Ein Riese erwacht



08:23 19.03.10

Es gibt Unternehmen, die an sich das Potential aller Welt hätten, wenn sie denn mit halbwegs guten Manager an der Spitze gesegnet wären. Häufig ist das schlicht nicht der Fall. Und das bemerkt auch keiner so richtig. Denn bei einem großen Konzern ist es wie bei einem Tanker. Wenn man Leute an der Spitze hat, die nichts tun als das Schiff halbwegs auf Kurs zu halten, fährt er auch noch Meilen weiter, selbst wenn die Maschine schon auf Sparflamme läuft. Dass damit kein großer Raumgewinn, sprich Wertsteigerung, einher gehen kann, ist klar. Und so tut sich meist im Aktienkurs jahrelang nichts. Jedenfalls nicht so richtig.

Ein solches Unternehmen war die Siemens AG. Unter dem jahrelang von Politik und Wirtschaft vollkommen überschätzten Herrn von Pierer dümpelte der Tanker nur so vor sich hin. Und schließlich benötigte man jede Menge „Schmier“-mittel, damit die Maschinen noch am Laufen gehalten werden konnten. Diese Entwicklung des von der Kanzlerin ach so geschätzten Wirtschaftsberaters hat zu einer erheblichen Schlagseite und das Schiff beinahe an den Rand des Kenterns geführt.

Dann übernahm Herr Löscher das Ruder. Der musste erst einmal ruhigere Gewässer ansteuern. Was nicht einfach war, ihm aber durchaus respektabel gelungen ist. Und nun macht er sich daran, dass Schiff von unnützem Ballast zu befreien und von den in den letzten Jahren am Schiffsrumpf angesetzten Algen und Muscheln, die die Geschwindigkeit massiv bremsen, zu säubern. Was absolut richtig und wichtig ist, um es gleich vorweg zu sagen.

Jetzt ist die seit Jahren problembehaftete IT-Sparte dran. Siemens baut dort nun immerhin 4.200 Stellen ab. Wobei betriebsbedingte Kündigungen weitgehend vermieden werden sollen. Und schon hat Löscher wieder reflexhaft die Gewerkschaften und sonstigen Kritiker auf der Matte.

Da fragt man sich schon was das soll. Ist es etwa intelligent eine siechende Abteilung nur um der Mitarbeiter willen weiter zu schleppen bis sie dann den ganzen Konzern gefährdet? Ich weiß, dass diese Kurzsichtigkeit gerade in der Politik und bei den Gewerkschaften angesagt ist. Jenen sei gesagt, dass der Weg ins Himmelsreich nicht durch die breite Pforte geht, sondern durch das enge Nadelöhr.

Kurzfristig Nachteile hinzunehmen, um langfristig bestehen zu können, ist wirklich verantwortungsvolles Handeln. Und eine solche Handlungsweise tut sicherlich weh und ist nicht bequem und öffentlichkeitswirksam. Und wie man unschwer erkennen kann ein knappes Gut geworden. Dafür aber umso notwendiger.



Dass Herr Löscher da konsequent seinen Weg geht, ehrt ihn. Er gibt damit auch ein Beispiel für den Rest des Landes. Wobei er wahrscheinlich bei 35.000 Mitarbeitern weltweit, immer noch mit angezogener Handbremse fährt. Aber immerhin fährt er.

Der Dampfer ist also auf dem richtigen Kurs. Wenngleich die Maschine noch lange nicht so läuft, wie sie laufen könnte. Und so darf man für Siemens mittelfristig durchaus positiv gestimmt sein.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag und stets hohe Renditen.

Ihr Norbert Lohrke

Globalyze - Klein, aber fein!

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Über den Autor
 
Autor: Norbert Lohrke Norbert Lohrke,
Globalyze Invest AG

Diplom-Volkswirt Norbert Lohrke betreibt seit 2004 www.globalyze.de mit seiner einzigartigen voll-automatisierten fundamentalen Aktienauswahl. Daraus resultieren renditeträchtige Produkte wie Top10 Plus, Top Flop, Value Börsenbrief und der Aktienfonds Globalyze QuantValue (A1JL1H). Nicht zuletzt aufgrund seiner Erfahrungen aus Wirtschaftsprüfung und Bewertung sowie seiner kritischen Betrachtungsweise ist der Investmentprofi einer der meistgelesenen Wirtschaftsautoren im deutschsprachigen Raum. Sein Slogan? „Rendite ist kein Zufall“

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