Fast jedes Kind kennt die Ermahnung: „Mit Lebensmitteln spielt man nicht“. Nun will die Europäische Union diesen Vorsatz auf die Rohstoffmärkte übertragen. Die Spekulation mit Agrarrohstoffen, Erdöl und Metallen soll eingeschränkt werden. Doch muss das Handeln mit Rohstoffen wirklich anders behandelt werden als die Geschäfte mit Aktien oder Anleihen?
Die Gegner von Spekulationen mit Agrarrohstoffen argumentieren, dass durch die Transaktionen an den Terminmärkten die Auswirkungen von Missernten verstärkt und damit vor allem die Ärmsten der Armen getroffen würden. Wenn beispielsweise Reis wegen Dürre oder Überschwemmung auf der Welt knapp wird, würden Spekulanten den Knappheitspreis in Höhe treiben und damit den Hunger in den Entwicklungsländern verschärfen. Dass es zu diesen manchmal dramatischen Entwicklungen kommt, hat auch etwas damit zu tun, dass viele Rohstoffmärkte sehr klein und intransparent sind. Wenn ein Großauftrag eingeht, folgen gewaltige Preisbewegungen. Das ist auf dem Reismarkt, aber auch bei Kakao oder Kupfer zu beobachten. Dagegen hilft nur, eine größere Übersichtlichkeit zu schaffen. So veröffentlicht die amerikanische Terminaufsicht CFTC jede Woche sämtliche Positionen von kommerziellen Marktteilnehmern. Daraus lässt sich ablesen, ob ein Preis aus Angebot und Nachfrage vieler Akteure oder nur aus den Geschäften weniger großer entsteht. Diese Transparenz sollte auch in London geschaffen werden.
Um Übertreibungen weiter einzudämmen, wäre ein höherer Kapitaleinsatz hilfreich. So könnten alle Marktteilnehmer verpflichtet werden, mindestens 50 Prozent ihres Handelsvolumens als Sicherheitsleitung zu hinterlegen. Und nicht zuletzt könnte darauf gedrungen werden, dass alle Geschäfte über regulierte Börsen und nicht in anonymen Darkrooms laufen. Die beiden letzten Punkte sollten im übrigen nicht nur für Rohstofftransaktionen, sondern für alle derivativen Geschäfte gelten. Unter diesen Bedingungen sind Rohstoffe eine Anlageklasse wie jede andere.
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Stefanie Burgmaier, BÖRSE ONLINE |
Stefanie Burgmaier ist Chefredakteurin des Anlegermagazins Börse Online. In dieser Funktion ist die gelernte Bank- und studierte Diplom-Kauffrau auch für den Internetauftritt www.boerse-online.de und das Anlegerschutzportal www.graumarktinfo.de verantwortlich. Das Magazin, das sich mit Aktien, Zertifikaten, Fonds, Anleihen und Privaten Finanzen beschäftigt, erscheint jeden Donnerstag. Neukunden erhalten ein vierwöchiges Probeabonnement zum Vorzugspreis.
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