Wissen Sie, wo Sie am 15. September 2008 gewesen sind? An diesem Montag meldete die amerikanische Investmentbank Lehman Brothers Insolvenz an. An dem Wochenende davor war in vielen Geheimsitzungen versucht worden, noch eine Rettung für das angeschlagene Institut zu organisieren. Doch der damalige US-Finanzminister Hank Paulson blieb hart und war zu keiner weiteren Stützungsmaßnahme bereit. „Finanzkrise markiert neuen Höhepunkt“, titelte BÖRSE ONLINE damals. Denn es war absehbar, dass das Aus von Lehman dramatische Auswirkungen auf den Finanzsektor und die Aktienmärkte haben wird. Die Indizes fielen in den kommenden Monaten deutlich, viele Anleger verloren viel Geld, große Finanzkonzerne kämpften ums Überleben, die Notenbanken schwemmten die Märkte mit Liquidität, Unternehmen wurden in den Abwärtsstrudel mitgerissen, die Regierungen stießen milliardenschwere Konjunkturprogramme an.
Zwei Jahre nach dem historischen Montag hat sich die Lage wieder beruhigt. Die deutsche Wirtschaft wächst wieder, die dynamischen Schwellenländer stützen die Weltkonjunktur und viele Aktienkurse sind wieder dort angelangt, wo sie vor 24 Monaten schon einmal standen. Ist also alles wieder gut? So einfach ist die Situation leider nicht. Noch ist es den Notenbanken nicht gelungen, die enorme Geldschwemme an den Märkten zu stoppen. Noch ist nicht entschieden, ob es langfristig zu Inflation kommt oder ob wir in eine Phase der Deflation abdriften. Noch gibt es keine weltweiten Regeln, wie eine Finanzkrise solchen Ausmaßes in Zukunft verhindert werden kann. Zwar haben Notenbanker und Finanzaufseher erste Verschärfungen verabschiedet, aber diese reichen nicht aus. Noch haben viele Anleger kein Vertrauen in die Finanzmärkte zurück gewonnen. Viele durch die Lehman-Pleite geschädigten Privatleuten bemühen sich noch immer, an ihr Geld zu kommen. Wer sich davon nicht schrecken lässt und wer die dramatischen Tage noch einmal nacherleben will, sollte sich auf eine Finanztour zu den Orten der Entscheidungen quer durch New York begeben.
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Stefanie Burgmaier, BÖRSE ONLINE |
Stefanie Burgmaier ist Chefredakteurin des Anlegermagazins Börse Online. In dieser Funktion ist die gelernte Bank- und studierte Diplom-Kauffrau auch für den Internetauftritt www.boerse-online.de und das Anlegerschutzportal www.graumarktinfo.de verantwortlich. Das Magazin, das sich mit Aktien, Zertifikaten, Fonds, Anleihen und Privaten Finanzen beschäftigt, erscheint jeden Donnerstag. Neukunden erhalten ein vierwöchiges Probeabonnement zum Vorzugspreis.
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