Schwellenländer-Börsen: Wann kommt endlich die Entkopplung?



12:30 09.09.10

Die Entkopplungs-Theorie gibt es schon seit einigen Jahren. Sie besagt,
dass sich die Börsen der wachstumsstarken Schwellenländer früher oder
später von der Entwicklung an der Wallstreet und an den übrigen großen
Aktienmärkten im Westen "abkoppeln" werden. Ein solcher Ansatz ist nahe
liegend, denn das volkswirtschaftliche Wachstum in den Emerging Markets
liegt schon seit drei Jahrzehnten deutlich über dem der bereits
entwickelten Industrienationen. Dies gilt in besonders hohem Maße für
die wachstumsstarken asiatischen Länder.

Noch gibt die Wallstreet allerdings auch in Asien die Richtung vor --
zumindest in groben Zügen. Dies liegt vor allem daran, dass die meisten
Marktteilnehmer die Weltwirtschaft noch als "großes Ganzes" begreifen.
Dementsprechend sind Hiobsbotschaften aus den USA auch gleichzeitig
schlechte Nachrichten für die asiatischen Handelspartner -- und
umgekehrt. Zwar ist diese Sicht der Dinge eigentlich nur noch für
Unternehmen und Branchen haltbar, die tatsächlich noch stark vom
Welthandel abhängen (Elektronik, Rohstoffe, Autos, Textilien etc.). Für
Aktien von binnenwirtschaftlich orientierten asiatischen Unternehmen
sind Kennzahlen wie etwa das US-Verbrauchervertrauen eigentlich
irrelevant. Dennoch haben sich die Marktteilnehmer daran gewöhnt, dass
"allem mit allem zusammengehört", und deshalb auch in die gleiche
Richtung laufen müsse.

Hinzu kommt, dass viele der global agierenden Investoren die
Schwellenländer-Aktien weiterhin als riskante Investments einstufen.
Deshalb sind es in unsicheren Zeiten gerade die Titel aus den Emerging
Markets, die als Erste aus den Depots fliegen. Dabei macht sich dann
kaum jemand die Mühe, die tatsächlichen Gegebenheiten zu analysieren. In
der Finanzkrise beispielsweise hätten viele Anleger gut daran getan,
ihre chinesischen Aktien zu behalten, denn das Reich der Mitte erwies


sich gegen den globalen Kollaps nahezu als immun. Dennoch wurden auch
diese Werte wider alle Vernunft abverkauft.

Die gute Nachricht ist allerdings, dass die erhoffte Entkopplung
trotzdem längst stattfindet. Viele Marktteilnehmer haben dies zwar noch
nicht bemerkt, denn der Prozess vollzieht sich eher schleichend. Auf
lange Sicht wird aber deutlich, dass die Emerging Markets die hiesigen
Börsen schon abgehängt haben. So sind die Schwellenländer-Indizes in den
letzten 10 Jahren um mehr als 100 Prozent gestiegen, während die
Durchschnitts-Rendite an den West-Börsen unterhalb von Null lag.
Gleichzeitig fließt den Schwellenländer-Börsen netto immer mehr
ausländisches Kapital zu, das von den hiesigen Börsen abgezogen wird.
Mittlerweile wurde auch der Bewertungsabschlag der
Schwellenländer-Aktien (auf KGV-Basis) abgebaut, während er im
zurückliegenden Jahrzehnt durchschnittlich bei etwa 30 Prozent lag. Dies
war auch längst überfällig, denn das durchschnittliche Wachstum der
Unternehmensgewinne ist dort seit langem deutlich höher.

2009 lag der Anteil der Schwellenländer an der globalen
Wirtschaftsleistung bereits bei 50 Prozent. Dagegen liegt die Gewichtung
von Schwellenländer-Aktien in den Depots der global agierenden
Großanleger derzeit nur bei 6 Prozent. Dementsprechend ist es
unumgänglich, dass den Emerging Markets künftig verstärkt Kapital
zufließen wird, und die "schleichende Entkopplung" sich fortsetzt.
Anleger, die sich auf diese Entwicklung einstellen, können in den
kommenden Jahren weit überdurchschnittliche Renditen erzielen.

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Über den Autor
 
Autor: Rainer Hahn Rainer Hahn,
Emfis GbR

Rainer Hahn ist seit zehn Jahren in Asien auf der Suche nach den interessanten Investmentmöglichkeiten. Bis Mai 2011 war Rainer Hahn CEODer EMFIS GbR, den führenden Börsenportal für Nachrichten zu den Emerging Markets.

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