Sie erinnern sich, dass ich neulich darauf hinwies, dass die Kurse
von Aktien aber auch anderen Wertpapieren mitnichten
Gleichgewichtskurse sind und die Informationen, die am Markt
verfügbar sind, weit davon entfernt sind ordentlich und effizient
verarbeitet zu werden. Und weil dies so ist, ist es nach meiner
Ansicht möglich den Markt auf Dauer zu schlagen. Was übrigens
Investmentlegenden wie Lynch, Templeton oder Buffett über Jahre bzw.
Jahrzehnte hinweg bewiesen haben. Das wäre aber nicht möglich, wenn
die total verschulte und sich von der Realität wegentwickelte
Finanzmarkttheorie in irgendeiner Weise zutreffen würde. Und so
halte ich es mit Mandelbrod, der die Finanzmarkttheorie massiv
angreift und deren Fundament als nicht mehr tragfähig bezeichnet.
Dass meine Ansicht zutrifft, weil die Märkte massiv manipuliert
werden, zeigen Beobachtungen der Börsenaufsichtsbehörde SEC zu sog.
„Flash Crash“. So zeigen Untersuchungen, dass die Marktteilnehmer an
der New York Stock Exchange, aber sicher auch an anderen Börsen, in
Auftrag gegebene Aufträge zunehmend canceln. Nun hat jeder dafür
Verständnis und auch jedem ist es schon einmal so gegangen, dass er
eine Order aufgab und – aus welchen Gründen auch immer – wieder
zurückgezogen hat. Das kann natürlich auch einem Profi passieren.
Aber wenn von täglich 1.247 Mrd. gehandelten Aktien 89.704 Mrd.
Trades oder 1 % des gesamten Volumens gecancelt, also rückgängig
gemacht werden, dann ist das kein Versehen mehr. Da steckt bloße
Absicht dahinter.
Und so ist das, was von der Wall Street zum Teil praktiziert wird
und unter der Aufsicht der SEC offensichtlich auch praktiziert
werden darf, unglaublich und zutiefst verwerflich.
Die zweite Manipulationsform ist das sog. „sub-penny-pricing“. D.h.
dass man mit sehr hohen Aufträgen in Bruchteilen von Cents versucht
den Kurs in eine Richtung zu drängen. So dass selbst die SEC
feststellen muss, dass die Kurse weit weg von dem eigentlichen
tatsächlichen Preis sind („…far away from the actual price at which
a stock is trading“). Und nicht nur die sagt das. Auch Händler wie
Sean Hendelmann von T3 sagen, dass diese Manipulationen ein Bild
zeichnen, dass nicht mehr der Realität entspricht („..the practice
creates an inaccurate picture of true supply and demand for stock“).
Wobei die Lösung dieses Problems eigentlich relativ einfach wäre.
Man bräuchte nur die Preise für das Rückgängigmachen von Aufträgen
deutlich nach oben setzen. Und vielleicht muss man auch darüber
nachdenken, ob man Mindesthandelsbeträge festsetzt, damit das „sub
–penny-pricing“ endlich ein Ende findet.
Das liegt eigentlich auf der Hand. Wieso ist das aber so schwer? Das
kann ich Ihnen sagen. Weil diejenigen wie der amerikanische
Präsident, die gegen Missbrauch vorgehen, von jenen die den begehen,
in Form von niedrigeren Spendengeldern abgestraft werden. So dass
mittlerweile kolportiert wird, dass die Wall Street Obama im Stich
lässt und die Republikaner finanziell unterstützt. Auch wird zum
Teil in den Geschäftsberichten der Betroffenen massive Kritik am
amerikanischen Präsidenten laut. Wobei man sich schon fragen darf,
ob das der geeignete Rahmen ist. Dennoch glaube ich, dass sich die
Wall Street einen schlechten Dienst erweist. Denn dieser Präsident,
der heiße Eisen anpackt und deshalb in der Beliebtheitsskala
verständlicherweise Abschläge hinnehmen muss, ist stärker als
mancher Geldhai denkt. Und so könnte dieses Verhalten ein
Riesen-Eigentor werden. Was ich diesen Manipulateuren der Wall
Street auch wünsche.
Was aber können wir dagegen tun? Ganz einfach. Lassen Sie sich von
der angelsächsischen Geschwindigkeit nicht anstecken. Und bleiben
Sie Deutsch. Gehen Sie vielen der Finanzbranche, die Ihnen
suggerierten dass Ihr Heil im schnelleren Umschlagen von
Wertpapieren, dem kurzen Trade, steckt nicht auf den Leim. Denn das
Gegenteil ist der Fall. Nicht umsonst gibt es die alte Börsenregel:
„Hin und Her macht Taschen leer“. Denn am Umschlag verdienen doch
nur die Banken und Broker.

|
Norbert Lohrke, Globalyze Invest AG |
Diplom-Volkswirt Norbert Lohrke betreibt seit 2004 www.globalyze.de mit seiner einzigartigen voll-automatisierten fundamentalen Aktienauswahl. Daraus resultieren renditeträchtige Produkte wie Top10 Plus, Top Flop, Value Börsenbrief und der Aktienfonds Globalyze QuantValue (A1JL1H). Nicht zuletzt aufgrund seiner Erfahrungen aus Wirtschaftsprüfung und Bewertung sowie seiner kritischen Betrachtungsweise ist der Investmentprofi einer der meistgelesenen Wirtschaftsautoren im deutschsprachigen Raum. Sein Slogan? „Rendite ist kein Zufall“
Alle Artikel dieses Autors anzeigen |
|
Wenig Rückenwind Berndt Ebner, Der-Trading-Coach.com (10:16) |
|
|
Wie weit geht die ... Jochen Steffens, Stockstreet GmbH (10:12) |
|
|
Deutscher Aktienmarkt ... IG Markets, (10:06) |
|
|
DAX Future ... trading notes future, (10:05) |
|
|
Erst Informieren - dann ... Lars Brandau, Deutscher Derivate Ve. (10:04) |
|
|
First Berlin - BALDA ... First Berlin Equity Re., (09:47) |
|
|
Erste Umsätze bereits ... Björn Junker, GOLDINVEST.de (09:23) |
|
|
K+S: Keine Anzeichen ... Heiko Weyand, Derivateexperte HSBC. (09:13) |
|
|
DAX - Tagesausblick ... H. Weygand, Godmode-Trader (08:54) |
|
|
FMC AG & Co. KGaA ... Jörg Scherer, HSBC Trinkaus (08:38) |
|
|
EUR/JPY - Die ... Robert Schröder, Elliott-Waves.com (13.02.12) |
|
|
Wochenausblick Euro-... Markus Fugmann, actior AG (13.02.12) |
|