Auslandsaktien: Das Übernahmekarussell gewinnt an Fahrt



16:27 02.09.10

In der Zeit weltweit steigender Nachfrage gilt es für die Unternehmen, durch strategisch geschickte Übernahmen ein möglichst großes Stück des Kuchens abzubekommen.

    * Appetit auf Burger King
    * Hafenmeldungen aus Asien
    * Gazprom verdreifacht den Gewinn
    * Strategiekorrektur bei Intel


2. September 2010. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Die Auftragsbücher der Unternehmen weltweit füllen sich. Es gebe deutliche Impulse, zum Beispiel die gestrigen Daten vom verarbeitenden Gewerbe. Nach Ansicht von Skontroführer Jan Vrbsky, Baader Bank, hat das zyklischen Titeln wie Rio Tinto und Xstrata zu Aufschlägen zwischen drei und sechs Prozent verholfen. „Die Wirtschaftsdaten aus China und Indien, gepaart mit positiven Nachrichten aus Deutschland und zum Schluss aus den USA, haben die Ängste der Investoren über den Zustand der globalen Wirtschaft vertrieben.“ Die Befürchtungen eines Double Dip-Szenarios in den USA, also eines erneuten Absturzes in die Rezession, seien mit der Ankündigung eines zweiten Konjunkturprogramms erst einmal vom Tisch. Auch aus Australien kommen positive Nachrichten: Dort ist laut Walter Vorhauser von der Close Brothers Seydler Bank das Bruttoinlandsprodukt das höchste seit zweieinhalb Jahren. Die positive Grundstimmung bei den Unternehmen sorge weltweit dafür, dass die Investoren aus dem überhitzten Rentenmarkt raus gingen und sich dem Aktienmarkt zuwendeten. Trotzdem, die positive Trendwende im Aktienmarkt sei noch nicht erreicht, die Handelsumsätze blieben nachhaltig.

Appetit auf Burger King

Auf den Geschmack gekommen seien laut Vorhauser US-Investoren bei dem Fast Food-Unternehmen Burger King (WKN A0JL4A). Die zweitgrößte Hamburger-Kette führe Übernahmegespräche mit der Private-Equity-Firma 3G Capital, ein Abschluss könne schon in wenigen Tagen erfolgen. Als Folge der Nachricht ist der Kurs um rund 16 Prozent nach oben geschossen, die Aktie steht in Frankfurt aktuell bei 15,10 Euro. „Dabei ist das Geschäft ist zuletzt nicht sonderlich gut gelaufen“, sagt der Skontroführer, „zum fünften Mal in Folge musste die Kette einen Quartalsverlust ausweisen.“ Gründe seien die Aktivitäten des Erzrivalen McDonald's, der mit seinen McCafés äußerst erfolgreich aus der Fast-Food-Ecke ausgebrochen sei und die immer noch anhaltende Arbeitslosigkeit in der Zielgruppe. Burger King betreibt 12.000 Restaurants in 75 Ländern.



Hafenmeldungen aus Asien

Der chinesische Containerterminalbetreiber China Merchants Holdings International Co. (WKN 884558) hat zu Wochenanfang gute Geschäftszahlen präsentiert, berichtet Vorhauser. Das Logistikunternehmen mit Aktivitäten in den chinesischen Häfen Hongkong, Shenzhen und Shanghai habe im ersten Halbjahr einen Nettogewinn von 248 Millionen US-Dollar erwirtschaftet, ein Plus von 12 Prozent. „Das Containergeschäft konnte sich in letzter Zeit sehr gut entwickeln“, meint der Skontroführer. Für weitere Wachstumsimpulse sorge ein Engagement mit dem Logistikunternehmen Aitken Spence auf Sri Lanka in Höhe von 450 Millionen US-Dollar. Wie Vorhauser erzählt, gehe es dabei um eine Erweiterung des Hafens von Colombo. "Die Investoren haben das positive Szenario begrüßt." Die Aktie konnte im schwachen Umfeld Anfang der Handelswoche auf aktuell 2,60 Euro zulegen.

Gazprom verdreifacht den Gewinn

Der weltgrößte Erdgas-Produzent, der russische Monopolist Gazprom (WKN 903276) hat am Donnerstagvormittag Zahlen gebracht. „Die Zahlen sind deutlich besser als erwartet ausgefallen“, erläutert Vrbsky. Der Nettogewinn habe sich mit 8,3 Milliarden US-Dollar im Vergleich zum Vorjahresquartal fast verdreifacht. „Sehr gut macht sich die um 30 Prozent reduzierte Nettoverschuldung“, lobt der Skontroführer. Auch der Umsatz stieg um 14 Prozent auf 24,3 Milliarden Euro. Die Aktie, die bereits im Vorfeld gut gelaufen sei, hat heute noch einmal um 1 Prozent zugelegt und steht aktuell bei 16,60 Euro.

Strategiekorrektur bei Intel

Der US-amerikanische Technologieriese Intel (WKN 855681), bislang vor allem im Bereich traditioneller Computerchips engagiert, hat laut Vorhauser seine Gewinnprognose für das laufende Quartal nach unten korrigiert. Der Grund sei in der wachsenden Nachfrage nach Tablet-PCs, vor allem nach iPads, zu suchen. Hier habe Intel bislang nicht mitverdienen können. Das sei nun anders, Intel werde für 1,4 Milliarden US-Dollar WLS, den Wireless-Geschäftsteil von Infineon, übernehmen und damit zu einem wichtigen Zulieferer für Apple. Im Paket enthalten seien auch 72 Prozent der Linzer DICE GmbH, die die Schlüsseltechnologie für den Funkverkehr von 95 Prozent aller Smartphones liefert. Ein weiterer Zukauf sei die durch Antivirenprogramme bekannte Firma McAfee gewesen, diese habe sich Intel 7,68 Milliarden US-Dollar kosten lassen. „Die ganzen Investitionen haben dem Kurs der Aktie nicht so richtig geschmeckt, weil die Investoren damit zunächst mal Kosten verbinden“, erläutert Vorhauser. Das Papier habe seit Mitte Juli gut 20 Prozent nachgegeben und sei nach dem Tief von 13,80 Euro wieder auf Erholungskurs. Aktuell notiert die Aktie bei 14,30 Euro.


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