2 %-Punkte mehr Rendite mit RAFI-ETFs



14:18 12.03.10

Es ist erfreulich, wenn eine echte Innovation eine für Anleger bedeutende Schwachstelle aufgreift und tatsächlich verbessert. Dem Wissenschaftler Robert D. Arnott gelingt es, den herkömmlichen Indizes eine Dummheit auszutreiben, unten denen sie laut Prof. Wolfgang Gerke naturgemäß leiden.

Anlass für die Neuerung ist das Phänomen über- und unterbewerteter Aktien, deren Börsenwert keinesfalls mit den Unternehmensdaten zu rechtfertigen ist. Dadurch kommt es bei den Anlegern, die passiv in Indizes investieren, zu systematischen Verlusten.

Beispiel Volkswagen-Aktie: Der Börsenwert erreichte im Rahmen von Übernahme-Spekulationen im letzten Jahr binnen weniger Wochen ein Niveau, das Volkswagen rechnerisch zum teuersten Unternehmen aller Zeiten machte. So ziemlich alle Marktteilnehmer waren sich der Überbewertung bewusst. Der Kurssturz war vorprogrammiert. Das Problem: Es stehen einem passiven Investor, der mittels Indizes in deutsche Aktien investieren will, nur Indizes zur Verfügung, in denen Aktien nach Börsenwert gewichtet sind, wie der DAX (z.B. als DAX-ETF oder DAX-Zertifikat). Der passive Anleger würde also Volkswagen-Aktien in seinem Depot entsprechend ihrem hohen Börsenwert ein besonders hohes Gewicht verleihen. Sobald die Volkswagen-Aktie auf ein faires Bewertungsniveau fällt, erleidet das Depot einen besonders hohen Verlust. Das Beispiel zeigt, dass die Gewichtung nach Marktkapitalisierung (= Börsenwert) zu systematischen Verlusten führt. Aber was ist die Alternative?

Arnott hat die Lösung: Die von seinem Team entwickelten RAFI-Indizes gewichten Aktien nach fundamentalen Unternehmensdaten. RAFI steht für Research Affiliates (= Arnotts Firma) Fundamental Index. Die Aktien werden gewichtet nach Cash Flow (= Einzahlungsüberschuss), Umsatz, Buchwert und Dividende. Der Börsenwert spielt keine Rolle. Damit beseitigen RAFI-Indizes nicht nur die systematischen Verluste von herkömmlichen Indizes, sondern nutzen die Über- und Unterbewertungen sogar noch renditesteigernd aus: Zu teure Unternehmen werden schwächer und zu billige stärker gewichtet. Bewegt sich der Börsenwert wieder auf ein faires Niveau, dann erzielen die fundamental gewichteten Indizes eine höhere Rendite.

RAFI-Indizes bringen Renditevorteil

Für den Anleger ist letztendlich entscheidend, was diese Art der Gewichtung für die Performance bringt. Dazu berechneten die Forscher ihre RAFI-Indizes für die Jahre 1962 bis 2004. In dem Zeitraum lag der durchschnittliche Renditevorteil zum Vergleichsindex bei ca. 2 %-Punkten p.a. In den einzelnen Jahrzehnten innerhalb des Untersuchungszeitraums trat der Renditevorteil ebenso deutlich zu Tage: 1960er +0,33 %, 1970er +2,73 %, 1980er +2,04 %, 1990er -1,00 %, 2000er +9,32 %.

Sie analysierten ebenso den Renditevorteil in Zeiten unterschiedlicher Zinsentwicklung (steigende Zinsen: +1,9 %, fallend: +2,43 %), Konjunkturphasen (steigend: +1,74 %, fallend: +4,31 %) und Börsenphasen (steigend: +0,37 %, fallend: +6,8 %). Bis auf eine Ausnahme in den 1990ern war der Renditevorteil stets positiv. Besonders robust zeigen sich RAFI-Indizes mit durchschnittlich +6,8 %-Punkten in Zeiten fallender Aktienkurse. (alle Angaben in %-Punkten Renditeunterschied pro Jahr)

Für die drei relevanten RAFI-Indizes für Europa, USA und die Industrieländer bieten Lyxor und PowerShares ETFs an. Es zeigt sich: Seit Auflegung schlugen die RAFI-ETFs ihre MSCI-Vergleichsindizes um durchschnittlich 2 bis 3 %-Punkte. (MSCI-Indizes gewichten Aktien nach Börsenwert; Ausschüttungen und Fondsverwaltungskosten sind bereits in den Renditedaten der RAFI-Indizes berücksichtigt). Der Renditevorteil wird sogar noch größer, wenn von den MSCI-Indizes die Fondsverwaltungskosten abgezogen werden.



Kritik



Wird die für die Vergangenheit festgestellte Überlegenheit der RAFI-Indizes in Zukunft weiter bestehen? Das hängt stark davon ab, ob weiterhin Über- und Unterbewertungen in den klassischen Indizes auftreten. Setzen zu viele Anleger auf RAFI-Indizes (oder auf Aktien mit günstiger Fundamentalbewertung), könnte sich ihr Renditevorteil stark verkleinern.

Wie der Artikel "Verheerende Entwicklung dividendenstarker Aktien" (siehe Link unten) zeigt, hatten Aktien mit hoher Dividendenrendite vor 1990 einen Renditevorteil. Nachdem dem allgemeinen Bekanntwerden dieses Zusammenhangs setzten mmer mehr Anleger darauf, so dass der Renditevorteil verschwand. In den letzten Jahren brachte die Dividendenstrategie sogar deutliche Verluste.

Wir sind nicht der Meinung, dass sich der Renditevorteil von RAFI-Indizes in absehbarer Zeit in einen Renditenachteil umkehrt. Grund: Während Dividendenstrategien durch den Kauf von wenigen dividendenstarken Aktien die Kurse durchaus leicht beeinflussen, kommt es bei RAFI-Indizes durch den Kauf "aller" Aktien, wobei der Gewichtungsunterschied zum Gesamtmarkt (= herkömmlicher Index) gering ist, kaum zu Preis beeinflussenden Transaktionen.

FAZIT: Wir haben unser Muster-Depot auf RAFI-ETFs umgestellt. Die RAFI-ETFs haben nur ein geringes Handelsvolumen. Deshalb muss man Limits setzen. An den Börsen werden von den Händlern aber ausreichend große Volumen zum Kauf laufend zur Verfügung gestellt.

In diesem Zusammenhang interessieren Sie diese Beiträge:

Verheerende Entwicklung dividendenstarker Aktien

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