Smart
Investor Weekly 11/2010
Von
fleißigen Deutschen – und verdrehten Wahrheiten
Am Montag beklagte sich die französische
Finanzministerin Christine Lagarde über die wirtschaftlichen
Tangoqualitäten der Deutschen. Nicht dass diese so schlecht
seien und der französischen Marianne nun ob der Plumpheit
des deutschen Michels die Füße schmerzten. Nein, ganz
im Gegenteil: Die Deutschen - man mag es kaum glauben - wirbeln
derart leichtfüßig und elegant über das Parkett,
dass den Franzosen (und den anderen Süd- und Westeuropäern)
ganz schwindlig wird.
Deutschland ist zu wettbewerbsfähig
Um das ganze etwas konkreter zu formulieren: Frankreichs
Schatzmeisterin beschwerte sich (und erhielt darin große
Zustimmung beispielsweise aus Großbritannien) die Deutschen
seien zu produktiv, da die Löhne zu niedrig sind. Und noch
fataler: als Folge der niedrigen Löhne würde in Deutschland
zu wenig konsumiert, weshalb den europäischen Nachbarn die
Exportmöglichkeiten fehlten.
"Gerne", möchte man Madame Lagarde zurufen, "nur allzu
gerne würde der deutsche Michel konsumieren!" Nur was? stellt
sich die Frage?Mehr französische Gänsestopfleber? Gepantschtes
italienisches Olivenöl? Jamón Ibérico? Vielleicht
sollten die Deutschen ja auch einfach die ruhmreiche Idee des
britischen Wirtschaftswachstums importieren: Die
Dienstleistungsgesellschaft,
in der man sich gegenseitig die Haare schneidet, Kaffee einschenkt
und nebenbei noch ein Schneeballsystem namens Finanzblasenwirtschaft
betreibt. So in der Art möchte man im ersten Affekt erzürnt
ausrufen. Allerdings würden wir dabei vergessen, dass so
eine Reaktion keinesfalls aus der Matrix, also der Welt der medialen
Fremdkontrolle (vgl. Heft 2/2010), hinausführt. Wir sollten
uns daher tunlichst davor hüten, in dieses Spiel mit einzusteigen.
Denn das Formulieren oberflächlicher Wahrheiten à
la die Griechen "verfrühstücken" unseren Wohlstand führt
uns nicht aus dem Denken der Matrix, sondern zieht uns im Gegenteil
noch tiefer in sie hinein.
Umkehrung des Denkens
Treten wir also mal kurz einen Schritt zurück.
Eigentlich dürften die Forderungen der Französin nicht
überraschen - zumindest in einer Welt, in der man glaubt,
Wirtschaftswachstum und Wohlstand mittels Kredit erzeugen zu können.
In einer Welt, in der der Faule belohnt wird und der Fleißig
bestraft, in der sich Arbeit nicht lohnt und in der die Freiheit
für eine vermeintliche Sicherheit bereitwillig geopfert wird,
kurz in einer Welt in der sämtliche Anreizsysteme falsch
herum aufgesetzt sind. In einer solchen Welt muss sich geradezu
zwangsläufig der Orwellsche Neusprech und -denk durchsetzen.
Dies bedeutet dann nicht nur eine Umkehrung der Anreize, sondern
letztendlich eine Verkehrung der Wahrheit insgesamt. Dass eine
solche Welt nichts mit dem Ideal der Österreichischen Schule
zu tun hat, sollte jedem bewusst sein und dass eine solche Welt
nicht dauerhaft Bestand haben kann ebenfalls.
Eines ist allerdings an den Gedanken der französischen
Finanzministerin bestechend: für die letzte Stufe des Crack-up-Booms
(CuB) muss das Geld in der Tat direkt zu den Menschen gepumpt
werden - am Ende einer hyperinflationären Entwicklung werden
die Löhne nominal rasant steigen. Auch wenn wir soweit noch
lange nicht sind, an den Äußerungen von Christine Lagarde
lassen sich möglicherweise erste Weichenstellungen hierauf
erkennen.
Und damit zu den Märkten.
Die Börsen
Eigentlich möchte man meinen, dass angesichts
all des Wahn- und Irrsinns, der sich derzeit in der Politik abspielt
(siehe oben) die Aktienbörsen verunsichert zeigen sollten.
Aber bisher weit gefehlt. Sie zeigen sich robust, und die
Anlegergemeinde
sieht mit staunenden Augen zu. Wie gesagt: vieles, um nicht zu
sagen: fast alles, spricht dafür, dass die Aktienmärkte
nun wieder einmal den Rückwärtsgang einlegen. Charttechnisch
gesehen kam es beispielsweise beim DAX am vergangenen Freitag
zu einem "Shooting Star" oder auch neudeutsch zu einem "Intraday
Reversal" (aber auch andere Märkte so wie Einzeltitel prägten
dieses Signal aus). Solche Formationen deuten in der Regel auf
einen gewissen Erschöpfungszustand des jeweiligen Marktes
hin.
Aber um es gleich deutlich zu sagen: Mag sein,
dass die Börsen demnächst eine mehr oder wenig kleine
Verschnaufpause einlegen werden. Auf Sicht der kommenden Wochen
und Monate sind wir recht überzeugt von der Fortsetzung des
Bullenmarktes (bzw. des CuB:
www.smartinvestor.de/pdf/Smart-Investor-4-2009-S-44-49.pdf).
Ein solcher ist nur als das Spiegelbild eines explodierenden
Finanzsystems
zu sehen - und nichts anderes passiert ja derzeit. Dass es dabei
zu immer krasseren Szenen kommen wird und muss, liegt dabei nur
zu deutlich auf der Hand. So sind protektionistische Entwicklungen
praktisch schon vorprogrammiert, wie der oben beschriebene Streit
zwischen Deutschland und Frankreich ganz aktuell verdeutlicht.
Protektionismus aber bedeutet Inflation, was wiederum unsere CuB-These
stützt. Wir können es also drehen und wenden wie wir
wollen. Es läuft auf eine inflationäre, später
dann hyperinflationäre Endphase unseres Finanzsystems hinaus.
Musterdepot
In der letzten Woche haben wir unser Short-Zertifikat
auf den DAX glattgestellt und im Gegenzug für rund 2% unseres
Depotvolumens einen lang laufenden Optionsschein auf die Aktie
des US-Internet-Kaufhauses Amazon erworben.
Die Fielmann-Aktie ist heute knapp an unserem Limit vorbeigeschrammt.
Wir lassen es weiter bestehen. Zudem setzen wir noch ein Limit
für die Aktie von Phoenix Solar (siehe unten), einen alten
Bekannten in unserem Depot. Nach den Hiobsbotschaften der letzten
Wochen für die Solarindustrie (überraschende Verringerung
der Einspeisevergütung) gehen wir davon aus, dass in diesem
Sektor nun ein Großteil der Bad News in den Kursen enthalten
ist. Phoenix dürfte einer der solidesten Titel in diesem
Sektor sein. Bei Indofood und CTS setzen wir das Limit jeweils
etwas nach oben. Die Prozentzahlen in Klammern hinter den Orders
zeigen den Depotanteil an, der sich für den Fall des Kaufs
aufgrund der angegebenen Daten momentan ergeben würde.
|
Ralf Flierl, Smart Investor |
Ralf Flierl ist Chefredakteur der Anlegerpublikation "Smart Investor".
Kritisch, unvoreingenommen, unabhängig, antizyklisch, sophisticated,
non-Mainstream.... kurz: smart - das sind die Attribute des im Mai 2003
eingeführten "Smart Investor" . Weitere Informationen sowie die Möglichkeit,
das Magazin kostenlos zu testen, finden Sie unter www.smartinvestor.de.
Alle Artikel dieses Autors anzeigen |
|
Aktiensentiment - von ... Ralf Flierl, Smart Investor (19:19) |
|
|
Dax dreht in die ... IG Markets, (18:08) |
|
|
DAX fällt nach ... Cornelia Frey, Börse Stuttgart AG (16:03) |
|
|
BANK OF IRELAND - ... H. Weygand, Godmode-Trader (14:21) |
|
|
DAX Aufwärtstrend in ... Thomas Heydrich, Systemstrading.de (13:05) |
|
|
Eine auffallende ... Boris Schulze, Trendspekulant (12:42) |
|
|
Goldproduzent Agnico-... Björn Junker, GOLDINVEST.de (12:28) |
|
|
Unrecht als rentable ... Norbert Lohrke, Globalyze Invest AG (10:51) |
|
|
Wenig Rückenwind Berndt Ebner, Der-Trading-Coach.com (10:16) |
|
|
Wie weit geht die ... Jochen Steffens, Stockstreet GmbH (10:12) |
|
|
DAX Future ... trading notes future, (10:05) |
|
|
Erst Informieren - dann ... Lars Brandau, Deutscher Derivate Ve. (10:04) |
|