Was denken Sie? Sind 100.000 Euro und 8 Monate auf Bewährung eine
angemessene Strafe dafür, dass ein Vorstandsvorsitzender in einer
Presseerklärung die Lage einer Bank als undramatisch geschildert hat,
worauf sich viele, viele Aktionäre verlassen haben und angesichts des
dann folgenden Kurseinbruchs deutliche Vermögensschäden erlitten haben
und der ganz nebenbei die Bank, die er führte aufgrund seines
geschäftlichen (Fehl-?) Verhaltens an den Rand des Abgrunds steuerte?
Wenn Sie mich fragen, dann ist dieses Urteil gegen den früheren Chef
der IKB Deutsche Industriebank AG geradezu eine Einladung an jeden
Bankvorstand es in einem ähnlichen Fall wieder so zu tun. Für die
Verteidigung ist es ein „krasses Fehlurteil“. Wie unterschiedlicher
Auffassung man doch über ein und denselben Tatbestand sein kann. Ist es
nicht faszinierend?
Denn das letzte Vorkrisengehalt von Herrn Ortseifen lag laut
Geschäftsbericht der IKB 2006/2007 bei insgesamt 1,597 Mio. Euro. Wobei
ein Jahresbezug bei Eintritt des Pensionsfalls von 326 T¤ ausgewiesen
wird. Und wie man Artikeln entnehmen kann, durfte der
Vorstandsvorsitzende auch eine Dienstvilla bewohnen, die auch noch auf
Unternehmenskosten luxusrenoviert wurde.
Und so ist die Geldstrafe gerade einmal 6,3 % vom früheren Gehalt. Wo
ist da die Strafe bzw. die Abschreckung frage ich Sie? Ich jedenfalls
kann da keine erkennen. Jedenfalls keine, die trifft.
Am Rande sei nur erwähnt, dass der Aufsichtsrat inkl. Reisekosten 693
T¤ erhalten hat. Auch hier kann ich mir die Frage nicht unterdrücken,
für was das eigentlich bezahlt wurde. Aber werfen Sie ruhig selbst
einmal einen Blick auf die Übersicht und die Mitglieder. Sie werden
staunen.
Und so kann man, nach all den Prozessen, die wir in der Vergangenheit
im Zusammenhang mit Vorständen erleben durften, sofern es überhaupt zu
einer Anklage kam, wohlgemerkt, dass es sich hierzulande als Vorstand
ganz gut leben lässt. Und zwar unabhängig von der Leistung und gleich
welche Rechtsverstöße (sofern überhaupt erkennbar) begeht. Und so gilt:
Die Kleinen hängt man, die Großen lässt man laufen.
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Norbert Lohrke, Globalyze Invest AG |
Diplom-Volkswirt Norbert Lohrke betreibt seit 2004 www.globalyze.de mit seiner einzigartigen voll-automatisierten fundamentalen Aktienauswahl. Daraus resultieren renditeträchtige Produkte wie Top10 Plus, Top Flop, Value Börsenbrief und der Aktienfonds Globalyze QuantValue (A1JL1H). Nicht zuletzt aufgrund seiner Erfahrungen aus Wirtschaftsprüfung und Bewertung sowie seiner kritischen Betrachtungsweise ist der Investmentprofi einer der meistgelesenen Wirtschaftsautoren im deutschsprachigen Raum. Sein Slogan? „Rendite ist kein Zufall“
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