Borussia Dortmund auf Höhenflug: Jetzt die Aktie kaufen?
Lieber Geldanleger,
BVB-Fans wie ich hatten in den letzten Jahren nicht viel zu lachen. Seit der Meisterschaft 2002 ging es stetig bergab. Das spiegelte sich auch im katastrophalen Kursverlauf der Aktie wider.
Inzwischen ist die Aktie jedoch extrem günstig und sportlich scheint die Wende ebenfalls möglich: Erstmals seit acht Jahren ist Borussia Dortmund wieder Tabellenführer der Fußball-Bundesliga. Wann also einsteigen, wenn nicht jetzt?
Am 15. Oktober wurde der Verkauf des englischen Traditionsclubs FC Liverpool perfekt gemacht. Die hoch verschuldeten "Reds" wurden für eine kolportierte Summe von umgerechnet 340 Millionen Euro an den amerikanischen Investor New England Sports Ventures (NESV) verkauft. Mehrheitseigner der NESV ist der Amerikaner John W. Henry, der in Finanzkreisen einen legendären Ruf genießt.
Henry erwirtschaftete durch den Handel mit Futures und Aktien sowie später als Vermögensverwalter ein Milliardenvermögen. Der exzentrische US-Amerikaner gilt als Trendfolger und hat den größten Teil seiner Tradinggewinne 1995 erzielt. Übrigens: Insider sind der Ansicht, dass beim Zusammenbruch der Barings Bank - ausgelöst durch den Trader Nick Leeson - John W. Henry zu den großen Gewinnern gehörte, die die Gegenposition eingenommen hatten.
Die Liaison zwischen Henry und dem FC Liverpool ist eine zwischen zwei Partnern, die beide schon bessere Zeiten gesehen haben. Henrys Firma werden finanzielle Probleme nachgesagt. Der Wert seines Privatvermögens soll in den letzten Jahren von über drei Milliarden US-Dollar auf rund 650 Millionen US-Dollar geschrumpft sein.
Sicher ist, dass der FC Liverpool, unter anderem durch die Misswirtschaft der bisherigen Besitzer (den beiden Amerikanern Tom Hicks und George Gillett), einen existenzgefährdenden Schuldenberg in Höhe von umgerechnet 270 Millionen Euro angehäuft hat.
*Borussia Dortmund - Ein Schnäppchen?
Hicks und Gillett schimpfen, der achtmalige Europapokalsieger werde weit unter seinem tatsächlichen Wert verkauft. Angeblich wollten die beiden einen Käufer gefunden haben, der bereit gewesen wäre 720 Millionen Euro zu bezahlen.
Ob
das realistisch ist, sei dahingestellt. Immerhin haben die bei
den Fans
hochgradig unbeliebten Investoren selbst im Frühjahr 2007 nur
200 Millionen
Euro für den Verein bezahlt. Im Forbes-Ranking der 20
wertvollsten Fußballklubs
der Welt (Stand: Mai 2010) taucht Liverpool aber mit einem
Marktwert von 822
Millionen US-Dollar (587 Millionen Euro) auf einem stattlichen
sechsten Platz
auf.
*Die wertvollsten Fußballclubs der Welt
|
1. |
Manchester United |
1,835 (Milliarden US-Dollar) |
|
2. |
Real Madrid |
1,323 |
|
3. |
Arsenal London |
1,181 |
|
4. |
FC Barcelona |
1,000 |
|
5. |
Bayern München |
0,990 |
|
6. |
FC Liverpool |
0,822 |
|
7. |
AC Mailand |
0,800 |
|
8. |
Juventus Turin |
0,656 |
|
9. |
Chelsea London |
0,646 |
|
10. |
Inter Mailand |
0,413 |
|
11. |
Schalke 04 |
0,384 |
|
12. |
Tottenham Hotspur |
0,372 |
|
13. |
Olympique Lyon |
0,333 |
|
14. |
Hamburger SV |
0,329 |
|
15. |
AS Rom |
0,308 |
|
16. |
Werder Bremen |
0,274 |
|
17. |
Olympique Marseille |
0,262 |
|
18. |
Borussia Dortmund |
0,261 |
|
19. |
Manchester City |
0,258 |
|
20. |
Newcastle United |
0,198 |
(Quelle: Forbes.com)
Knapp
in die Top 20 schafft es auch Borussia Dortmund, mit einem
geschätzten Wert von
260 Millionen US-Dollar bzw. 186 Millionen Euro. Spätestens
jetzt dürften
einige BVB-Aktionäre aufhorchen, denn die aktuelle
Marktkapitalisierung von
Borussia Dortmund liegt auch nach dem jüngsten Kursanstieg nur
bei 107
Millionen Euro. Daraus ergäbe sich ein Kurspotenzial von 74
Prozent für die Aktie.
Zugegeben, die Forbes-Zahlen sind nicht mehr ganz aktuell (Saison 2008/2009) und die Wertschätzung enthält Schulden für den Stadion(rück)kauf und -ausbau. Dafür hat sich aber auch die sportliche Situation seither dramatisch verbessert und die Nettofinanzverbindlichkeiten (Finanzverbindlichkeiten abzgl. flüssiger Mittel/Wertpapiere) wurden in den letzten Jahren auf 70 Millionen Euro zurückgefahren. Doch ist Borussia Dortmund tatsächlich eine unterbewertete Value-Perle?
Ein
Blick in den Geschäftsbericht (Konzernabschluss 30. Juni 2010)
ist zunächst
eher ernüchternd: Das Eigenkapital liegt nur bei 62 Millionen
Euro und damit
rund sechs Millionen Euro niedriger als im Vorjahr. Das
entspricht einem
Buchwert von 1,02 Euro. Der Wert des vereinseigenen Stadions,
des
Signal-Iduna-Parks (ca. 170 Millionen Euro Bilanzansatz) und die
daraus
entstehenden Finanzierungskosten sind in dieser Rechnung bereits
enthalten.
Tatsächliche stille Reserven könnte es allerdings im Bereich der immateriellen Vermögenswerte geben. Diese werden in der Bilanz mit 20,3 Millionen Euro angesetzt. Darin enthalten ist beispielsweise der Wert des Kaders. Der Marktwert der Mannschaft wird von Transfermarkt.de aber aktuell auf satte 125 Millionen Euro taxiert. Natürlich sind die Spieler im Finanzjargon "betriebsnotwendiges Vermögen" und können damit nicht einfach verkauft werden. Hinzu kommt, dass Spieler, die ihre Verträge erfüllen, ablösefrei wechseln können.
*Stille Reserven im Spielerkader
Fakt
ist aber: Der BVB hat in seinem Spielerkader innerhalb der
letzten beiden Jahre
und teilweise sogar innerhalb weniger Monate drastische
Marktwertsteigerungen
erzielt.
Das extremste Beispiel ist der Neueinkauf Shinji Kagawa. Nur 350.000 Euro überwies der BVB für den Nachwuchsstar in die zweite japanische Liga. Aktuell liegt der Marktwert bei 5 Millionen Euro. Das entspricht einem Buchgewinn von 4,65 Millionen Euro oder alleine fast fünf Prozent der gesamten Marktkapitalisierung des BVB. Für Lucas Barrios wurden aus England angeblich auch bereits 20 Millionen Euro geboten. Bezahlt haben die Borussen für Barrios 4,5 Millionen Euro.
Auch weitere junge Spieler wie Sahin, Schmelzer, Hummels, Subotic und andere haben durch den sportlichen Höhenflug und gute Leistungen ihren Marktwert beträchtlich gesteigert. Das alleine rechtfertigt meiner Ansicht nach für die Aktie einen deutlichen Aufschlag auf den Buchwert von bis zu 50 Prozent.
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