Die Finanzkrise scheint sich nun langsam dem Ende
zu nähern. Das jedenfalls ist mein Eindruck. Der wird auch bestätigt
von den verschiedenen weltweiten Nachrichten, die ich täglich auf den
Schreibtisch bzw. besser auf den Bildschirm bekomme. Wenngleich noch
genug Hürden da sind, die genommen werden müssen. Insbesondere von den
Banken, bei denen es immer noch aus den Kellern heraus stinkt. Das nun
aber selbst die Japaner den Optimismus wieder entdeckt haben, die es in
der Vergangenheit wirklich nicht leicht hatten, muss aufhorchen lassen.
Und so mag mancher stark daran interessiert sein, mehr nach vorn als
zurück zu schauen. Auch weil so manch einer nicht als Teilnehmer des
Wagenrennens auf die Klippe, der dem James Dean Klassiker „Denn Sie
wissen nicht was sie tun“ nicht unähnlich ist, entlarvt werden möchte.
Hier in Deutschland ist das ganz einfach. Hier macht so einer im
Ernstfall den vorher auf Kosten der Aktionäre prall gefüllten
Geldbeutel auf und kauft sich von der deutschen Justiz frei. Denn
hierzulande werden noch immer die Kleinen gehängt, wo sich unsere
Gerichte und Behörden förmlich austoben. Das macht sich schließlich
auch besser, wenn man karrieregeil ist und den Weg nach oben im Visier
hat.
In den USA ist das ein klein Wenig anders. Da müssen sich auch sehr
Mächtige Leute dem Souverän stellen. Möglicherweise erinnern Sie sich
an die Enron Pleite und den Vorstandsvorsitzenden, der hinter Gitter
kam. Auch, dass diese Pleite der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Arthur
Anderson ihren Kopf gekostet hat. Undenkbar in Deutschland.
Oder denken Sie an die Vorstände der US-Autoindustrie. Hierzulande
würde man diesen Herren den roten Teppich ausrollen. In den USA mussten
sie sich vor laufenden Kameras peinliche Fragen der Volksvertreter
gefallen lassen. Ob das nicht mehr mit Demokratie zu tun hat, als das
was wir hier zum Besten geben?
Egal. Jedenfalls wird derzeit die Lehmann Pleite juristisch
aufgearbeitet. Satte 30 Mio. Dollar hat das bisher gekostet. Aber auch
Ergebnisse gebracht. Und gleich vorweg. Der ehemalige CEO Richard Fuld
und die Wirtschaftsprüfer Ernst & Young werden schwer belastet.
Lehman‘s Vorstände haben einem tausende von Seiten langen Bericht
zufolge die Bilanz gefälscht, dem Aufsichtsrat wichtige Informationen
vorenthalten und wissentlich die Preise von toxischen
Immobilien-Wertpapieren zu hoch angesetzt (inflated the value of toxic
real estate assets). Dabei wurde das Risikokontrollsystem bewusst außer
Acht gelassen. Auch als der Markt schon Schwächeanzeichen aufwies Und
den Investoren ein falsches Bild vorgespielt. Zudem wurden 50 Mrd.
Dollar unter dem Kürzel Repo 105 fernab der Bilanz verwendet und so
weniger Schulden vorgegaukelt. Wovon CEO Fuld nichts gewusst haben will
:-(
Auch den Wirtschaftsprüfern Ernst & Young werden schwere Vorwürfe
gemacht. So soll sogar eine Meldung eines Senior Vizepräsidenten von
Lehman, der Unregelmäßigkeiten in der Buchhaltung feststellte, von
Ernst & Young nicht weiter verfolgt worden sein. Sollte das wahr
sein, hätten diese Wirtschaftsprüfer mit gekungelt, schwere Schuld auf
sich geladen und ein ernstes Problem.
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Norbert Lohrke, Globalyze Invest AG |
Diplom-Volkswirt Norbert Lohrke betreibt seit 2004 www.globalyze.de mit seiner einzigartigen voll-automatisierten fundamentalen Aktienauswahl. Daraus resultieren renditeträchtige Produkte wie Top10 Plus, Top Flop, Value Börsenbrief und der Aktienfonds Globalyze QuantValue (A1JL1H). Nicht zuletzt aufgrund seiner Erfahrungen aus Wirtschaftsprüfung und Bewertung sowie seiner kritischen Betrachtungsweise ist der Investmentprofi einer der meistgelesenen Wirtschaftsautoren im deutschsprachigen Raum. Sein Slogan? „Rendite ist kein Zufall“
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