NEWSLETTER 14 / März 2010
Wirtschaft · Finanzmarkt · Konjunktur
Liebe Wirtschafts- und Finanzmarktinteressierte,ich begrüße Sie recht herzlich zur vierzehnten Ausgabe meines Newsletters, der auf die Themen
WIRTSCHAFT FINANZMARKT und KONJUNKTUR fokussiert ist.
Die Finanzmärkte konnten im Monat März mit einer ausgesprochen abwechslungsreichen Entwicklung aufwarten.
Auf der einen Seite schienen die Anleger an den Aktienbörsen aus ihrer Winterstarre erwacht zu sein, so dass der Deutsche Aktienindex DAX eine beeindruckende Performance an den Tag legen konnte.
Auf der anderen Seite wurden die Marktteilnehmer im Monatsverlauf stimmungstechnisch immer wieder aufs neue durch die problematische Finanzlage in Griechenland auf eine harte Probe gestellt. Fast täglich tickerten Meldungen über die Griechenland-Diskussion über die Bildschirme. Mal sprachen sich Regierungskreise dafür aus, den Internationalen Währungsfonds (IWF) zur Lösung des Finanzierungsproblems einzusetzen. Dann meldete sich die Europäische Zentralbank (EZB) zu Wort und wetterte vehement gegen ein solches Szenario.
Der gemeine Betrachter konnte jedenfalls nicht wirklich den Eindruck gewinnen, dass eine wirklich zufriedenstellende Lösung in Kürze bevorsteht.
Aber richten wir den Blick nun mal auf die Entwicklungen bei DAX und Euro im März:
Der Deutsche Aktienindex DAX verblüffte im Monat März mit einer sehr starken Performance und liess sich nicht von den Turbulenzen in den südlichen Regionen der Euro-Zone anstecken.
Stichpunktartig lässt sich die Entwicklung folgendermaßen beschreiben:
der Monatswechsel zwischen Februar und März wurde mit dem Sprung über 5.700 Punkte eingeläutet
im ersten Monatsdrittel folgte ein zügiger Anstieg bis auf knapp über 5.900 Punkte
Mitte März folgte dann eine Verschnaufpause um die 5.900er-Marke
Nach dem Kräftesammeln gelang im letzten Monatsdrittel der Sprung über 6.100 Zähler
Zur Erinnerung: im März 2009 war der DAX noch auf unter 4.000 Punkte abgesackt
In den Sommermonaten 2008 waren zuletzt Notierungen über 6.000 zu sehen
Fazit: Der jüngste Anstieg basiert auf reichlich Optimismus hinsichtlich der zukünftigen Unternehmensentwicklungen. Es muss sich in den kommenden Tagen und Wochen zeigen, ob die leicht euphorische Stimmung der Anleger gerechtfertigt ist und durch harte Fakten umtermauert werden kann.
Die europäische Gemeinschaftswährung hat im März eine regelrechte Achterbahnfahrt durchgemacht.
Im Zuge der freundlichen Börsen und der gestiegenen Risikobereitschaft befand sich der Euro in der ersten Monatshälfte auf der Überholspur, ehe in der zweiten März-Hälfte die Griechenland-Krise in den Vordergrund rückte und der Rückwärtsgang eingelegt wurde.
Die Entwicklung der europäischen Gemeinschaftswährung zum Dollar im März im Überblick::
am 1.März 2010 wurde der EZB-Referenzkurs bei 1,3525 Dollar festgestellt
bis Mitte März gelang ein Kursanstieg bis auf 1,3765 Dollar (EZB-Ref. am 12.März)
die Griechenland-Debatte belastete den Euro in der zweiten März-Hälfte stark der Kurs sackte von 1,37 auf unter 1,33 Dollar ab
in den letzten Handeltagen profitierte der Euro dann wieder leicht, nachdem sich die Euro-Länder über einen finanziellen Schutzschirm für Griechenland geeinigt hatten
zur Erinnerung: am ersten Handelstag 2010 war der EZB-Referenzkurs noch bei 1,4389 Dollar festgestellt worden
Werfen wir nun aber mal einen Blick auf die konjunkturellen Entwicklungen im Monat März.
Im Einzelnen waren dies (in chronologischer Reihenfolge):
5.März...das Auftragsplus der deutschen Industrie im Januar
15.März...die US-Industrieproduktion im Februar
16.März...die ZEW-Konjunkturerwartungen im März
16.März...die Zinssitzung der Federal Reserve
24.März...der Ifo-Geschäftsklimaindex im März
26.März...das US-Wirtschaftswachstum im vierten Quartal 2009
Erstens 5.März...das Auftragsplus der deutschen Industrie im Januar
Bemerkenswerte Zahlen wurden am 5.März aus dem Bundeswirtschaftsministerium in Berlin verkündet.
Die Auftragsdaten der Industrie in Deutschland offenbarten mit +4,3 Prozent zum Vormonat das stärkste Auftragsplus seit Juni 2007. Die Zahlen belegten damit, dass die deutsche Industrie nach der mageren Entwicklung in den Vormonaten neuen Schwung bekommen hat. In erster Linie waren Großaufträge aus dem Inland für den starken Zuwachs verantwortlich. Allerdings verzeichnete auch die Auslandsnachfrage nach deutschen Produkten einen Anstieg (um 1,9 %), wobei die Bestellungen aus anderen Euro-Ländern vorrangig zu dem Anstieg beitrugen.
Auf jeden Fall ist diese Entwicklung als positiver und mutmachender Aspekt im Hinblick auf die kommenden Monate zu werten.
Zweitens 15.März...die US-Industrieproduktion im Februar
Einen Rückschlag musste die Industrie der weltgrößten Volkswirtschaft im Februar hinnehmen. Bedingt durch den harten Winter musste die Produktion im Vergleich zum Vormonat um 0,2 Prozent zurückgefahren werden.
Dagegen war zu Jahresbeginn noch ein Produktionsanstieg um 0,9 Prozent verzeichnet worden.
Die Kapazitätsauslastung, die gleichzeitig mit der Industrieproduktion bekannt gegeben wird, stieg auf 72,7 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit Ende 2008. Im Vergleich zum längerfristigen Durchschnitt hinkt die Auslastung jedoch noch immer knapp acht Prozentpunkte hinterher.
Auch wenn die Februar-Daten letztlich enttäuschend ausgefallen sind, ist dies in erster Linie auf den extremen Winter zurückzuführen. Es bleibt nun abzuwarten, ob sich das Zahlenmaterial für den Monat März wirklich freundlicher präsentiert und der Konjunkturoptimismus nach dem jüngsten Schönheitsfehler wieder steigt.
Drittens 16.März...die ZEW-Konjunkturerwartungen im März
Die Mitte März veröffentlichten Daten zu den ZEW-Konjunkturerwartungen haben offenbart, dass die Skepsis über die weitere konjunkturelle Entwicklung bei den Börsenprofis weiter zugenommen hat. Wie das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) mitgeteilt hat, ist das ZEW-Barometer für die Konjunkturerwartungen in Deutschland von 45,1 Punkten im Februar auf 44,5 Zähler im März zurückgegangen. Dies war bereits der sechste Rückgang in Folge. Im Dezember notierte der ZEW-Index noch bei über 50 Punkten.
Die Befragung der rund 350 Investoren und institutionellen Anleger hatte zudem ergeben, dass die aktuelle Lage im Vergleich zum Februar als leicht verbessert eingeschätzt wird. Die Erwartungshaltung für die kommenden Monate scheint dagegen eher bescheiden zu sein. Insgesamt wird zwar von einem verbesserten konjunkturellen Umfeld gesprochen, jedoch dürfte die weitere Erholung holprig ausfallen und die Wachstumsraten für die deutsche Wirtschaft im Jahr 2010 nicht über zwei Prozent hinausgehen.
Viertens 16.März...die Zinssitzung der Federal Reserve
Wie nicht anders zu erwarten war, hat die US-Notenbank (Fed) den Leitzins in ihrer Sitzung des Offenmarktausschusses (FOMC) am 16.März in einer Bandbreite von 0 bis 0,25 Prozent belassen. Von sehr viel größerer Bedeutung war für die Finanzmärkte dabei die Ankündigung, dass der Leitzins noch eine längere Zeit außerordentlich niedrig bleibe. Damit ist die Federal Reserve ihrer Politik des billigen Geldes treu geblieben und hat den Märkten weiterhin Ruhe an der Zinsfront signalisiert. Somit ist damit zu rechnen, dass die Fed erst eine nachhaltige konjunkturelle Belebung abwarten wird und die Zinsen frühestens in der zweiten Jahreshälfte 2010 langsam nach oben geschleust werden könnten.
Die zusätzliche Bemerkung im Anschlusskommentar von US-Notenbankchef Ben Bernanke, dass sich der Arbeitsmarkt in der weltgrößten Volkswirtschaft mittlerweile stabilisiert hat und die Investitionstätigkeit der US-Unternehmen zugenommen hat, bewirkte einen steigenden Optimismus bei der Marktteilnehmern.
Die jüngste Zinssitzung der Fed kann folglich als positiver Event im Monat März bezeichnet werden.
Fünftens 24.März...der Ifo-Geschäftsklimaindex im März
Im Gegensatz zu den ZEW-Konjunkturerwartungen vermochte der Ifo-Geschäftsklimaindex positiv zu überraschen.
Die Ifo-Daten offenbarten, dass sich die Stimmung in den Führungsetagen der deutschen Wirtschaft im März unerwartet stark aufgehellt. Der Ifo-Geschäftsklimaindex kletterte von 95,2 Zählern im Februar auf 98,2 Punkte im März und damit auf den höchsten Stand seit Juni 2008, wie das Münchner Institut für Wirtschaftsforschung (Ifo) zu seiner Umfrage unter rund 7000 Unternehmen mitteilte. Sowohl die gegenwärtige Geschäftslage als auch die Geschäftsaussichten für die kommenden sechs Monate wurden von den Unternehmenslenkern besser als im Vormonat eingeschätzt. Zum Vergleich: Im März 2009 hatte der Ifo-Geschäftsklimaindex noch einen Tiefpunkt bei 82,2 Punkten markiert. Es bleibt nun abzuwarten, wie sich der Ifo-Index in den kommenden Monaten präsentieren wird. Angesichts der begrenzten Wachstumsaussichten für die Wirtschaft sind zwischenzeitliche Stimmungseintrübungen nicht auszuschließen.
Sechstens 26.März...das US-Wirtschaftswachstum im vierten Quartal 2009
Werfen wir abschließend noch einen Blick auf die Wachstumsdaten der weltgrößten Volkswirtschaft.
Das US-Handelsministerium hatte am 26.März nach seinen endgültigen Berechnungen zum 4.Quartal 2009 mitgeteilt, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in den USA von Oktober bis Dezember mit einer Jahresrate von 5,6 Prozent gewachsen ist. Aufgrund der Tatsache, dass der Privatkonsum rückläufig war und sich die Investitionsbereitschaft der Unternehmen in Grenzen hielt, musste das vorläufige BIP-Wachstum von 5,9 Prozent nach unten korrigiert werden. Einerseits wurde damit das stärkste Wirtschaftswachstum seit mehr als sechs Jahren verzeichnet, andererseits schrumpfte die US-Wirtschaft im Jahr 2009 insgesamt um 2,4 Prozent und musste somit die schärfste Rezession seit 1946 hinnehmen. Zum Vergleich: die Wirtschaftsleistung in Deutschland brach im Jahr 2009 um 5,0 Prozent ein.
Abschließendes Fazit:
Der Monat März war einmal mehr durch recht unterschiedliche Signale von der Konjunkturfront gekennzeichnet.
Während die viel beachteten Stimmungsindikatoren Ifo und ZEW in diesem Monat unter verschiedenen Vorzeichen standen und somit keine klare Stimmungstendenz vorgeben konnten, wartete die deutsche Industrie mit starken Auftragsdaten auf.
Beim Blick über den großen Teich ist einerseits auffällig, dass die US-Industrieproduktion im Februar zur Schwäche neigte und die US-Wachstumsdaten für das 4.Quartal nach unten revidiert werden mussten.
Als positiver Aspekt ist in diesem Zusammenhang aber ganz klar herauszustellen, dass die US-Notenbank (Fed) im Anschluss an den Zinsentscheid explizit auf die stabilisierte Beschäftigungssituation in den Vereinigten Staaten hingewiesen hat. Im Hinblick auf eine robustere Erholung im Jahresverlauf wäre dies von elementarer Bedeutung.
Es bleibt nun abzuwarten, ob sich die gegenwärtige Arbeitslosenrate von 9,7 Prozent in naher Zukunft verringern lässt. Sollte dies der Fall ein, dürfte einer signifikanten Stimmungsaufhellung an den Finanzmärkten nichts im Wege stehen.
Ich würde mich freuen, wenn Sie weiterhin Interesse an diesem umfangreichen Thema haben sollten und meine Seite WiFiKon.de sowie meinen Newsletter an eventuell Interessierte weiterempfehlen würden.
Darüber hinaus wäre ich sehr dankbar für Feedback, konstruktive Kritik, Anregungen....oder was Ihnen sonst noch so einfällt..... thomas.krueger@wifikon.de
In diesem Sinne...
...wünsche ich erfolgreiche Tage und Alles Gute!
Ihr Thomas Krüger
Disclaimer: Für die Angaben und Daten in diesem Newsletter wird keinerlei Gewähr und Haftung übernommen. Alle aufgeführten Namen, Produkte und Indikatoren sind lediglich zum Zwecke der Information genannt, so dass hierdurch kein Warenzeichenmissbrauch vorliegt. Darüber hinaus werden durch die Erklärungen und Ausführungen keinerlei Empfehlungen ausgesprochen, sondern lediglich bestehende Zusammenhänge erörtert und aufgezeigt.
| NEU: WEB.DE DSL für 19,99 EUR/mtl. und ohne Mindest-Laufzeit! http://produkte.web.de/go/02/ |
|
Thomas Krüger, wifikon.de |
Nach 20 Jahren Bankerfahrung im Finanzmarktbereich und einer Zusatzqualifikation als Betriebswirt mit
Schwerpunkt Finanzwesen an der BWA St.Gallen hat es sich Thomas Krüger zur Aufgabe gemacht, Licht ins Dunkel
der Welt der Leitzinsen und Wirtschaftsbarometer zu bringen.
WiFiKon.de wurde zu Jahresbeginn 2009 ins Leben gerufen, um Wirtschafts- und
Finanzmarktinteressierten die Möglichkeit zu geben, wichtige wirtschaftliche Zusammenhänge im
Hinblick auf Notenbankentscheidungen und Konjunkturindikatoren kennen zu lernen und besser verstehen
zu können.
Weitere Informationen unter: www.wifikon.de
Alle Artikel dieses Autors anzeigen |
|
Devin Sage TXA ... Devin Sage, Technische-X-Analyse.de (16:06) |
|
|
Erfolgreicher Börsengang !!! Bernd Niquet, Autor (11:14) |
|
|
DAX & Facebook ... Frank Sterzbach, Finanzen & Börse (11:10) |
|
|
Dow Jones alles auf ... Jochen Steffens, Stockstreet GmbH (10:28) |
|
|
GOLD: Baldiges Ende ... Günther Artner, CFA - Erste Group B. (10:03) |
|
|
Hüfners ... Redaktion boerse-frank., Deutsche Börse AG (09:33) |
|
|
Ungarn-Anleihe: Mögliche ... Sven Krupp, (09:02) |
|
|
DAX: Weiterer ... S. Böhm, DaxVestor (07:30) |
|
|
US-Dollar: Vorläufiges ... Herr Dr. Rettinger, Devisen-Trader (07:23) |
|
|
Nullzins-Anleihe ... Sabine Traub, Börse Stuttgart AG (07:08) |
|
|
Bellhaven Copper & ... Stefan Bender, silbernews (25.05.12) |
|
|
Euro-BTP-Futures: Forza ... Dirk Friczewsky, Tradingstrategien (25.05.12) |
|