MEGA-Crash an den Weltbörse?



15:48 08.05.10

Der Fehler in der Maschine Ein wunderbares Märchen macht die Runde. Der Donnerstag-Crash war ein Irrtum. Er geht angeblich zurück entweder auf die Fehlfunktion eines Computersystems oder – so z.B. die Neue Zürcher Zeitung – auf einen Aktienhändler, der eine Verkaufsorder statt für 16 Millionen für 16 Milliarden US-Dollar abgegeben hatte. Eines scheint in den Medien aber denkunmöglich zu sein: Nicht der Kurssturz war bemerkenswert, sondern der rasante Turnaround danach! Aus technischer Sicht lag ein deftiger Rückschlag in der Luft. Sie wissen, dass ich den eigentlich bereits für November auf der Rechnung hatte. Aber nachdem der S&P im Februar erneut über 1.120 Punkte schoss, war die Diskussion um die Klippe bei 1.200 Punkten, von der sich der Leitindex 2008 stürzte, vorprogrammiert. Nachdem nun der entscheidende Sprung in die Range zwischen 1.200 und 1.300 Punkten nicht gelang, war ein Rücksetzter bis auf mindestens 1.150 Punkte sehr wahrscheinlich. Aus dem Rücksetzter wurde ein Crash, der sich auch am Freitag fortsetzte; trotz bemerkenswert positiver US-Arbeitsmarktdaten. Wieder ein Fehler in der Maschine? Die Griechenlandpleite muss nun herhalten. Aber auch das ist Unsinn! Der kleine Mittelmeerstaat trägt lediglich 2,6-2,8 % zum Gesamt-BIP des Euroraums bei (demnächst weniger). Da ist die Pleite Kaliforniens, einem der 10 größten Wirtschaftsräume der Welt, schon ein ganz anderes Kaliber. Nein, Gründe für einen ausgedehnten Crash gibt es mehr als genug. Schon seit langem. Nicht der Donnerstag-Crash ist erklärungsbedürftig, sondern die Rallye von Februar bis Ende April und der Rekord-Turnaround am Donnerstag. Haben hier jeweils die "Zocker" bei den Aktienfonds und Pensionskassen zugegriffen, oder doch eher die Kurspfleger von der Fed? Die Angst sitzt tief Ich habe in letzter Zeit mit vielen institutionellen Anlegern gesprochen. Die meisten machen sich mehr Sorgen um die USA und vermehrt um China als um den Euroraum. Deshalb ist es nicht erstaunlich, dass noch sehr viel Geld, trotz Sensationsmeldungen von der US-Konjunkturfront, am Spielfeldrand z.B. der Treasuries geparkt und nicht in die Aktienmärkte geströmt ist.


Auch die Goldrallye, die sich vehement gegen den starken Dollar und die Interventionen von verschiedenen Notenbanken durchsetzt, ist ein Zeichen für die tief sitzende Skepsis vieler großer Adressen.
Diese Skepsis ist nicht zu verwechseln mit der typischen psychologischen Schwierigkeit, einer Konjunkturwende zu trauen und verspätet in eine Erholung zu investieren. Angesichts der globalen Problemlage ist es eher die Furcht vor einem gigantischen Kollaps, der durch die massiven Interventionen bisher nur verzögert wurde. Marktausblick Der S&P 500 sucht nach Halt. Am Donnerstag war es das Februar-Tief, am Freitag bereits nur noch die Marke bei 1.100 Punkten bzw. 1.110 Punkten, die von November bis Dezember 2009 diskutiert wurde. Solange die 200 Tage-Linie als Unterstützung hält, haben wir „nur“ eine Große Korrektur gesehen, die in der kommenden Woche in eine technische Gegenbewegung bis 1.150 Punkte übergehen könnte. Ab hier würde es dann allerdings wieder äußerst brisant werden. Sollte in der kommenden Woche allerdings die Unterstützung bei 1.060 Punkten unterschritten werden, könnte sich ein Sell-Out bzw. Crash bis auf 980 Punkte anschließen. Selbst das Erreichen der Unterstützung bei 880 Punkten bis zum Jahresende ist nicht ausgeschlossen. Ben Bernanke wir also alle Hände voll zu tun haben!
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Autor: Thomas Rausch Thomas Rausch,
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