USD/JPY: Auf dem Weg zum Allzeit-Tief! Amerika am Ende?



17:32 10.09.10

Keine Frage - wir sind Zeugen eines Jahres extremer Bewegungen, beziehungsweise historischer Kursausschläge am Devisenmarkt. Mit einem Verfall des Euro in der ersten Jahreshälfte hätte wohl niemand gerechnet, genauso wenig wohl damit, dass im zweiten Halbjahr der Dollar das Sorgenkind unter den Währungen sein wird. Ein Erstarken des Franken hinsichtlich der Krise ist zumindest absehbar gewesen, hat mittlerweile jedoch auch grandiose Züge angenommen. In der letzten Zeit sind wir im Besonderen immer auch auf den Wechselkurs Dollar-Yen (USD/JPY) eingegangen, da die aktuelle Bewegung mittlerweile auch den letzten Trader oder Analysten überrascht haben dürfte, denn vom Jahreshoch bei knapp USD/JPY 95,00 sind wir nun direkt auf ein neues Tief bei USD/JPY 83,3400 gefallen. Ein derart ausgeprägtes Symptom spricht für tiefsitzende Schwierigkeiten und bringt eine Vielzahl von Problemen mit sich.

Das eigentlich Faszinierende ist zuerst die Bewegung an sich. Seit dem Trendbruch Mitte Mai und dem Beginn der Bewegung wurde jederzeit eine Konsolidierung erwartet, zumindest eine kurze Seitwärtsphase, wenn nicht sogar ein Rebound. Seit Ende 2008 hat sich mit der Zone um USD/JPY 90,00 ein stabiles Niveau mit zahlreichen Unterstützungen für den Wechselkurs etabliert. Wenn Sie zu den Lesern dieser Kolumne gehören, dann haben Sie mitbekommen, wie wir bereits zur Marke von 88 und dann 85 unser Statement abgaben. Solche extremen Bewegungen sieht man wohl selten, doch die Realität beweist einmal mehr, dass es sie dennoch gibt. Wie gesagt, so wenig Japanische Yen hat man seit über 15 Jahren nicht mehr für einen Dollar berappen müssen.

Vor mehr als 15 Jahren stand die japanische Wirtschaft jedoch in einem ganz andern Licht. Die Produktion und der Export liefen hervorragend, japanische Autos wurden technisch konkurrenzfähig und im Preis fast nicht zu schlagen, die Elektronik hatte ihren Siegeszug in den Haushalten des Westens schon lange angetreten. Der britischen Automobilindustrie wurde praktisch der Todesstoß verpasst, auch die deutschen Unternehmen hatten schwer zu kämpfen. Vor allem das japanische Just-in-Time-Prinzip machte von sich reden. Zu Recht! Europa brauchte eine Weile, um die Rückstände auszugleichen. Und die Japaner glänzten mit einer brummenden Wirtschaft. Dann kam die Asienkrise im Jahre 1998, aus der sich Japan bisher noch nicht wirklich Befreien konnte. Japan ächzt unter der höchsten Staatsverschuldung aller Industrieländer und hat seit Jahren einen Leitzins im Null-Prozent-Bereich. Ausgerechnet jetzt erreicht der US-Dollar zum Yen also wieder ein Niveau wie zuletzt zu den Boom-Zeiten Japans.

Das knappe Fazit muss fast zwingend so lauten, dass es den Amerikanern gegenwärtig einfach noch schlechter geht, als allen anderen. In der Tat scheint sich ein gewaltiger Sturm zusammenzubrauen, entgegen all dem optimistischen Gerede aus Wirtschaft und Politik. Die Konjunkturprogramme versiegen, die Arbeitslosigkeit steigt, der Konsum ist rückläufig, vor allem die Privatverschuldung erdrückend. Auf dem gesamten amerikanischen Immobilienmarkt lasten mittlerweile Schulden, die auf 163 Prozent des Wertes des gesamten Marktes kommen. Genau: Der durchschnittliche amerikanische Hausbesitzer muss auf seine Immobilie mehr Schulden abstottern, als diese an Gegenwert darstellt. Das gab es noch nie! Auch sind keine Lösungen in Sicht.



Börsenkurse und gerade auch Devisenkurse sind wie Spiegel. Ja sie antizipieren eine Entwicklung gar, wie Frühindikatoren für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung. Vielleicht nimmt USD/JPY hier eine gewisse Entwicklung vorweg. Ein Ende der Bewegung ist nicht in Sicht, seit auch die Marke von 84,00 unterboten wurde. Vielleicht schreitet die Japanische Notenbank (BoJ) tatsächlich ein und interveniert, hier wird man den News folgen müssen. Das Bild spricht jedoch einmal mehr für den ungesunden Zustand der globalen Wirtschaft. Eine Intervention könnte von selbigem erfolg gekrönt sein, wie man es bei der SNB registrieren kann > einfach am Markt verpufft!

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Über den Autor
 
Autor: Dirk Friczewsky Dirk Friczewsky,
Tradingstrategien

Dirk Friczewsky ist Trader und Analyst bei Friczewsky Financial Markets. Aktien, Anleihen, Devisen, Indizes und Rohstoffe werden einem Marktscreening mittels der Technischen Analyse unterzogen und daraus nachhaltige Tradingstrategien entwickelt. Je nach Marktlage sind die Trading-Setups für Daytrading oder für mittelfristige bis langfristige Investitionen geeignet. Mehr Informationen unter www.friczewsky.com.

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