Ein Fonds - das Allheilmittel



10:21 10.03.10

Smart Investor Weekly 10/2010
Ein Fonds - das Allheilmittel

Es scheint als hat die politische Klasse für sich den Stein des Weisen gefunden, mit dem sich alle Sorgen und Nöte um die Finanzierung von was auch immer lösen lassen. Worum es auch geht, früher oder später taucht ein kleiner Bürokrat (wahlweise auch gerne ein Technokrat) auf und erklärt, dass er die Lösung für alle Probleme in diesem Bereich gefunden hat: einen Fonds!

Ein Fonds muss her
So wie der Gesundheitsfonds alle Probleme unseres Gesundheitswesens "gelöst" hat (wir erinnern uns: Anfang 2009 eingeführt und nach nur einem Jahr konnten die Krankenkassen bereits ihre Beitragsforderungen drastisch senken und ganz nebenbei noch ihre Verbindlichkeiten abbauen, der atemberaubende Abbau der Bürokratie sei nur am Rande erwähnt), so löste der Banken-Rettungsfonds Soffin die Probleme der Finanzbranche. Auch und gerade dank diesem Fonds sind alle Finanzinstitute der Republik bestens und solide finanziert. Die Bilanzen der Bankhäuser sind nun porentief rein und ihre Keller von sämtlichen Leichen gesäubert. Und weil unsere Banken jetzt ja wieder auf einem soliden Fundament stehen, sorgen sie dafür, dass die Wirtschaft wieder floriert. Bei soviel Erfolgen verwundert es natürlich niemanden, dass nun Bundesfinanzminister Schäuble mit der Idee eines europäischen Währungsfonds um die Ecke kommt.

Nicht verzagen, Fonds bezahlen
Schalten wir den Ironiemodus einmal kurz aus und fragen uns angesichts all der "Erfolge", die mit den diversen Fonds erzielt wurden: Warum kommt immer wieder jemand auf diese Idee? Sind diese Leute alle bescheuert oder verblendet? Sieht man einmal davon ab, dass die Anzahl derjenigen, die sich im Kantschen Sinne ihres Verstandes bedienen können - insbesondere in der politischen Klasse - eher gering sein dürfte, liegt die Antwort woanders.

Ein Fonds ist ein wunderbares technisches Mittel und eben nur ein technisches Mittel - niemand muss den Kopf hinhalten und etwas rechtfertigen, der Fonds läuft von alleine. Sollten ihm die Geldmittel ausgehen, wird er eben mittels Steuergeldern wieder aufgefüllt - im Idealfall kann der Fonds selbst Schulden aufnehmen, normalerweise würden die Mitglieder dies für ihn übernehmen. Und der allerwichtigste Aspekt: mit einem solchen Vehikel lassen sich Zahlungsströme ganz herrlich intransparent gestalten. Ist ein solcher Fonds einmal eingerichtet, wird sich jedes Parlament dieser Welt schwer tun, zu kontrollieren an wenn wann wieviel Geld weshalb geflossen ist. Es sollte daher auch nicht überraschen, dass die Gründung eines Fonds auch immer wieder als probate Lösung angesehen wird. Tatsächlich dürften solche Fonds immer häufiger und in immer kürzerer Zeit aufgestellt werden, je näher die Finanz- und Wirtschaftskrise dem endgültigen Kollaps entgegen geht. Ein kleines bisschen Zeit lässt sich damit immer irgendwie schinden. In unserem Crack-up-Boom Szenario (CuB) sind solche Fondsgründungen entsprechend auch nur weitere Mosaiksteinchen mit dem Ziel die Finanzmärkte/Banken/Staaten mit dem überlebensnotwendigen Treibstoff zu versorgen: Liquidität! Insofern gibt es an unserer generellen Einschätzung zu den Börsen für die kommenden Jahre nichts zu ändern.

Märkte
Entsprechend sieht die Entwicklung im DAX aus. Aus unserer Perspektive deutet alles daraufhin, dass die Korrektur vorbei ist. Insbesondere die nun vollständig ausgebildete Schulter-Kopf-Schulter Formation (SKS) lässt diesen Schluss zu (vgl. Abb. 1). Wir hatten ja bereits seit längerem daraufhingewiesen, dass wir das Ende der seit Mitte Oktober laufenden Korrektur für Ende Februar/Anfang März erwarten. Dies zeichnet sich nun immer deutlicher ab. Wir müssen natürlich auch dazu sagen, dass wir mit einer wesentlich stärkeren Korrektur gerechnet hatten. Hätten wir gewusst, dass die Korrektur mehr einem Seitwärtslaufen ähneln würde, hätten wir die Shortposition auf den DAX vermutlich nicht erworben. Aber gut, die Börse ist keine Einbahnstrasse und an Vergangenem festhalten bringt wenig. Da unser Musterdepot außerdem auf Allzeithoch notiert (ganz im Gegensatz zum DAX), können wir mit solch kleinen Fehlern sehr gut leben. Auch wenn es durch aus im Bereich des Möglichen liegt, dass wir noch einen Pullback auf die Nackenlinie der SKS bei ca. 5700 Punkten sehen, schalten wir in den Hausse-Modus um und investieren weiter, nachdem wir ja bereits letzte Woche tätig geworden sind.

Dax

Musterdepot
Die logische Konsequenz aus unserer Analyse ist natürlich als erstes, dass wir zur Eröffnung am morgigen Mittwoch unser Short-Zertifikat (WKN: CG021U) auf den DAX glattstellen. Hier sind natürlich einige Verluste (ca. 30% des Positionswerts) entstanden, aber wir hatten das Zertifikat ja nicht zur Spekulation, sondern zur Absicherung des Depots gekauft. Bereits letzte Woche haben wir 500 Stück des brasilianischen Rohstoffkonzerns Vale (WKN: A0RN7M) bzw. 50 Stück von Nintendo (WKN: 864009) erworben. Bei Fielmann (WKN: 577220) ging unser Kauflimit bisher leider nicht auf. Da wir die Aktie aber nach wie vor für ungemein attraktiv halten, erhöhen wir hier das Kauflimit auf 59, 60 EUR. Die Limits für Indofood (WKN: 891724) und CTS Eventim (WKN: 547030) behalten wir bei.
Daneben werden wir einen Optionsschein von HSBC Trinkaus auf Amazon erwerben. (WKN: TB7W0U). Wir hatten Amazon bereits mehrfach in unserem Heft besprochen (zuletzt in der Ausgabe 7/2009) und immer wieder darauf hingewiesen, dass Unternehmen mit Geschäftsmodellen wie Amazon ganz besonders von CuB profitieren dürften. Wir kaufen zum morgigen Mittwoch 3.000 Stück. Als Bezugswährung liegt dem Schein der US-Dollar zugrunde, abgerechnet wird aber natürlich in Euro. Bei einem weiter schwachen Euro würde der Schein also auch hiervon profitieren. Der Hebel liegt bei ungefähr 5 und das Bezugsverhältnis bei 1:10. Bei 3.000 erworbenen Stück haben wir also eine Option auf 300 Aktien. Der Schein hat einen Basispreis von 160 USD. Da Amazon derzeit bei rund 130 USD notiert (vgl. Abb. 2) ist der Schein derzeit natürlich weit aus dem Geld. Allerdings wählen wir die Laufzeit entsprechend lang (bis 11.01.2013). Wir gehen davon aus, dass sich in den kommenden 12 bis 24 Monaten der Großteil des CuB abspielen dürfte und so sollten mit diesem Schein hohe Gewinne kreiert werden können. Vorsicht! Es handelt sich hierbei um eine Spekulation mit einem (gehebelten) Finanzderivat. Bei einer solchen Spekulation droht als Gegengewicht für die möglichen Gewinne immer auch das Risiko des Totalverlusts. Wer mit einem solchen Risiko nicht umgehen kann, der sollte besser die Finger davon lassen oder aber einfach direkt die Amazon Aktie (WKN: 906866) selbst erwerben.


Amazon
Damit haben wir unsere Liquidität noch nicht aufgebraucht. Wir werden in den kommenden Wochen weiter investieren und die Quote letztlich auf 100% hochfahren. Via Weekly werden wir Sie auf dem Laufenden halten. Außerdem werden Sie natürlich ausführlich in unserem Heft informiert.
Musterdepot Fonds
Im vergangenen Jahr nutzten wir die sommerlich Ruhe an den Märkten, um Kasse bei einigen Fonds-Positionen zu machen. Gleichzeitig kauften wir mit dem ETF auf den Short-DAX (WKN: DBX1DS) eine kleine Absicherung und traten damit gezielt auf die Bremse. Im Nachhinein betrachtet müssen wir konstatieren: Wären wir nur mal nicht so vorsichtig gewesen. Nun, nachdem die Konsolidierung des Gesamtmarktes ihrem Ende entgegen gehen dürfte, verkaufen wir den ETF auf den Short-DAX (150 Stück) mit einem dennoch verschmerzbaren Verlust von knapp 7% seit Kauf (Ende September 2009) und wagen uns bei zwei Fonds wieder auf die Käuferseite. Zweierlei Themen stehen dabei auf der Agenda: Technologie und Emerging Markets. Letztere decken wir über den Global Advantage Emerging Markets Fund (WKN: 972996, 7 Anteile) ab, der derzeit schwerpunktmäßig u.a. in der Türkei, Thailand, Russland, Ungarn und Ägypten investiert ist. Fondsmanager Michael Keppler ist ein Verfechter der Aktienselektion nach Value-Kriterien, entsprechend wenig kümmern ihn kurzfristige Marktschwankungen und -bedingungen. Kleiner Hinweis: Der Keppler-Fonds ist so etwas wie die Berkshire Hathaway unter den Fonds, zumindest bezogen auf den Preis, denn ein Anteil schlägt mit knapp 1.600 EUR zu Buche. Vielleicht sind manche Emerging Markets derzeit sogar etwas überhitzt, sowohl volkswirtschaftlich als auch von Seiten der Börse, aber der Newsflow ist immer noch besser als jener aus den etablierten Volkswirtschaften, wo die Nachrichten von Themenkomplexen wie Überschuldung und Staatsbankrotten dominiert werden. Derlei haben die Emerging Markets hinter sich gelassen, Emergency war hier gestern - und genau das goutiert der Markt zusehends. Das Fondskonzept hat zuletzt bewiesen, auch in schwierigeren Börsenphasen positive Renditen produzieren zu können.



Für das Technologiesegment gilt Ähnliches. Hier hat sich jüngst eine Relative Stärke herausgebildet, die daraufhin deutet, dass hier eine größere Aufwärtsbewegung im Rahmen eines Crack-up-Booms durchaus möglich wenn nicht gar wahrscheinlich ist. Wir kaufen folglich den 4Q Growth Universal (WKN: A0D9PG, 275 Stück). Sämtliche Geschäftsmodelle der im Fonds enthaltenen Titel sind hoch skalierbar und dürften während des entscheidenden CuB-Schubes zu wahren Cash-Maschinen "mutieren". Apple, Amazon, Google Co. werden sich dann klotzig verdienen. Zwar sind die Bewertungen teilweise bereits stattlich, aber angesichts der enormen Aufwärtsspielräume bei den Erlösen haben auch die Aktienkurse noch gewaltig Luft nach oben. Nicht zuletzt dann, wenn Börsianer gesunde, schuldenfreie und zuverlässige Unternehmen wieder zu schätzen beginnen. Sowohl für den Emerging Markets- als auch für den Technologiefonds veranschlagen wir eine Positionsgröße von ca. 10.000 EUR. Sämtliche Transaktionen im Fondsdepot erfolgen zum morgigen Schlusskurs.

Mit lediglich 5.000 EUR akzentuieren wir das Fonds-Musterdepot weiterhin um Brasilien. Brasiliens Börse gehörte 2009 zu den absoluten Highflyern. Zwar mahnt dies einen echten Contrarian zunächst zur Vorsicht, aber beim Blick auf die makroökonomische Stärke am Zuckerhut können Investoren gar nicht anders als weiter an eine Outperformance der Börse in Sao Paulo zu glauben. Brasilien hatte 1999 seinen Bankrott, musste in Folge einer Hyperinflation sein System neu starten. Nun aber fußt der ökonomische Erfolg auf einer vernünftigen Notenbankpolitik, gekoppelt mit einem starken unternehmerischen Fundament sowie einem Konsumenten, dem sich ganz langsam die Möglichkeiten wachsenden Wohlstands erschließen. Zudem ist Brasilien mit seinem Rohstoffreichtum an sich ein Realwert-Investment, profitiert also in einem CuB-Szenario überproportional. Wir erwerben folglich 200 Anteile des Lyxor-ETFs (WKN: LYX0BE) auf den brasilianischen Standardwerte-Index BOVESPA, in dem sämtliche bekannten Brasilien-Titel vereint sind. Vom Hoch von über 28 EUR hat der ETF zwischen Januar und Mitte Februar knapp 17% verloren, nähert sich nun aber langsam wieder seinem zu Jahresbeginn erreichten Verlaufshoch.
Hinweis in eigener Sache
Kürzlich hatten wir leider einige Problem unseren Newsletter zu versenden. Theoretisch kann dies immer wieder einmal vorkommen. Daher hier der Hinweis, dass der Newsletter auch online unter http://www.smartinvestor.de/news/smartinvestor zu lesen ist. Falls sie den Newsletter einmal nicht erhalten haben, wird es auf der Homepage für Sie ersichtlich, ob der Newsletter überhaupt erschien.

Veranstaltungshinweis
Außerdem sei an dieser Stelle auf die 6. Frühjahrkonferenz des Vereins technischer Analysten Deutschlands hingewiesen (VTAD). Diese findet Samstag 20. März bis Sonntag 21. März 2010 im Steigenberger Hotel Metropolitan in Frankfurt am Main statt. ( http://www.vtad.de/node/893 )

Fazit
Die Korrektur im DAX ist vermutlich vorbei, entsprechend orientieren wir uns. Aus der Politik kommen auch nach wie vor die Signale, die wir für den Fortgang unseres CuB Szenarios erwarten. So gesehen sind wir weiterhin ausgesprochen bullish für den weiteren Jahresverlauf.

Ralf Flierl, Fabian Grummes, Tobias Karow

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Über den Autor
 
Autor: Ralf Flierl Ralf Flierl,
Smart Investor

Ralf Flierl ist Chefredakteur der Anlegerpublikation "Smart Investor". Kritisch, unvoreingenommen, unabhängig, antizyklisch, sophisticated, non-Mainstream.... kurz: smart - das sind die Attribute des im Mai 2003 eingeführten "Smart Investor" . Weitere Informationen sowie die Möglichkeit, das Magazin kostenlos zu testen, finden Sie unter www.smartinvestor.de.

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