Oliver Roth erinnert sich an die ehemals unangefochtene
Wirtschaftsmacht USA und bezweifelt deren Rolle als
Konjunkturlokomotive in der Zukunft.
2. September 2010. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Einst standen die
Sportler der USA bei Olympischen Spielen immer auf dem Treppchen und
oft wurde sogar die amerikanische Nationalhymne im Anschluss
gespielt. Die USA spielten immer die erste Geige und das war auch
der Anspruch den sie an sich hatten. Im Sport, in der
Unterhaltungsindustrie und in der militärischen Stärke ist das so
geblieben. Aber als Wirtschaftslokomotive haben sie den Platz an der
Sonne zuletzt – auch aufgrund der Finanzkrise – eingebüßt. Einige
Experten glauben, dass die Weltökonomie auch ohne Amerika wachsen
kann. Andere glauben das nicht und warnen davor die Rolle der USA zu
unterschätzen. Wie geht es mit der Weltwirtschaft ohne ihren
angeschlagenen Anführer weiter?
Die USA sind mit einer jährlichen Wirtschaftsleistung von über 14,5
Billionen US-Dollar immer noch bei weitem die stärkste
Wirtschaftskraft der Welt. Über 310 Millionen Menschen konsumieren
so stark wie kein anderes Land der Welt. Aber mit der
Wirtschaftsdynamik vergangener Tage ist es vorbei, denn sie haben
jahrelang nur auf Pump gelebt und das ist nun Geschichte. Der
aufgehäufte Schuldenberg lässt ein „weiter so“ schlicht und
ergreifend nicht mehr zu.
Lassen Sie uns mal zusammen einen Blick auf das laufende Konto der
USA wagen. Oder auf das „Land der unbegrenzten Schuldenmacherei“,
wie andere es nennen. 13,3 Billionen Staatsschulden US-Dollar, 16,2
Billionen US-Dollar private Schulden. Dazu kommen zukünftige
Belastungen durch Rückstellungen wie für Pensionen,
Sozialversicherungen, Zinsen, Tilgung und vieles mehr. Zusammen
ergibt das einen implizierten Schuldenstand von sage und schreibe
53,9 Billionen US-Dollar. Und es wird immer mehr. Alleine die
Neuverschuldung des US-Staates beträgt dieses Jahr 1,36 Billionen
US-Dollar.
Dieser gigantische Schuldenberg erklärt, weshalb die Amerikaner nun
umdenken müssen. Denn die Welt ist nicht mehr bereit, diesen Pump zu
finanzieren. Als Reaktion der Bürger auf die unsichere Zukunft stieg
die eigentlich chronisch niedrige Sparquote der US-Amerikaner auf
das aktuelle Rekordniveau von über 6 Prozent. Die Bürger sparen ihr
Geld. Der Konsum ist aber der Motor der US-Wirtschaft und macht 65
Prozent der Wirtschaftskraft aus. Man kann sich also denken, dass
bei einer Arbeitslosenquote von ca. 10 Prozent und den aktuellen
Rahmenbedingungen der Verbrauch weiter rückläufig sein wird. Die
Industrieproduktion trägt hingegen lediglich 12,5 Prozent zum BIP
bei.
Wo also soll das Wachstum in Zukunft herkommen? Barack Obama hat das
auch erkannt und will nun die Exportquote der USA wieder steigern,
indem er das produzierende Gewerbe stärker fördert. Die schnelle
Rettung von General Motors ist deshalb mehr als ein Prestigeobjekt
der US-Regierung. Doch ein ganzer Industriezweig, der seit zwanzig
Jahren brachliegt, kann nicht innerhalb von fünf Jahren wieder
aufgebaut werden. Dieses Projekt braucht Zeit.
Derzeit steht es also schlecht um die ehemalige
Wirtschaftslokomotive. Nach anfänglichen Erfolgen der mit
Konjunkturpaketen teuer erkauften wirtschaftlichen Erholung
stagniert nun das US Wachstum. Der Arbeitsmarkt hat kaum auf die
Erholung reagiert und die Arbeitslosenquote verharrt weiterhin auf
hohem Niveau. Der Immobilienmarkt bleibt fragil, denn die
Verkaufszahlen sind weiter rückläufig. Das erwartete
Wirtschaftswachstum liegt offiziell nur bei maximal 3 Prozent pro
Jahr, trotz noch laufender Konjunkturstimulation. Das ist für eine
Erholung am Arbeitsmarkt zu wenig.
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Oliver Roth, Close Brothers Seydler Bank AG |
Oliver Roth (42) ist Chefhändler und Börsenstratege der Close Brothers Seydler Bank AG.
Roth arbeitet seit 1990 an der Frankfurter Wertpapierbörse und ist seit 11 Jahren bei der Close Brothers Seydler Bank AG, bei der er sowohl Erfahrungen im Rentenhandel als auch im Handel mit deutschen und ausländischen Aktien auf dem Frankfurter Parkett der Deutschen Börse gesammelt hat.
Durch seine knapp 20-jährige Kapitalmarkterfahrung ist er ein geeigneter Gesprächspartner zu Themen über: Wertpapiere (nationale und internationale Aktien & Renten), Special Situations, allgemeinen Themen rund um die Börse sowie deren weitere Entwicklung und Ausblick.
Vor seiner Börsenkarriere war Roth Fußballprofi und wurde in der Saison 1988 / 89 mit Borussia Dortmund DFB-Pokal Sieger. 1999 stieg er mit dem Offenbacher Fußball Club in die 2. Fußball Bundesliga auf.
Medienerfahrung
Seit 2007 kommentiert Roth regelmäßig für verschiedene nationale und internationale Fernsehsender und Radiostationen. Darunter ARD (Tagesschau, Mittagsmagazin), ZDF (Heute Journal), RTL, WDR, HR3, CNBC, Bloomberg, N-TV, und Deutsches Anleger Fernsehen.
Roth wurde in diversen nationalen und internationalen Print und Online Medien als Experte für Wertpapiere, Devisen und Rohstoffe zitiert, z.B. Frankfurter Allgemeine Zeitung, Spiegel, n-tv online, Deutsche Börse Frankfurt News, usw. Für das Anleger-Portal der Deutschen Börse schreibt er regelmäßig einen Kolumne über Kapitalmärkte und sowie die allgemeine Wirtschaftsentwicklung. Während der Kapriolen der Volkswagen-Aktie im Herbst 2008 wurde er zu einem der meistgefragten Interviewpartner der Medien.
http://www.cbseydler.com
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