Es gibt Unternehmen, die an sich das Potential aller Welt hätten, wenn
sie denn mit halbwegs guten Manager an der Spitze gesegnet wären.
Häufig ist das schlicht nicht der Fall. Und das bemerkt auch keiner so
richtig. Denn bei einem großen Konzern ist es wie bei einem Tanker.
Wenn man Leute an der Spitze hat, die nichts tun als das Schiff
halbwegs auf Kurs zu halten, fährt er auch noch Meilen weiter, selbst
wenn die Maschine schon auf Sparflamme läuft. Dass damit kein großer
Raumgewinn, sprich Wertsteigerung, einher gehen kann, ist klar. Und so
tut sich meist im Aktienkurs jahrelang nichts. Jedenfalls nicht so
richtig.
Ein solches Unternehmen war die Siemens AG. Unter dem jahrelang von
Politik und Wirtschaft vollkommen überschätzten Herrn von Pierer
dümpelte der Tanker nur so vor sich hin. Und schließlich benötigte man
jede Menge „Schmier“-mittel, damit die Maschinen noch am Laufen
gehalten werden konnten. Diese Entwicklung des von der Kanzlerin ach so
geschätzten Wirtschaftsberaters hat zu einer erheblichen Schlagseite
und das Schiff beinahe an den Rand des Kenterns geführt.
Dann übernahm Herr Löscher das Ruder. Der musste erst einmal ruhigere
Gewässer ansteuern. Was nicht einfach war, ihm aber durchaus
respektabel gelungen ist. Und nun macht er sich daran, dass Schiff von
unnützem Ballast zu befreien und von den in den letzten Jahren am
Schiffsrumpf angesetzten Algen und Muscheln, die die Geschwindigkeit
massiv bremsen, zu säubern. Was absolut richtig und wichtig ist, um es
gleich vorweg zu sagen.
Jetzt ist die seit Jahren problembehaftete IT-Sparte dran. Siemens baut
dort nun immerhin 4.200 Stellen ab. Wobei betriebsbedingte Kündigungen
weitgehend vermieden werden sollen. Und schon hat Löscher wieder
reflexhaft die Gewerkschaften und sonstigen Kritiker auf der Matte.
Da fragt man sich schon was das soll. Ist es etwa intelligent eine
siechende Abteilung nur um der Mitarbeiter willen weiter zu schleppen
bis sie dann den ganzen Konzern gefährdet? Ich weiß, dass diese
Kurzsichtigkeit gerade in der Politik und bei den Gewerkschaften
angesagt ist. Jenen sei gesagt, dass der Weg ins Himmelsreich nicht
durch die breite Pforte geht, sondern durch das enge Nadelöhr.
Kurzfristig Nachteile hinzunehmen, um langfristig bestehen zu können,
ist wirklich verantwortungsvolles Handeln. Und eine solche
Handlungsweise tut sicherlich weh und ist nicht bequem und
öffentlichkeitswirksam. Und wie man unschwer erkennen kann ein knappes
Gut geworden. Dafür aber umso notwendiger.
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Norbert Lohrke, Globalyze Invest AG |
Diplom-Volkswirt Norbert Lohrke betreibt seit 2004 www.globalyze.de mit seiner einzigartigen voll-automatisierten fundamentalen Aktienauswahl. Daraus resultieren renditeträchtige Produkte wie Top10 Plus, Top Flop, Value Börsenbrief und der Aktienfonds Globalyze QuantValue (A1JL1H). Nicht zuletzt aufgrund seiner Erfahrungen aus Wirtschaftsprüfung und Bewertung sowie seiner kritischen Betrachtungsweise ist der Investmentprofi einer der meistgelesenen Wirtschaftsautoren im deutschsprachigen Raum. Sein Slogan? „Rendite ist kein Zufall“
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