Ein Wechselkurs bildet stets auch die Performance zweier Volkswirtschaften gegeneinander ab. Eine brummende Wirtschaft lockt ausländische Investoren an und erwirtschaftet mittels Exporten Gewinne im Außenhandel. All dies sorgt für ein Aufwerten der eigenen Währung. So konnte beispielsweise die Deutsche Mark zu Wirtschaftswunderzeiten gegen den Dollar um ein Vielfaches zulegen. Mittlerweile sind die Wirtschaftsräume um Euro und Dollar auf einem Niveau angelangt, wo der eine den anderen nicht mehr auf Wachstumsbasis abzuhängen vermag, sondern eher das tägliche Geschehen eine Rolle spielt. Der jüngste Verfall des Euro hatte unter anderem mit der Instabilität und den Refinanzierungsproblemen südeuropäischer Staaten zu tun. Aktuell gerät der Dollar aufgrund schwacher Aussichten für die amerikanische Konjunktur unter Druck. Es scheint also in der Betrachtung der Wechselkurse grundlegend ein Gesinnungswandel stattgefunden zu haben. Wo früher das Recht des Stärkeren herrschte, lautet die heutige Devise: Möge der Schwächere verlieren! Wenn es niemandem gut geht, dann hackt man auf dem herum, dem es am schlechtesten geht.
Die nächsten vermeintlich schlechten News stehen unmittelbar bevor: Die "non-farm payrolls" aus den Vereinigten Staaten. Dies sind die wichtigsten Daten zum Arbeitsmarkt, die jeweils zum ersten Freitag des Monats veröffentlicht werden. Überall auf den Kapitalmärkten hinterlassen sie ihre Spuren. Bezogen auf den Arbeitsmarkt sind diese vergleichbar mit der Signifikanz einer Notenbanksitzung für die Geldpolitik. Das es dem amerikanischen Arbeitsmarkt nicht gut geht, wissen wir alle. Die Frage lautet also heute wieder: Wie schlecht steht er wirklich da?
Schon die letzten Tage verharrte der EUR/USD-Wechselkurs in einer Seitwärts-Starre. Die Marktteilnehmer brauchen neuen Input. Sie warten gespannt auf die "non-farm payrolls", da sie ein direktes Bild zur amerikanischen Konjunktur und den weiteren Aussichten liefern. Wenn immer weniger Leute eine Stelle besitzen, dann wirkt sich das direkt negativ auf den nach wie vor wichtigsten Motor der US-Wirtschaft aus - den Konsum. Von industrieller Produktion hat man sich dort weitestgehend abgekoppelt, sie macht in den Staaten derzeit nicht einmal mehr 20 Prozent der Wirtschaftsleistung aus. Nicht umsonst forderte Präsident Obama jüngst, diesen mageren Anteil wieder zu erhöhen. Mit diesem ehrgeizigen Vorhaben sind allerdings Jahre gezielter Programme und guter Politik verbunden und es steht zur Debatte, ob dies überhaupt möglich sein wird.
Hinsichtlich der Tatsache, dass die wichtigsten Rentenmärkte der Welt, wie zum Beispiel der Bund-Future in Deutschland, auf Rekordhochs notieren und damit Staatsanleihen zu Niedrigst-Zinsen, auch für Laufzeiten von zehn bis 30 Jahren, ausgegeben werden, lässt sich von daher auf schwache konjunkturelle Aussichten schließen. Wer dazu bereit ist, weniger als drei Prozent an Zins zu akzeptieren, der rechnet nicht wirklich mit einem Wiedererstarken der Wirtschaft oder einer starken Inflation. Dies deutet eher auf eine Deflation hin. Bleibt die Frage, wen es härter treffen wird. Europa hat momentan auch seine ganz eigenen Probleme. Aktuell kocht dort derzeit die Diskussion um den zugewanderten und wirtschaftsschwachen Teil der Bevölkerung hoch. Es gibt den Eklat um Bundesbankvorstand Sarrazin in Deutschland und die Abschiebungen der Roma unter Sarkozy in Frankreich zu beklagen. Dies mag zwar keinen Wechselkurs stürzen, aber mag vielleicht ein Hinweis für anstehende Probleme sein: Unruhen in der Bevölkerung.
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Dirk Friczewsky, Tradingstrategien |
Dirk Friczewsky ist Trader und Analyst bei Friczewsky Financial Markets.
Aktien, Anleihen, Devisen, Indizes und Rohstoffe werden einem
Marktscreening mittels der Technischen Analyse unterzogen und daraus
nachhaltige Tradingstrategien entwickelt. Je nach Marktlage sind die
Trading-Setups für Daytrading oder für mittelfristige bis langfristige
Investitionen geeignet. Mehr Informationen unter www.friczewsky.com.
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