„Noch vor Jahren sah ich nicht die Notwendigkeit mich intensiv mit
den Marktströmungen oder der Wirtschaft auseinanderzusetzen.
Schließlich war ich doch ein Bottom-up Investor oder auch
Stockpicker genannt, der so etwas nicht nötig hatte. Allerdings hat
mich gerade die jüngste Krise gelehrt, dass es nicht sehr sinnvoll
ist, den Blick für das Gesamte aus dem Auge zu verlieren.“
Das sind die Worte von David Einhorn, Gründer des Hedge Fonds
Greenlight Capital. Der 1996 mit 900.000 Dollar, die Hälfte davon
von seinen Eltern geborgt, startete und inzwischen mit 25
Angestellten, davon 9 Analysten und 1 Händler, monatliche Renditen
von +25 % einfährt. Und der dadurch Berühmtheit erlangte, weil er
Lehman Brothers bereits Anfang 2008 leerverkauft hat. Und ihm dieser
Deal sicherlich nicht schlecht bekommen ist.
Und auch Nouriel Roubini, der als einer der wenigen, der die
Finanzkrise kommen sah, hat neulich folgendes gesagt: „Ich bin ein
Graham and Dodd Value Investor und geopolitische Dinge
interessierten mich noch vor 10 Jahren überhaupt nicht. Aber jetzt
sind sie unverzichbar.“
Dass diese Aussagen nicht ganz zu Unrecht getroffen werden und die
Stockpicker schwere Zeiten durchleben, zeigen folgende Zahlen bzw.
Statistiken der amerikanischen Morningstar. Während von 1995 bis
2007 noch 50 % der Fonds, die auf große, schnell wachsende
Unternehmen setzten über dem Marktdurchschnitt performten, waren es
im letzten Jahr nur noch 24 %. Dabei ist eine recht interessante
Veränderung zu beobachten.
So änderte sich die Korrelation der Aktien zu den zugrundeliegenden
Indices, auch relative Stärke genannt, recht deutlich. Zur
Erläuterung: Die relative Stärke gibt an, wie stark sich eine Aktie
im Gleichklang mit dem Index entwickelt. Je höher die relative
Stärke ist, desto Index-unabhängiger entwickelt sich eine Aktie. Das
heißt eigentlich nichts anderes, als dass die Zahlen des
Unternehmens, also die individuelle Situation des Unternehmens
besser ist als der Durchschnitt. Was der Grund für das Stockpicking
ist. Wer nämlich die Aktien findet, die sich relativ stärker
entwickeln, kann auch den Markt schlagen.
Nun ist das keine leichte Aufgabe. Man muss sich nur einmal die
Entwicklung der meisten Aktienfonds, die den Anlegern von ihren
Banken untergejubelt werden, anschauen. Dann bekommt man einen
Einblick wie schlecht die Performance zuweilen ist. Und die ist noch
schlechter geworden.
Denn lag die Korrelation der Aktien zum amerikanischen S&P 500
Index in den Jahren 2000 bis 2006 noch bei 27 % - was auf eine große
Unabhängigkeit der Aktien hindeutet – so stieg sie in 2003 mit
Beginn des Irak Krieges auf 60 %. Und die jüngste europäische
Schuldenkrise schaffte sogar den stolzen
Negativ-Korrelations-Rekordwert von 80 %! Wobei der Wert vor, des
von unfähigen Europapolitikern verursachten Schlamassels, bei 40 %
lag. Zuletzt war der Wert bei ca. 66 %.
Nun will ich Sie hier nicht mit Zahlen totschlagen. Viel
interessanter ist schließlich die Aussage, die uns die Zahlen
nahelegen. Wobei diese gar nichts wirklich Neues ist. Die schlichte
Botschaft lautet:
Der Wert der meisten Aktien kann sich den großen, politisch oder
wirtschaftlich verursachten Krisen, nicht entziehen. Ob gut oder
schlecht, in Krisenzeiten sitzen alle im gleichen Boot und werden
kräftig durchgeschaukelt.
Nun könnte man als schlichtes Gemüt auf den Gedanken kommen, dass es
doch keinen Sinn macht Aktien zu kaufen, weil es eigentlich egal
ist, ob man die Richtige auswählt. Weil selbst ein gut laufendes und
solides Unternehmen nicht vor Kursverlusten geschützt ist.
Wenngleich das eigentlich nicht angemessen und ungerecht ist.
Dagegen kann man erst einmal nichts sagen. Wenn man denn nur
kurzfristig orientiert ist. Aber gerade Unternehmen wie z.B. die
Nike, die gestern die Quartalszahlen vorlegte oder unsere Aurubis
AG, ehemalige Norddeutsche Affinerie AG, sprechen eine andere
Sprache und beweisen das Gegenteil. Schauen Sie sich da ruhig einmal
die 10 Jahrescharts an.
Zwar haben die natürlich auch eine Delle bekommen, wie sollte es
auch anders sein. (Alles andere würde bedeuten, dass die Menschen an
der Börse rational unterwegs sind. Und wer die Menschen halbwegs
kennt, weiß dass dies nicht der Fall ist. Sondern genau das
Gegenteil passiert. An der Börse lassen sie sich mehr als anderswo
von ihren Gefühlen wie Angst und Gier leiten). Allerdings haben sie
die locker weggesteckt und sind bereits auf dem Weg zu neuen Höhen.

|
Norbert Lohrke, Globalyze Invest AG |
Diplom-Volkswirt Norbert Lohrke betreibt seit 2004 www.globalyze.de mit seiner einzigartigen voll-automatisierten fundamentalen Aktienauswahl. Daraus resultieren renditeträchtige Produkte wie Top10 Plus, Top Flop, Value Börsenbrief und der Aktienfonds Globalyze QuantValue (A1JL1H). Nicht zuletzt aufgrund seiner Erfahrungen aus Wirtschaftsprüfung und Bewertung sowie seiner kritischen Betrachtungsweise ist der Investmentprofi einer der meistgelesenen Wirtschaftsautoren im deutschsprachigen Raum. Sein Slogan? „Rendite ist kein Zufall“
Alle Artikel dieses Autors anzeigen |
|
Devin Sage TXA ... Devin Sage, Technische-X-Analyse.de (16:06) |
|
|
Erfolgreicher Börsengang !!! Bernd Niquet, Autor (11:14) |
|
|
DAX & Facebook ... Frank Sterzbach, Finanzen & Börse (11:10) |
|
|
Dow Jones alles auf ... Jochen Steffens, Stockstreet GmbH (10:28) |
|
|
GOLD: Baldiges Ende ... Günther Artner, CFA - Erste Group B. (10:03) |
|
|
Hüfners ... Redaktion boerse-frank., Deutsche Börse AG (09:33) |
|
|
Ungarn-Anleihe: Mögliche ... Sven Krupp, (09:02) |
|
|
DAX: Weiterer ... S. Böhm, DaxVestor (07:30) |
|
|
US-Dollar: Vorläufiges ... Herr Dr. Rettinger, Devisen-Trader (07:23) |
|
|
Nullzins-Anleihe ... Sabine Traub, Börse Stuttgart AG (07:08) |
|
|
Bellhaven Copper & ... Stefan Bender, silbernews (25.05.12) |
|
|
Euro-BTP-Futures: Forza ... Dirk Friczewsky, Tradingstrategien (25.05.12) |
|