Hält der Höhenrausch des Yens an?



08:57 04.09.10

Der Yen befindet sich seit Monaten in einem Höhenflug. Gegenüber dem US-Dollar ist die japanische Währung sogar auf den höchsten Stand seit 1995 gestiegen und im Vergleich zum Euro ist der Yen so stark wie seit dem Jahr 2001 nicht mehr. Das ist durchaus erstaunlich, denn Japans Wirtschaft zeigt derzeit alles andere als Stärke. Zudem liegt der Leitzins bei null Prozent, was die Währung ebenfalls nicht attraktiv erscheinen lässt. Die Ursache für die Aufwertung des Yens ist daher in erster Linie die gestiegene Risikoaversion an den Märkten. Die Anleger suchen wieder mehr Sicherheit - und die scheint der Yen zu bieten.

Der Yen bietet Sicherheit
Vor allem spricht der Leistungsbilanzüberschuss für den Yen, denn Japan ist dadurch nicht auf ausländisches Kapital angewiesen, um sich zu finanzieren, wie dies z.B. in den USA der Fall ist. Die relative Stabilität des Finanzsystems, das kaum von der Immobilienkrise in den USA betroffen war, spricht ebenfalls für den Yen als sicherer Anlagewährung. Schließlich ist auch die geografische Nähe zur Boomregion Ostasien ein großer Pluspunkt. Nur noch 16 Prozent der japanischen Exporte gehen in die USA, vor einem Jahrzehnt waren es noch mehr als 30 Prozent. Mehr als die Hälfte der Ausfuhren werden dagegen von Asien absorbiert. Das gibt der Wirtschaft Stabilität, denn auch wenn Ostasien mit China an der Spitze im kommenden Jahr langsamer expandieren wird, es bleibt der Wachstumspol der Weltwirtschaft und Japan profitiert davon.

Fällt USD/JPY auf 55 Yen?
Die sich deutlich abkühlende US-Konjunktur und die Finanzierungsschwierigkeiten in der Eurozone auf der einen Seite sowie die relative Stabilität des Yens auf der anderen Seite. Diese Situation wird sich nicht so schnell ändern. Die meisten Devisenexperten aus den Banken gehen daher von einer weiteren Aufwertung der japanischen Währung gegenüber dem Euro und dem Dollar aus. Dabei ist es durchaus möglich, dass USD/JPY unter das bisherige Allzeittief aus dem Jahr 1995 fällt, denn allein schon die Deflation in Japan bedingt eine Aufwertung des Yens: Seit 1995 sind die Konsumentenpreise in Japan um durchschnittlich 0,1 Prozent pro Jahr gefallen, während sie in den USA um 2,5 Prozent pro Jahr gestiegen sind. Um diesen Kaufkraftverlust auszugleichen, müsste der Yen permanent aufwerten. Den Experten der Deutschen Bank zufolge entspräche real gesehen - d.h. unter Berücksichtigung der Inflationsraten - ein Wechselkurs von 55 JPY je Dollar dem Tief von 79 JPY aus dem Jahr 1995. Daraus abzuleiten, USD/JPY müsste bis auf 55 JPY fallen, ist zwar übertrieben, aber es verdeutlicht das Aufwertungspotenzial für den Yen. In Japans Regierung und vor allem bei den Exportunternehmen sieht man das natürlich nicht so. Der starke Yen wird als große Gefahr gesehen. Die Bank of Japan hat in einer Notsitzung beschlossen, weiteres Geld in die Märkte zu pumpen, um die Deflation zu bekämpfen und die Aufwertung zu stoppen. Der nächste Schritt könnte eine direkte Intervention am Devisenmarkt sein. Erfahrungsgemäß bringen diese aber keine Trendwende, sondern allenfalls kurzfristige Kursausschläge.

Fazit
Der Yen wird bei den Anlegern weiter gefragt bleiben als Versicherung gegen einen Abschwung der Weltkonjunktur. Gestoppt werden könnte dieser Trend nur, falls die US-Wirtschaft sich deutlich besser entwickelt als derzeit angenommen. Dann könnte der Dollar gegenüber dem Yen wieder steigen. Interventionen der Bank of Japan dürften nur kurzfristig Erfolg haben und sind eher als günstige Gelegenheit zum Einstieg in eine Short-Position auf USD/JPY oder EUR/JPY zu sehen.

 


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