Solar-Fabrik braucht stark anziehende Nachfrage um den Liquiditätsengpass zu überwinden



15:20 17.03.10

Die Solar-Fabrik hatte einen strategischen Fehler gemacht: Sie hat
eine eigene Silizium-Fabrik in Südostasien aufgebaut. Dies geschah zu
einem Zeitpunkt, als Silizium rar und teuer war. Sodann folgte der
Siegeszug der Dünnschichttechnologie, die mit einem Bruchteil von
Silizium auskommt, sowie die Finanzkrise, in deren Umfeld der
Siliziumpreis einbrach. Silizium gibt es wie Sand am Meer - Silizium
ist nämlich Sand. Der Engpass entstand aufgrund der
Herstellungskapazitäten und ist inzwischen nicht mehr vorhanden. Die
teure Investition seitens der Solar-Fabrik wurde inzwischen wieder
verkauft und der Verlust wurde abgeschrieben.

Gleichzeitig ist der Markt für Solarmodule eingebrochen: Die Solar-
Fabrik konnte aufgrund der hohen kalkulatorischen Kosten für Silizium
keine wettbewerbsfähigen Solarmodule anpreisen. Die Produktion stand
zum Teil still, die Lagerhallen sind voll mit Modulen. Der
Vorratsbestand ist im Septemberquartal des vergangenen Jahres um das
Fünffache angestiegen. Hohe Lagerbestände binden Kapital.

Alte Solarmodule können zu einem späteren Zeitpunkt teilweise nicht
mehr kostendeckend verkauft werden, so entsteht hier nochmals ein
Verlust, wenn der Lagerbestand abgeschrieben wird. Der freie Cashflow
hat sich aufgrund dieser Kapitalbindung sehr negativ entwickelt, die
liquiden Mittel sind von 26 Mio. auf 1,8 Mio. Euro gefallen - für ein
Unternehmen wie die Solar-Fabrik bedeutet das, dass es praktisch von
der Hand in den Mund lebt. Während die langfristigen Verbindlichkeiten
leicht zurückgegangen sind, stiegen die kurzfristigen
Verbindlichkeiten stark an. Ich interpretiere daraus, dass die Solar-
Fabrik keine langfristigen Finanzierungen mehr auf die Reihe bekommt,
sondern stets nur kurzfristige Verlängerungen der Rahmenkredite erhält.

Die beschleunigte Förderkürzung erhöht den Druck auf die Preise für


Solarmodule, so dass auch künftig vielleicht ein Anziehen der
Nachfrage, jedoch keine Entlastung beim Preisdruck zu erwarten ist. In
meinen Augen ist die Zukunft der Solar-Fabrik sehr kritisch zu sehen.
Das Unternehmen braucht dringend neue langfristige Kredite, bekommt
diese jedoch nicht. Irgendwann werden die Banken den Hahn zudrehen,
wenn nicht eine Trendwende erfolgt - und diese Trendwende erwarte ich
eben nur im Volumen-Bereich, nicht im Preis. Unternehmensangaben
zufolge bessert sich die Ergebnislage im laufenden Jahr, doch ich
fürchte, dass dort eine Menge Zweckoptimismus in der Prognose
enthalten ist.

Ein Ausweg könnte der Weg sein, den Solon beschreitet: Solon hat in
Aussicht gestellt bekommen, vom Deutschlandsfonds Bürgschaften und
Kredite zu erhalten, weil die Probleme der Solarbranche unmittelbar
auf die Finanzkrise zurückzuführen sind. Sollte Solon erfolgreich
sein, könnte eine solche Hilfe auch für die Solar-Fabrik in Frage
kommen. Doch das ist ein Halm, an den man sich hier klammern würde.
Insgesamt ist die Situation kritisch und ich würde die Aktien nur noch
als sehr spekulative Position betrachten.

Weitere Analysen können Sie gerne in meinem kostenfreien Börsenbrief
unter http://heibel-ticker.de nachlesen. Ich freue mich auf
Sie.

Take share,
Stephan Heibel

Chefredaktion

Heibel-Ticker

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Über den Autor
 
Autor: Stephan Heibel Stephan Heibel,
Heibel-Ticker

Stephan Heibel schrieb 1998 erstmals seinen Börsenbrief und ist heute Herausgeber und Chefredakteur des Heibel-Ticker Börsenbriefes. Als Diplom Volkswirt legt er besonderen Wert auf das Verständnis für die Finanzmärkte. Empfehlungen werden aus der Erklärung der aktuellen Entwicklungen abgeleitet. die kostenfreie Version können Sie hier beziehen: www.heibel-ticker.de

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