Die US-Notenbank bleibt bei ihrer expansiven Politik und wird wohl noch expansiver werden. Doch am Aktienmarkt tut sich kaum etwas. Ein Börsenbrief fragt daher: „Wohin fließt denn nun das viele Geld?“
Tja, wohin fließt es?
Am Anleihemarkt, schreibt der Brief, sei aber auch nichts zu holen. „Doch wenn am Anleihenmarkt auch nichts zu holen ist, wo dann? Irgendwo muss das viele Geld doch hin?“
Wo isses nur, wo fließt es hin?
Erstaunlich finde ich immer wieder, dass die Finanzmärkte tatsächlich faktisch unser Leben regieren, doch selbst die Leute, die hier handeln, deren Grundlagen gar nicht verstanden haben. Das Geld fließt auf Konten und bleibt dort. So einfach ist die Antwort.
Entsteht dadurch nun der Wunsch, mehr Assets zu halten, so steigen deren Preise. Dadurch erhöht sich der Gesamtwert der Assets. Das sieht aus als sei nun Geld dorthin geflossen. Doch dem ist nicht so. Das Geld bleibt weiter auf den Konten.
Gäbe es das Argument mit dem Geldfließen wirklich, wäre das Perpetuum mobile erfunden (was man ja manchmal tatsächlich denkt), denn der Geldbestand baut sich in einer Hausse nicht ab, so dass er, wenn er tatsächlich in Assetmärkte fließen könnte, täglich von Neuem fließen könnte.
Komischerweise begreift das kaum jemand. Und trotzdem funktionieren die Märkte ganz gut. Mein Uniprofessor hat dazu immer gesagt: „Die Märkte interessiert es nicht, was man über sie denkt.“ Viele Leute glauben ja sogar an Gott – und trotzdem leben wir alle ein Leben, in dem wir autonome, eigenständige Entscheidungen treffen können.
Es nutzt also nichts, etwas zu sagen. Es ist nur schade um die vielen Worte. Doch was würden wir alle machen, wenn wir nicht mehr den ganzen Tag über falsche Theorien verbreiten könnten? Wahrscheinlich würde genau in diesem Moment die erste wirklich gravierende Krise ausbrechen.
Mit den besten Grüßen!
Bernd Niquet
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Bernd Niquet, Autor |
Bernd Niquet ist promovierter Volkswirt und schreibt Börsenkolumnen und Bücher.
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