Diktat der Märkte



09:57 24.09.10

„Noch vor Jahren sah ich nicht die Notwendigkeit mich intensiv mit den Marktströmungen oder der Wirtschaft auseinanderzusetzen. Schließlich war ich doch ein Bottom-up Investor oder auch Stockpicker genannt, der so etwas nicht nötig hatte. Allerdings hat mich gerade die jüngste Krise gelehrt, dass es nicht sehr sinnvoll ist, den Blick für das Gesamte aus dem Auge zu verlieren.“

Das sind die Worte von David Einhorn, Gründer des Hedge Fonds Greenlight Capital. Der 1996 mit 900.000 Dollar, die Hälfte davon von seinen Eltern geborgt, startete und inzwischen mit 25 Angestellten, davon 9 Analysten und 1 Händler, monatliche Renditen von +25 % einfährt. Und der dadurch Berühmtheit erlangte, weil er Lehman Brothers bereits Anfang 2008 leerverkauft hat. Und ihm dieser Deal sicherlich nicht schlecht bekommen ist.

Und auch Nouriel Roubini, der als einer der wenigen, der die Finanzkrise kommen sah, hat neulich folgendes gesagt: „Ich bin ein Graham and Dodd Value Investor und geopolitische Dinge interessierten mich noch vor 10 Jahren überhaupt nicht. Aber jetzt sind sie unverzichbar.“

Dass diese Aussagen nicht ganz zu Unrecht getroffen werden und die Stockpicker schwere Zeiten durchleben, zeigen folgende Zahlen bzw. Statistiken der amerikanischen Morningstar. Während von 1995 bis 2007 noch 50 % der Fonds, die auf große, schnell wachsende Unternehmen setzten über dem Marktdurchschnitt performten, waren es im letzten Jahr nur noch 24 %. Dabei ist eine recht interessante Veränderung zu beobachten.

So änderte sich die Korrelation der Aktien zu den zugrundeliegenden Indices, auch relative Stärke genannt, recht deutlich. Zur Erläuterung: Die relative Stärke gibt an, wie stark sich eine Aktie im Gleichklang mit dem Index entwickelt. Je höher die relative Stärke ist, desto Index-unabhängiger entwickelt sich eine Aktie. Das heißt eigentlich nichts anderes, als dass die Zahlen des Unternehmens, also die individuelle Situation des Unternehmens besser ist als der Durchschnitt. Was der Grund für das Stockpicking ist. Wer nämlich die Aktien findet, die sich relativ stärker entwickeln, kann auch den Markt schlagen.

Nun ist das keine leichte Aufgabe. Man muss sich nur einmal die Entwicklung der meisten Aktienfonds, die den Anlegern von ihren Banken untergejubelt werden, anschauen. Dann bekommt man einen Einblick wie schlecht die Performance zuweilen ist. Und die ist noch schlechter geworden.

Denn lag die Korrelation der Aktien zum amerikanischen S&P 500 Index in den Jahren 2000 bis 2006 noch bei 27 % - was auf eine große Unabhängigkeit der Aktien hindeutet – so stieg sie in 2003 mit Beginn des Irak Krieges auf 60 %. Und die jüngste europäische Schuldenkrise schaffte sogar den stolzen Negativ-Korrelations-Rekordwert von 80 %! Wobei der Wert vor, des von unfähigen Europapolitikern verursachten Schlamassels, bei 40 % lag. Zuletzt war der Wert bei ca. 66 %.

Nun will ich Sie hier nicht mit Zahlen totschlagen. Viel interessanter ist schließlich die Aussage, die uns die Zahlen nahelegen. Wobei diese gar nichts wirklich Neues ist. Die schlichte Botschaft lautet:

Der Wert der meisten Aktien kann sich den großen, politisch oder wirtschaftlich verursachten Krisen, nicht entziehen. Ob gut oder schlecht, in Krisenzeiten sitzen alle im gleichen Boot und werden kräftig durchgeschaukelt.

Nun könnte man als schlichtes Gemüt auf den Gedanken kommen, dass es doch keinen Sinn macht Aktien zu kaufen, weil es eigentlich egal ist, ob man die Richtige auswählt. Weil selbst ein gut laufendes und solides Unternehmen nicht vor Kursverlusten geschützt ist. Wenngleich das eigentlich nicht angemessen und ungerecht ist. Dagegen kann man erst einmal nichts sagen. Wenn man denn nur kurzfristig orientiert ist. Aber gerade Unternehmen wie z.B. die Nike, die gestern die Quartalszahlen vorlegte oder unsere Aurubis AG, ehemalige Norddeutsche Affinerie AG, sprechen eine andere Sprache und beweisen das Gegenteil. Schauen Sie sich da ruhig einmal die 10 Jahrescharts an.

Zwar haben die natürlich auch eine Delle bekommen, wie sollte es auch anders sein. (Alles andere würde bedeuten, dass die Menschen an der Börse rational unterwegs sind. Und wer die Menschen halbwegs kennt, weiß dass dies nicht der Fall ist. Sondern genau das Gegenteil passiert. An der Börse lassen sie sich mehr als anderswo von ihren Gefühlen wie Angst und Gier leiten). Allerdings haben sie die locker weggesteckt und sind bereits auf dem Weg zu neuen Höhen.



Und so widerspreche ich den Roubinis und Einhorns dieser Welt. Dem Diktat der Märkte muss man sich nach wie vor nicht unterwerfen. Stockpicking und Value Investment ist nach wie vor die einzige rational nachvollziehbare und nachweislich erfolgreiche Methode langfristig den Markt zu schlagen. Wobei man natürlich etwas Geduld aufbringen muss. Und auch starke Nerven. Und ein Grundvertrauen in die Zukunft. Aber mal unter uns. Brauchen wir nicht für alles was gut werden soll genau diese Zutaten?

Und schließlich gibt es auch bei der höchsten Korrelation von 80 % noch 20 %, die auch kurzfristig sich nicht beugen. Insofern müssen jetzt nicht die Daytrader über mich herfallen. Auch sie haben natürlich ihre Berechtigung, auch wenn die wenigsten damit wirklich erfolgreich sind.

Die Botschaft:

Auch, wenn gute Unternehmen einer Krise nicht aus dem Weg gehen können und ebenfalls getroffen werden, so erholen sie sich umso schneller und gehen gestärkt daraus hervor. Man muss als Anleger nur die Kraft aufbringen, seiner einmal getroffenen Entscheidung und Auswahl zu vertrauen. Und da liegt die Crux. Wenn die Entscheidung sorgfältig und auf Daten und Fakten getroffen wurde, muss einem Anleger nicht bange sein. Wenn sie allerdings auf Hörensagen basiert, dann hat man natürlich schlechte Karten.

Und wer sich die Arbeit der rationale Aktienauswahl nicht machen will (und es ist viel Arbeit), der kann sich von uns unter www.globalyze.de unterstützen lassen. Und weil nichts so rational ist wie ein Programm, lassen wir die Aktienauswahl auch von diesem vornehmen. Weil wir begriffen haben und demütig genug sind zu erkennen, wo wir als Menschen unsere Begrenzungen haben. Was nicht heißt, dass all unser Wissen und all unsere Erfahrung umsonst wären. Denn das ist natürlich in das Programm eingeflossen. Aber in der Umsetzung kenne ich keinen, der eiskalter und rationaler wäre als Kollege Computer.

Weil Kollege Computer sich keinem Diktat der Märkte unterwirft und weder Gier noch Ängste kennt.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag und stets hohe Renditen.

Ihr Norbert Lohrke

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Über den Autor
 
Autor: Norbert Lohrke Norbert Lohrke,
Globalyze Invest AG

Diplom-Volkswirt Norbert Lohrke betreibt seit 2004 www.globalyze.de mit seiner einzigartigen voll-automatisierten fundamentalen Aktienauswahl. Daraus resultieren renditeträchtige Produkte wie Top10 Plus, Top Flop, Value Börsenbrief und der Aktienfonds Globalyze QuantValue (A1JL1H). Nicht zuletzt aufgrund seiner Erfahrungen aus Wirtschaftsprüfung und Bewertung sowie seiner kritischen Betrachtungsweise ist der Investmentprofi einer der meistgelesenen Wirtschaftsautoren im deutschsprachigen Raum. Sein Slogan? „Rendite ist kein Zufall“

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