(www.emfis.com) Die
Werte aus dem chinesischen Solar-Sektor trumpften diese Woche mit einer starken
Performance auf. Das Solactive China Solar Index Zertifikat (DB2CSL) legte
im Vergleich zur Vorwoche 9,7 Prozent auf 6,24 Euro zu. Der Index enthält
die Aktien von 9 großen chinesischen Solarunternehmen.
Das überwiegend in China produzierende Solarunternehmen Canadian Solar
erhielt in letzter Zeit viel Gegenwind. Die US-Börsenaufsichtsbehörde SEC ermittelt
wegen Verdacht auf fehlerhafte Bilanzen, und erst vor zwei Wochen konnten die
Zahlen für das erste Quartal veröffentlicht werden. Diese Woche folgte nun der
Bericht für das zweite Quartal, der allerdings die Erwartungen der Analysten
nicht ganz erfüllte.
Der Nettogewinn von Canadian Solar betrug 3,2 Millionen US-Dollar,
nachdem das Unternehmen letztes Jahr noch einen Gewinn von 17,7 Millionen
US-Dollar verbucht hatte. Verantwortlich für den Rückgang um 82 Prozent
gegenüber dem Vorjahr waren wechselkursbedingte Verluste wegen des schwachen
Euro in Höhe von 9 Millionen US-Dollar und 4,8 Millionen US-Dollar an
Anwaltskosten in Verbindung mit der Untersuchung der US-Börsenaufsichtsbehörde.
Der Umsatz konnte sich dagegen gegenüber dem Vorjahr auf 328,7 Millionen
US-Dollar nahezu verdreifachen. Für das dritte Quartal rechnet Canadian Solar
mit einem Absatz von Zellen mit einer Leistung zwischen 190 und 200 Megawatt.
Die Gewinnmarge wuchs im Quartalsvergleich von 12,4 auf 13,6 Prozent an, da das
Unternehmen jetzt verstärkt auf Solarzellen aus eigener Produktion
zurückgreifen kann. Bislang wurden überwiegend Solarzellen von Drittanbietern
eingesetzt. Canadian Solar schätzt, dass die Gewinnspanne im dritten Quartal
auf 14,5 bis 15,5 Prozent anwachsen dürfte.
Dennoch scheint die Pechsträhne für Canadian Solar noch nicht vorbei zu
sein, da das Unternehmen jetzt von LDK Solar wegen Vertragsbruchs vor
eine Schiedskommission in Shanghai zitiert wurde. In dem im Jahre 2008
geschlossenen Zuliefervertrag verpflichtete sich Canadian Solar, für einen
Zeitraum von zehn Jahren Wafer für einen festgesetzten Preis abzunehmen.
Canadian Solar hat das Abkommen jedoch einseitig aufgelöst, da von den Solarwafern
letztes Jahr nur 40 Megawatt geliefert wurden und dieses Jahr 80 Megawatt statt
120 und 170 Megawatt . LDK argumentiert hingegen, dass Canadian Solar seinen
Zahlungsverpflichtungen nicht nachgekommen sei. LDK besteht auf die weitere
Gültigkeit des Vertrages und klagt nun auf Schadensersatz.
Solarfun hingegen kommt in den Genuss eines wahren Geldregens. Der
südkoreanische Chemieriese Hanwha Chemical, der im August in das
Unternehmen eingestiegen ist, um Zugang zum chinesischen Markt zu bekommen, hat
angekündigt, bis 2018 mehr als 3 Billionen Won (2,5 Milliarden US-Dollar) in
Solarfun zu investieren. Die Produktionskapazität des Unternehmens soll mit
Hilfe von Hanwha von derzeit 900 Megawatt auf 1,5 Gigawatt erweitert werden.
Auch Yingli Green Energy hatt offenbar große Pläne: Diese Woche wurde
bekannt gegeben, dass Chinas zweitgrößtes Solarunternehmen mit dem
südkoreanischen Siliziumhersteller OCI einen Liefervertrag von 2011 bis
2015 über 442 Millionen US-Dollar abgeschlossen hat. Zwar kann Yingli den Rohstoff
für seine Solarprodukte mittlerweile auch selbst herstellen, doch schafft es
das Unternehmen bisher noch nicht, den ganzen eigenen Bedarf abzudecken. Selbst
wenn man allerdings in Erwägung zieht, dass sich der Vertrag über fünf Jahre
erstreckt, ist das Auftragsvolumen doch sehr hoch. Dazu passt auch, dass Yingli
im Juli zwei neue Werke in Betrieb nahm, die die Jahreskapazität des
Unternehmens voraussichtlich auf 1 Gigawatt steigern werden. Der Konzern
scheint also davon auszugehen, dass die Nachfrage nach Solarmodulen in den
nächsten Jahren deutlich anziehen wird.
Und die Chancen dafür stehen tatsächlich nicht schlecht. In China bietet das
Unternehmen bei vier großen Solarprojekten mit, und in New Jersey und
Kalifornien ist Yingli inzwischen zum größten Lieferanten von
Photovoltaikmodulen avanciert. Während in den USA die Solarförderung auf
Bundesebene einfach nicht in die Gänge kommen will, liegen nun alle Hoffnungen
auf den einzelnen Bundesstaaten, wobei Kalifornien die Vorreiterrolle übernommen
hat. Ende August hat die California Public Utilities Commission (CPUC) den
Vorschlag zur Abstimmung vorgelegt, ein Einspeisevergütungsmodell einzuführen.
Das Programm ist auf 1.000 Megawatt in zwei Jahren angelegt und könnte den
US-amerikanischen Solarmarkt deutlich beleben. Yingli würde mit seiner starken
Marktpräsenz in Kalifornien und den niedrigen Produktpreisen
überdurchschnittlich davon profitieren.
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Rainer Hahn, Emfis GbR |
Rainer Hahn ist seit zehn Jahren in Asien auf der Suche nach den interessanten Investmentmöglichkeiten. Bis Mai 2011 war Rainer Hahn CEODer EMFIS GbR, den führenden Börsenportal für Nachrichten zu den Emerging Markets.
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