Finger weg



08:16 15.03.10

Politiker können vor allem eines. Fremdes Geld ausgeben. Und wie man der Verschuldung des Gemeinwesens ansehen kann nicht zu knapp und nicht besonders verantwortungsvoll. Da wird alles ausgebeutet, was man ausbeuten kann. Die Zukunft allem voran. Ein sehr beliebtes Thema ist nämlich die Verschiebung von Lasten auf das Morgen.

Das hat bekanntlich seine Grenzen. Und so entdecken Finanzminister aller Couleur von Zeit zu Zeit unseren Schatz, den wir noch haben. Genauer gesagt, die Goldreserven der Deutschen Bundesbank. Ca. 3.400 Tonnen Gold hält die deutsche Notenbank derzeit unter Verschluss. Und hütet das „Tafelsilber“ zu Volkes Gunsten mit Argusausgen.

Gott sei Dank kann man da nur feststellen. Denn wieder einmal versucht ein Finanzminister, diesmal Herr Schäuble, seine Finger in Richtung des sagenumworbenen Goldes auszustrecken. Dazu hat er sich diesmal eine gewiefte Taktik einfallen lassen. Gegen einen Europäischer Währungsfonds kann nun doch wirklich niemand etwas haben. Schließlich gibt es doch auch den Internationalen Währungsfonds. Und so wird so getan, als wäre das Gold in einer supranationalen Einrichtung genau so sicher, wie bei unserer guten alten deutschen Notenbank, der ehrenwerten Deutschen Bundesbank.

Aber so ausgefuchst kann gar kein Politiker sein, dass wir den Braten nicht riechen. Denn der Europäische Währungsfonds soll schließlich nicht etwa aus positiver Überzeugung errichtet werden. Also, weil es an der Zeit wäre, dass ein solcher Fonds an sich sinnvoll wäre. Sondern allein deshalb, weil uns die Regierung eines europäischen Landes zusammen mit Banken hinters Licht geführt hat und wir nun die wenig schmackhafte Suppe, die uns die Griechen eingebrockt haben, jetzt auslöffeln sollen. Denn wer glaubt, dass Griechenland genug Selbstkritik hat und bereit ist für seine Fehler einzustehen, der braucht nur die momentane Situation auf den Straßen Athens anzusehen.

Deutschland hat für Europa seine Deutsche Mark geopfert. Das war im Interesse eines vereinigten Europa in Ordnung. Wenngleich man durchaus der Meinung sein kann, dass die D-Mark - wie wir sie alle nannten - in der Welt durchaus ihren Ruf hatte und alleine hätte bestehen können. Wir sind Nettozahler in der EU. Auch das sei gebongt, weil wir inzwischen überzeugte Europäer sind. Und bei fast jedem Kompromiss in Brüssel sind wir diejenigen, die über finanzielle Zusagen doch noch ein gutes Ende herbeiführen. Auch das kann man noch hinnehmen. Wobei man sich schon manchmal fragt, ob nicht andere Länder jetzt endlich auch einmal ihren europäischen Patriotismus entdecken sollten.



Aber jetzt für Land, das uns beschuppst hat, unsere Goldreserven zu opfern. Das geht zu weit. Und das hat gar nichts mit Diskriminierung der Griechen zu tun. Ich selbst liebe dieses Land und die ausgesprochen herzliche Gastfreundschaft ihrer Einwohner.

Wer aber die anderen übers Ohr haut, darf dafür nicht auch noch belohnt werden. Was haben wir da eigentlich für eine Regierung gewählt? Es wird Zeit, dass bald wieder Wahlen kommen. Bis dahin kann man Berlin nur raten.

Finger weg von unserem Gold. Das ist schon Hagen und Kriemhild nicht bekommen.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag und stets hohe Renditen.

Ihr Norbert Lohrke

Globalyze - weil ein paar Reserven nie schlecht sind.
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Über den Autor
 
Autor: Norbert Lohrke Norbert Lohrke,
Globalyze Invest AG

Diplom-Volkswirt Norbert Lohrke betreibt seit 2004 www.globalyze.de mit seiner einzigartigen voll-automatisierten fundamentalen Aktienauswahl. Daraus resultieren renditeträchtige Produkte wie Top10 Plus, Top Flop, Value Börsenbrief und der Aktienfonds Globalyze QuantValue (A1JL1H). Nicht zuletzt aufgrund seiner Erfahrungen aus Wirtschaftsprüfung und Bewertung sowie seiner kritischen Betrachtungsweise ist der Investmentprofi einer der meistgelesenen Wirtschaftsautoren im deutschsprachigen Raum. Sein Slogan? „Rendite ist kein Zufall“

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