Im Bann des Verfallstags



10:03 19.03.10

Man spürt förmlich, wie der DAX an der 6.000er Marke festklebt. Es wird immer offensichtlicher, dass hier der Verfallstag eine Rolle spielt. Wie bereits geschrieben, die Stillhalter haben ein Interesse daran, den DAX nicht deutlich über die 6.000er Marke steigen zu lassen. Bei dieser Marke liegt eine riesige Long-Position, die ansonsten zu sehr ins Geld laufen würde. Das würde für die Stillhalter teuer werden. Der eigentliche Zielbereich für den Verfallstag liegt sogar etwas tiefer, nämlich bei 5.900 Punkten.

 

Positive Zahlen ohne Wirkung

 

Eigentlich hätte es gestern einen erfreulichen Tag geben müssen. So sind die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe um 5.000 auf 475.000 gesunken. Das lag zwar in den Erwartungen der Analysten, aber ist doch ein eher positives Signal.


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Auch die Verbraucherpreise weisen, wie schon gestern die Erzeugerpreise, auf ein Nachlassen des Inflationsdrucks hin. Sie blieben zum Vormonat unverändert. Lediglich die Kernrate stieg um 0,1 % an. Beides lag in den Erwartungen.

 

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Natürlich wird sich die Fed in ihrer Nullzinspolitik so lange bestätigt fühlen, wie es eben nicht zu deutlich anziehenden Inflationsraten kommt. Deutlich ist in dem Diagramm zu erkennen, dass sich mittlerweile auch der Anstieg der Kernrate immer weiter abflacht.

 

Gerne wird von einigen Analysten zurzeit übersehen, dass die Fed nach wie vor noch dabei ist, eine Deflation zu bekämpfen. Die durch hohe Arbeitslosigkeit in den USA und die rezessiven Tendenzen verursachte niedrige Nachfrage kompensiert offenbar immer noch den durch die Geldmengenausweitung entstehenden Inflationsdruck.

 

Der richtige Zeitpunkt

 

Die wichtigste Aufgabe der Fed in den nächsten Monaten bleibt, den richtigen Zeitpunkt für Zinserhöhungen abzupassen. Reagiert sie zu früh, fallen die USA wieder in eine Deflation und damit auch wieder in eine Rezession zurück. Das wiederum würde die aktuelle Deflationsphase unnötig ausweiten.

 

Reagiert die Fed zu spät, kann es sein, dass die Inflation zu schnell und zu stark anzieht. Dann besteht die Gefahr einer galoppierenden Inflation, die sich zunächst durch die Bildung neuer Asset-Blasen bemerkbar machen würde.

 

Die aktuellen Erzeuger- und Verbraucherpreise sind zunächst ein Beleg dafür, dass die Fed bisher mit ihrer Niedrigzinspolitik richtig liegt.

 

Das wiederum sollte eigentlich ein höchst positives Zeichen für den Markt sein, denn es bestätigt die Vermutung, dass die Leitzinsen erst Ende 2010 oder Anfang 2011 angehoben werden. In diesen Zahlen verbirgt sich somit ein möglicher Grund für die Fortsetzung der Aufwärtsbewegung. Und das wiederum passt dazu, dass die US-Indizes mittlerweile ausgebrochen sind. Doch wie es wirklich weiter geht, erfahren wir erst nach dem Verfallstag.

 



Philly Fed Index überraschend gestiegen

 

Zu diesen positiven Nachrichten gesellte sich die Meldung, dass der Philadelphia-Fed-Index im März auf plus 18,9 Punkte gestiegen ist. Analysten hatten lediglich mit einem Indexstand von 17,8 Punkten gerechnet (nach 17,6 Punkten zuvor).

 

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Auch das hätte sich angesichts der nach wie vor niedrigen Inflation positiv auf den Markt auswirken müssen. Das einzige, das man mit ein wenig gutem Willen negativ interpretieren könnte, ist, dass der Beschäftigungsindex des Philly-Fed auf 8,4 Punkte angestiegen ist und damit auf den höchsten Stand seit Oktober 2007. Negativ wäre das, weil eine Stabilisierung des US-Arbeitsmarkts zu einer höheren Konsumbereitschaft der US-Amerikaner führen würde, was sich wiederum treibend auf die Inflation auswirkt.

 

Kommentar zum Arbeitsmarkt der Fed

 

Dieser Unterindex des Philly-Fed erklärt zumindest, warum sich die Fed vorgestern zuversichtlicher bezüglich des US-Arbeitsmarktes geäußert hat. Leider wird es uns kaum möglich sein, die genaue Verfassung des Arbeitsmarktes anhand der nächsten Daten zu analysieren. Wie schon geschrieben, werden diese Daten durch die Volkszählung in den USA beeinträchtigt. Das ist natürlich in der aktuellen Situation sehr ärgerlich.

 

Frühindikatoren leicht positiv

  

Und wenn wir schon bei den US-Konjunkturdaten sind, werfen wir noch einen kurzen Blick auf die Frühindikatoren. Auch hier zeigt sich eine leichte Verbesserung. Die Frühindikatoren sind wie von den Analysten erwartet um 0,1 % gestiegen.

 

Im Bann des Verfallstags

 

Dass der DAX trotz all dieser eher positiven Nachrichten zum Handelsende zurück auf die 6.000-Punkte-Marke gefallen ist, erklärt sich somit lediglich aus der Analyse zum Verfallstag. Spannend bleibt, ob er gegen Freitagmittag tatsächlich noch auf die 5.900-Punkte-Marke gedrückt wird. Mehr dazu morgen in Ihrem Steffens Daily.

 

Viele Grüße

 

Jochen Steffens

stockstreet.de

 

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Über den Autor
 
Autor: Jochen Steffens Jochen Steffens,
Stockstreet GmbH

Jochen Steffens ist als Chefredakteur diverser Fachpublikationen im Bereich Börse und als bekannter Kolumnist tätig. Seit mehr als zwölf Jahren arbeitet er als eigenverantwortlicher Daytrader mit dem Schwerpunkt Futurehandel. Als Geschäftsführer der Stockstreet GmbH ist er für die Börsenseite stockstreet.de verantwortlich. Dort gibt er den täglich erscheinenden Börsennewsletter: "Steffens Daily" heraus. Für mehr Information: www.stockstreet.de

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