Es stand einmal geschrieben: Ein guter Rocksong besteht aus drei
Akkorden. Mehr ist nicht notwendig um Bauch, Herz und Hirn gleichzeitig
anzusprechen. Das klingt ziemlich einfach, und doch ist es eine
unglaubliche Gabe, Tempo, Tonlage, Akzentuierung und Hookline dann so
zu treffen, das Millionen Menschen anfangen zu träumen, mitzusummen und
mitzusingen. Vielleicht zum Nachdenken und Umdenken gebracht werden.
Und möglicherweise auch dazu, etwas zu lernen. Auf jeden Fall sich
besser zu fühlen.
Auch guter, daher beständiger und duplizierbarer Börsenhandel besteht
im Wesentlichen aus wenigen Akkorden, genau genommen fünf: Wissen um,
die Kursentstehung; Positionierungen von Marktteilnehmern; Trendaufbau;
Zusammenspiel der Zeiteinheiten; Wissen um die Merkmale von Bewegung
und Korrektur.
Während der Tätigkeit als Berufshändler wird man immer wieder
feststellen, dass vielen privaten Anlegern und Tradern egal ob
Anfänger aber auch manch Fortgeschrittene die grundsätzliche Einsicht
in den Börsenhandelsprozess fehlt. Ihr Fachwissen ist oft einfach
unzureichend. Gerade die tagtägliche Praxis erfordert aber ein
fundiertes Wissen um die Materie und die daraus resultierenden
Zusammenhänge.
Klar, tausend mal gehört! Aber, obwohl die bloße Anwendung von
Geldanlagen oder des Tradings an sich sehr simpel ist »Long und Short
schon klar! Nudeln kochen ist komplizierter!«, so gestaltet sich der
eigentliche Entwicklungsprozess umso schwieriger. Denn: bereits bei der
ersten Order wird dem Anfänger mit dem großen Themenbereich
konfrontiert, der für das erfolgreiche Verhalten von Bedeutung ist und
mit der Frage: »Wo entsteht überhaupt Bewegung im Markt?« umrissen
werden kann. Kurz: Es geht um die Markttechnik.
Und genau an dieser Stelle muss der Trader die oben erwähnten fünf
»Akkorde« zu einem Lied, sprich: Trade, schreiben, welches seiner
»Tonlage«, »Tempo« und »Akzentuierung« kurz: Tradingsstil entspricht.
Beleuchten wir an dieser Stelle kurz (die umfassende Betrachtung
umfasst mehrere Bücher) jeden einzelnen Akkord, um grob die Thematik:
Markttechnik einzugrenzen.
erster Akkord: Kursentstehung:
Das die Kurse nicht aus einen Topf gezogen werden, ist zwar jedem
Börsenanfänger klar, aber dennoch die Frage: Was meinen Sie, wie viele
Anleger könnten einen Kurs selbst nachrechnen?
»warum sollte ich das nachrechnen, die Börse wird doch keine Fehler
machen!« könnte eine Antwort sein. Sicher, die Börse macht auch keine
Fehler. Manch Tradinganfänger aber schon. Erstaunlich ist, das das was
tausende von Spekulanten im Atmen hält, was sie von den Bildschirmen
nicht los lässt, das das was das Leben oftmals komplett verändert,
eigentlich eine Unbekannte ist, welche oft nicht nachvollzogen werden
kann.
»Angebot und die Nachfrage ergeben den Kurs«
»Ja. Aber wie nun genau?«
Sicherlich kann dies nun nicht innerhalb dieser Zeilen erörtert werden,
denn es soll ja nur ein grober Überblick zum Thema Markttechnik sein,
aber eines sei gesagt: Interessant ist, das das Wissen um die
Kursentstehung bei vielen Marktteilnehmern einen sehr positiven
Einfluss auf ihr Verhalten hat. Warum? Nun: es entfällt das ständige
Fragen »Warum, weshalb, wieso« und der Suche nach externen Ereignissen
welche den Kursbewegung ausgelöst haben können.
Kurz: Der markttechnisch orientierte Anleger beziehungsweise Trader
muss ein umfangreiches Wissen um die Kursfeststellung haben, da sein
Wunsch darein besteht, grundsätzlich nach Situationen im Chartverlauf
zu suchen, die einen kurzfristigen Überhang an Angebot oder Nachfrage
ergeben könnten und was wichtig ist sich auch zeitweilig fortsetzt,
völlig losgelöst von Nachrichteninhalten, Ereignissen etc. (was ja
eigentlich der Technischen Analyse generell eigen ist).
Die Schlussfolgerung über das anstehende Orderverhalten erhält der
Marktteilnehmer dadurch, dass er in der Lage ist, sich in die
Positionen der anderen Marktteilnehmer, und vorallem: deren
unterschiedlichen Ausrichtungen hineinzudenken. Damit kommen wir zum
nächsten Baustein:
zweiter Akkord: Marktteilnehmer
Dem markttechnisch orientierten Trader ist klar, dass es immer
drei (Long, Short und Flat) Positionen im Börsenhandel gibt und die
Marktteilnehmer sich mit ihren Orders dementsprechend verhalten. So
gesehen nicht neues! Aber: Der marktechnisch orientierte Trader fragt
sich daher, wo die Einstiege und vor allem, die Stopps liegen könnten.
Interessant ist hier, dass sich viele Börsenanfänger nach einer
Positionseröffnung ständig nur in ihre Position hineindenken, obwohl
sie doch nun kein weiterer Bestandteil des Börsenverlaufes mehr sind,
da sie ihre Order ja bereits abgegeben haben. Viel interessanter wäre
es doch jetzt sich genau in eben jene Marktteilnehmer hineinzudenken,
welche a) bereits weit frühzeitiger im Markt positioniert waren (long,
sowie short) und nun eine Positionsschließung - sei es als
Gewinnmitnahme oder Auslösung nachgezogener Stopp - nachdenken oder
b) an die Marktteilnehmer zu denken, welche kurz davor sind eine
Position neu zu eröffnen. Denn nur diese beiden Marktteilnehmer sind
momentan in der Lage die Kurse zu verändern, da ihre Orders bevorstehen
und somit eine Veränderung des Orderbuches bevorsteht und daher eine
Kursänderung nachsichzieht. An der Stelle sei darauf hingewiesen, dass
die Markttechnik ein fundiertes Wissen um die Aufbau und Zusammenhänge
von Kassa- und Terminmarkt erfordert.
Die beiden und so viel sei gesagt riesigen(!) und umfangreichen(!)
Themen: Kursfeststellung und das Wissen um die Marktteilnehmer allein,
bringen uns jedoch noch lange nicht weiter. Nun muss das Verständnis um
den Trendaufbau dazugezogen werden.
dritter Akkord: Trendaufbau
Wenn das Wort »Trend« während des Börsenalltags; innerhalb
Publikationen oder Analysen fällt, erzeugt dies oft ein Raunen und
Gähnen bei so manchen kurzfristigen ausgerichteten Börsenanfänger, aber
auch mach Fortgeschrittenen. Aus ihrer Sicht zumindest zu Recht, wird
doch das Wort Trend hier oft mit einen Wochen und Monate andauernden
Investment verbunden. »Trend« hat den bitteren Beigeschmack von extrem
langfristigen Investieren, will doch aber der klassische
Börsenanfänger eigentlich genau das Gegenteil von extremer
Langfristigkeit haben.
Dennoch stellt sich die Frage, warum so viele Anleger, Investoren, aber
auch kurzfristigen Trader nach Trends suchen? Die Antwort ist einfach,
bedarf sie jedoch einer anderen Blickwinkels: Die Suche nach einen
Trend, liegt nicht vordergründig im Willen diesen auch zu handeln
begründet, sondern viel mehr, weil innerhalb eines Trends das Verhalten
von Marktteilnehmern sehr klar zu identifizieren ist. Also wenn ein
Marktteilnehmer einen tendierenden Markt bevorzugt, heißt das nicht,
dass er deswegen den vorherrschenden Trend auch langfristig (gilt auch
bei einem 10-Minuten Chart etc.) durchhandeln möchte.
Nun gut, wie wirds gemacht? Dem Marktteilnehmer stehen klassisch
zwei bekannte Möglichkeiten zur Verfügung: Trendlinien oder
Indikatoren. Das Für und wider der beiden Varianten soll jetzt nicht
Gegenstand der Zeilen werden, vielmehr aber die dritte Möglichkeit
einen Trend zu definieren: nämlich aus der Sicht der Markttechnik.
Dieser ist nicht besser oder schlechter, sondern schlicht: nur Anders.
Ein aufwärts gerichteter Trend ist deswegen ansteigend, weil steigende
Hochs sich mit gleichzeitig ständig ansteigenden Tiefs abwechseln.
Kurz: Ein Hoch ist höher als das Hoch zuvor und ein Tief ist höher als
das Tief zuvor. Daher muss in einem Aufwärtstrend jedem Hoch ein Tief
folgen, das höher liegt als das vorherige Tief, und das neue Hoch muss
höher liegen als das letzte Hoch. Analog andersherum. Die
Trendbeschreibung ist zu vergleichen mit einem Ballspiel: Wenn ein Ball
eine Treppe hinab gestoßen wird, kann das Grundprinzip der
Trenddefinition exakt nachvollzogen und abgeleitet werden: Der
geworfene Ball wird nach der ersten Treppenstufe auf der zweiten Stufe
aufkommen und durch den Schwung zurückprallen. Der Rückpraller wird in
seiner Bewegung nachlassen, und der Ball wird nach einem Totpunkt oder
Wendepunkt wieder nach unten fallen.

Klingt an sich banal einfach, ist in der Umsetzung aber ein wenig
komplizierter. Wenn jedoch die anfänglichen Schwierigkeiten und
vorallem optische Fehlerquellen einmal tiefgründig verstanden und
daraufhin beseitigt sind, sind, ist diese Art der Trenddefinition ein
mächtiges Werkzeug für jeden Marktteilnehmer. (siehe Großes Buch der
Markttechnik oder die aufbauende Buchserie DER HÄNDLER) Link
Buchangebot!
In dem Moment, in welchem die Trenddefinition aus marktechnischer Sicht
kurz betrachtet wurde, muss zeitgleich der vierte Akkord hinzugezogen
werden:
vierter Akkord: Zeiteinheiten
Durch die Abtragung einer Time&Sales-Liste in die verschiedenen
Zeiteinheiten entstehen bei der Zusammenfassung der Kurse immer
unterschiedliche Chartbilder. Okay, an sich auch nichts Neues. Den
meisten Anlegern ist auch klar, das hier der zweite Mosaikstein für die
Liquidität eines Wertes und das Zusammenspiel von Markteilnehmern
liegt. Mit der Vorstellung und Visualisierung der verschiedenen
Zeiteinheiten wird der Börsenhandel zweidimensional. Denn die
Marktteilnehmer können sich nicht nur nach ihren Zielen voneinander
unterscheiden (Arbitrage. Hedging, Strategisches Investment,
Spekulative Ausrichtung) und somit die Gegenseite im Handel stellen,
sondern alle Marktteilnehmer können sich auch in den gehandelten
Zeiteinheiten unterscheiden.
Für den Neuling auf dem Gebiet des Börsenhandels und des Tradings sei
an dieser Stelle angemerkt, dass in den Zeiteinheiten auch die Antwort
auf die häufig gestellte Frage liegt: >Wer nimmt in einem fallenden
Markt eine Long-Position ein und stellt somit die Gegenseite zum
Short-Vertrag? Sehen die Anderen denn nicht, dass der Markt nach unten
stürzt...?<, zu finden ist.
Durch die Betrachtung eines beliebigen Wertes (z.B. Future oder Aktie)
auf unterschiedlichen Zeiteinheiten/-ebenen kann ein und derselbe Wert
unterschiedliche Trends aufweisen. Hier schließt sich die Bedeutung und
Wichtigkeit des vorangegangen dritte Akkords über den Trend deutlich.
Die Pauschalaussage, ein Markt befinde sich in einem Aufwärts- oder
Abwärtstrend, kann in den Märkten so nicht gelten. Es muss immer der zu
der Aussage betrachtete Zeitraum mit erwähnt werden.

Abb. In einem Markt sind unterschiedliche Trends in den verschiedenen
Zeiteinheiten von Nöten
Angesichts des Wissens um die Zeiteinheiten muss der Anleger und ein
Trader sowieso - einen Chart immer aus mehreren Sichten betrachten.
Durch die genaue Betrachtung der Zeiteinheiten ist er in der Lage, das
Zusammenspiel des Trendaufbaus mit seinen Bestandteilen Bewegung und
Korrektur zu erkennen. Der Marktteilnehmer muss wissen, dass einer
Bewegung eine Korrektur folgen muss und befindet sich damit beim
fünften Akkord.
fünfter Akkord: Bewegung und Korrektur






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Michael Voigt |
Michael Voigt ist Autor des Trading-Bestsellers "Das große Buch der Markttechnik" und gehört einer Handelsgruppe für Industriemandate an. Parallel zu seinen Aktivitäten am Terminmarkt leitet der erfahren Börsenhändler seit mehreren Jahren mehrwöchige Workshops und Seminar für fortgeschrittene Händler. Das Wissen, die Erfahrungen und seine ganz persönliche Sichtweise auf die Welt des Tradings vermittelt er zudem in seinen Büchern. So präsentiert Michael Voigt in "Das große Buch der Markttechnik" die grundlegenden Gedankengänge des institutionellen Börsenhandels. Damit verfasste er das erste deutschsprachige Fachbuch, das sich detailliert mit dem markttechnischen Handel auseinandersetzt. In der sechsteiligen, auf den Klassiker "Das Große Buch der Markttechnik" aufbauenden Buchreihe "Der Händler" lässt der Finanzprofi erneut seine langjährigen Erfahrungen auf dem Börsenparkett einfließen. Witzig und tiefgründig beleuchtet er in jedem Band einen anderen Aspekt des Tradings. Dabei greift er auf seinen bewehrten Mix aus Roman und Fachbuch zurück, um Tradern die nicht immer leicht verständliche Materie sehr tiefgründig und scharfsinnig näher zu bringen. Heute lebt Michael Voigt mit seiner Familie in Erfurt und auf Madeira. Alle Artikel dieses Autors anzeigen |
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