Unterschätzte Rendite bei Anleihen



12:07 14.03.10

Für ein Jahr Laufzeit bietet das beste Festgeld derzeit 3,3 % Zinsen. Zum Vergleich: Eine Anleihe des Landes Nordrhein-Westfalen (NRW1ZM) mit ca. 5 Jahren Restlaufzeit bietet eine Umlaufrendite von 2,6 % pro Jahr. Auf den ersten Blick ist die Verzinsung von Festgeld höher als die Umlaufrendite. Eine Entscheidung für das Festgeld wäre jedoch ein Fehler.

Zugegebenermaßen: Ein direkter Vergleich von Festgeld und Anleihen ist nicht möglich. Während Festgeld meist der Einlagensicherung unterliegt und über die Laufzeit gebunden ist, unterliegen Anleihen dem Risiko der Zahlungsunfähigkeit des Emittenten und können stets (bei ausreichender Liquidität) an der Börse verkauft werden.

Dennoch können wir sehr berechtigt die beiden Anlagen vergleichen, wenn wir annehmen: Wir halten die Anleihe auch nur ein Jahr und verkaufen sie dann an der Börse. Und: Die Sicherheit der Einlagensicherung ist gleichwertig zur Bonität des Landes Nordrhein-Westfalen.

Die tatsächliche Rendite beachten.
Die Anleihe ist nun tatsächlich lukrativer als das Festgeld. Denn die tatsächliche Rendite der Anleihe liegt bei 4,0 %. Dies ergibt sich aus der Differenz zwischen Verkaufs- und Kaufpreis plus den gezahlten Zinsen, bezogen auf den Kaufpreis. Also: (107,27 Euro - 106,95 Euro + 4 Euro) / 106,95 Euro = 4,0 %. Das sind 1,4 %-Punkte mehr als bei der Umlaufrendite bzw. 0,7 %-Punkte mehr als das Festgeld.

Tatsächliche Rendite vs. Umlaufrendite.
Warum das so ist, erklärt ein Beispiel: Eine fiktive Anleihe mit 2 Jahren Restlaufzeit hat eine Umlaufrendite von 2 % p. a. Hielte man die Anleihe bis zur Rückzahlung, bekäme man also 2 % p.a. Rendite. Jedoch wissen wir, dass die Umlaufrendite mit der Restlaufzeit abnimmt. Nach einem Jahr beträgt sie nur noch 1 % p.a. Was bedeutet, dass sich die ursprüngliche Umlaufrendite von 2 % p.a. nicht gleichmäßig über die Restlaufzeit verteilt (also 2 % im ersten und 2 % im zweiten Jahr), sondern im Bereich der längeren Restlaufzeit höher ist – um die geringe Umlaufrendite bei kürzeren Restlaufzeiten auszugleichen. (z.B. 3 % im ersten Jahr und 1 % im zweiten Jahr)

Diese Zusatzrendite ist ergo umso höher, je stärker die Zinsstrukturkurve ansteigt. Nutzen wir dies, so rollen wir auf der Zinsstrukturkurve im Zeitablauf ein wenig nach unten. Deshalb die Bezeichnung "Rollgewinne".



Die Gefahr: steigende Zinsen.
Steigen die Zinsen, fällt der Verkaufspreis und die tatsächliche Rendite verringert sich. (siehe Tabelle für Beispiele bei einem Zinsanstieg um 1 %-Punkt) Dennoch büßen sogar in diesem Fall Anleihen kaum etwas von Ihrer Attraktivität ein: zwar ist ihr Kurs gefallen, die damit verbundene Umlaufrendite jedoch ist gestiegen. Das heißt: Bleibt man investiert, dann bleibt die Gesamtrendite recht hoch – je nach Zinserhöhung.

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Zum Vergrößern anklicken.

Nützliches Berechnungswerkzeug.
Mit folgendem Anleihepreis-Berechner ergibt sich ganz leicht der Kurs für eine Anleihe bei bekannter Umlaufrendite: https://powertools.fidelity.com/fixedincome/price.do
Um die Umlaufrendite zu finden, einfach in der Zinsstrukturkurve (oben) den Punkt für die Anleihe finden, ein Lineal ansetzen, die Steigung nachahmen und ablesen, wo die Umlaufrendite nach einem Jahr liegt.


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