Wall Street Manipulateure



09:20 06.09.10

Sie erinnern sich, dass ich neulich darauf hinwies, dass die Kurse von Aktien aber auch anderen Wertpapieren mitnichten Gleichgewichtskurse sind und die Informationen, die am Markt verfügbar sind, weit davon entfernt sind ordentlich und effizient verarbeitet zu werden. Und weil dies so ist, ist es nach meiner Ansicht möglich den Markt auf Dauer zu schlagen. Was übrigens Investmentlegenden wie Lynch, Templeton oder Buffett über Jahre bzw. Jahrzehnte hinweg bewiesen haben. Das wäre aber nicht möglich, wenn die total verschulte und sich von der Realität wegentwickelte Finanzmarkttheorie in irgendeiner Weise zutreffen würde. Und so halte ich es mit Mandelbrod, der die Finanzmarkttheorie massiv angreift und deren Fundament als nicht mehr tragfähig bezeichnet.

Dass meine Ansicht zutrifft, weil die Märkte massiv manipuliert werden, zeigen Beobachtungen der Börsenaufsichtsbehörde SEC zu sog. „Flash Crash“. So zeigen Untersuchungen, dass die Marktteilnehmer an der New York Stock Exchange, aber sicher auch an anderen Börsen, in Auftrag gegebene Aufträge zunehmend canceln. Nun hat jeder dafür Verständnis und auch jedem ist es schon einmal so gegangen, dass er eine Order aufgab und – aus welchen Gründen auch immer – wieder zurückgezogen hat. Das kann natürlich auch einem Profi passieren. Aber wenn von täglich 1.247 Mrd. gehandelten Aktien 89.704 Mrd. Trades oder 1 % des gesamten Volumens gecancelt, also rückgängig gemacht werden, dann ist das kein Versehen mehr. Da steckt bloße Absicht dahinter.

Und so ist das, was von der Wall Street zum Teil praktiziert wird und unter der Aufsicht der SEC offensichtlich auch praktiziert werden darf, unglaublich und zutiefst verwerflich.

Die zweite Manipulationsform ist das sog. „sub-penny-pricing“. D.h. dass man mit sehr hohen Aufträgen in Bruchteilen von Cents versucht den Kurs in eine Richtung zu drängen. So dass selbst die SEC feststellen muss, dass die Kurse weit weg von dem eigentlichen tatsächlichen Preis sind („…far away from the actual price at which a stock is trading“). Und nicht nur die sagt das. Auch Händler wie Sean Hendelmann von T3 sagen, dass diese Manipulationen ein Bild zeichnen, dass nicht mehr der Realität entspricht („..the practice creates an inaccurate picture of true supply and demand for stock“).

Wobei die Lösung dieses Problems eigentlich relativ einfach wäre. Man bräuchte nur die Preise für das Rückgängigmachen von Aufträgen deutlich nach oben setzen. Und vielleicht muss man auch darüber nachdenken, ob man Mindesthandelsbeträge festsetzt, damit das „sub –penny-pricing“ endlich ein Ende findet.

Das liegt eigentlich auf der Hand. Wieso ist das aber so schwer? Das kann ich Ihnen sagen. Weil diejenigen wie der amerikanische Präsident, die gegen Missbrauch vorgehen, von jenen die den begehen, in Form von niedrigeren Spendengeldern abgestraft werden. So dass mittlerweile kolportiert wird, dass die Wall Street Obama im Stich lässt und die Republikaner finanziell unterstützt. Auch wird zum Teil in den Geschäftsberichten der Betroffenen massive Kritik am amerikanischen Präsidenten laut. Wobei man sich schon fragen darf, ob das der geeignete Rahmen ist. Dennoch glaube ich, dass sich die Wall Street einen schlechten Dienst erweist. Denn dieser Präsident, der heiße Eisen anpackt und deshalb in der Beliebtheitsskala verständlicherweise Abschläge hinnehmen muss, ist stärker als mancher Geldhai denkt. Und so könnte dieses Verhalten ein Riesen-Eigentor werden. Was ich diesen Manipulateuren der Wall Street auch wünsche.

Was aber können wir dagegen tun? Ganz einfach. Lassen Sie sich von der angelsächsischen Geschwindigkeit nicht anstecken. Und bleiben Sie Deutsch. Gehen Sie vielen der Finanzbranche, die Ihnen suggerierten dass Ihr Heil im schnelleren Umschlagen von Wertpapieren, dem kurzen Trade, steckt nicht auf den Leim. Denn das Gegenteil ist der Fall. Nicht umsonst gibt es die alte Börsenregel: „Hin und Her macht Taschen leer“. Denn am Umschlag verdienen doch nur die Banken und Broker.



Beherzigen Sie das und legen Sie nicht kurzfristig an. Sondern nehmen Sie sich Zeit. Wie die Saat auf den Feldern, die auch nicht von heute auf Morgen ihren Ertrag bringt, so ist es auch auf den Wertpapier-Feldern an den weltweiten Börsen. Alles braucht und hat seine Zeit.

Und seien Sie so klüger als die großen Manipulateure in Frankfurt, London, an der Wall Street oder anderswo. Denn für die Manipulation von Menschen, die als Beeinflussung eines oder mehrerer Menschen zu seinem Nachteil definiert ist, gehören immer zwei. Der Manipulierende oder Manipulateur und der Manipulierte.

Durchbrechen Sie ab heute ganz einfach dieses Spiel, in dem Sie von nun an mittelfristig und fundamental anlegen. Und lassen Sie den anderen in Ihren Hamsterrädern die Puste ausgehen. Denn kurzfristig schnell laufen ist nicht die Kunst. Langfristig stetig das Tempo halten hingegen schon. Beim Laufen wie bei der Anlage.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag und stets hohe Renditen.

Ihr Norbert Lohrke

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Über den Autor
 
Autor: Norbert Lohrke Norbert Lohrke,
Globalyze Invest AG

Diplom-Volkswirt Norbert Lohrke betreibt seit 2004 www.globalyze.de mit seiner einzigartigen voll-automatisierten fundamentalen Aktienauswahl. Daraus resultieren renditeträchtige Produkte wie Top10 Plus, Top Flop, Value Börsenbrief und der Aktienfonds Globalyze QuantValue (A1JL1H). Nicht zuletzt aufgrund seiner Erfahrungen aus Wirtschaftsprüfung und Bewertung sowie seiner kritischen Betrachtungsweise ist der Investmentprofi einer der meistgelesenen Wirtschaftsautoren im deutschsprachigen Raum. Sein Slogan? „Rendite ist kein Zufall“

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