Der Fehler in der Maschine
Ein wunderbares Märchen macht die Runde. Der Donnerstag-Crash war ein
Irrtum. Er geht angeblich zurück entweder auf die Fehlfunktion eines
Computersystems oder so z.B. die Neue Zürcher Zeitung auf einen
Aktienhändler, der eine Verkaufsorder statt für 16 Millionen für 16 Milliarden
US-Dollar abgegeben hatte. Eines scheint in den Medien aber denkunmöglich zu
sein: Nicht der Kurssturz war bemerkenswert, sondern der rasante Turnaround
danach!
Aus technischer Sicht lag ein deftiger Rückschlag in der Luft. Sie wissen,
dass ich den eigentlich bereits für November auf der Rechnung hatte. Aber
nachdem der S&P im Februar erneut über 1.120 Punkte schoss, war die
Diskussion um die Klippe bei 1.200 Punkten, von der sich der Leitindex 2008 stürzte,
vorprogrammiert.
Nachdem nun der entscheidende Sprung in die Range zwischen 1.200 und 1.300
Punkten nicht gelang, war ein Rücksetzter bis auf mindestens 1.150 Punkte sehr
wahrscheinlich.
Aus dem Rücksetzter wurde ein Crash, der sich auch am Freitag fortsetzte;
trotz bemerkenswert positiver US-Arbeitsmarktdaten. Wieder ein Fehler in der
Maschine? Die Griechenlandpleite muss nun herhalten. Aber auch das ist Unsinn!
Der kleine Mittelmeerstaat trägt lediglich 2,6-2,8 % zum Gesamt-BIP des
Euroraums bei (demnächst weniger). Da ist die Pleite Kaliforniens, einem der 10
größten Wirtschaftsräume der Welt, schon ein ganz anderes Kaliber.
Nein, Gründe für einen ausgedehnten Crash gibt es mehr als genug. Schon seit
langem. Nicht der Donnerstag-Crash ist erklärungsbedürftig, sondern die Rallye
von Februar bis Ende April und der Rekord-Turnaround am Donnerstag. Haben hier
jeweils die "Zocker" bei den Aktienfonds und Pensionskassen
zugegriffen, oder doch eher die Kurspfleger von der Fed?
Die Angst sitzt tief
Ich habe in letzter Zeit mit vielen institutionellen Anlegern gesprochen.
Die meisten machen sich mehr Sorgen um die USA und vermehrt um China als um den
Euroraum. Deshalb ist es nicht erstaunlich, dass noch sehr viel Geld, trotz
Sensationsmeldungen von der US-Konjunkturfront, am Spielfeldrand z.B. der
Treasuries geparkt und nicht in die Aktienmärkte geströmt ist.
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Thomas Rausch, PORTFOLIO360 |
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