derlei haben die Emerging Markets hinter sich
gelassen, Emergency war hier gestern - und genau das goutiert
der Markt zusehends. Das Fondskonzept hat zuletzt bewiesen, auch
in schwierigeren Börsenphasen positive Renditen produzieren
zu können.
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Ralf Flierl, Smart Investor |
Ralf Flierl ist Chefredakteur der Anlegerpublikation "Smart Investor".
Kritisch, unvoreingenommen, unabhängig, antizyklisch, sophisticated,
non-Mainstream.... kurz: smart - das sind die Attribute des im Mai 2003
eingeführten "Smart Investor" . Weitere Informationen sowie die Möglichkeit,
das Magazin kostenlos zu testen, finden Sie unter www.smartinvestor.de.
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